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Die grüne Zukunft des Stahls

Die neue Koksgaseindüsungsanlage schafft die Voraussetzung für den Einsatz von grünem Wasserstoff.

Einst stand das Saarland für Stahl und Kohle, für Industrialisierung und Wirtschaftswunderzeit. Jetzt startet die Stahlindustrie das größte Projekt ihrer Geschichte: die grüne Transformation. Schon in wenigen Jahren werden Koks und Kohle durch Wasserstoff und Elektrizität ersetzt. Und das Saarland wird zum „grünen“ Industriestandort.

An der Saar förderten einst Zehntausende Bergleute jenen Rohstoff, der in Dutzenden Hochöfen im Saarland zu Eisenerz und Roheisen verhüttet wurde. Das Saarland war das Land von Stahl und Kohle. Seit über einem Jahrzehnt sind die Gruben geschlossen und deutlich weniger Hochöfen als zu Hochzeiten in Betrieb. Doch im Wandel lag eine Chance und die saarländische Stahlindustrie nutzte sie. Mit innovativen Technologien gelang es ihr, die Produktivität enorm zu steigern, wettbewerbsfähig zu bleiben und Standorte zu erhalten. 

Heute ist sie als heimischer Zulieferer für den Maschinenbau und die Autoindustrie, für Produzenten von Windrädern und vielen anderen Produkten gut positioniert. Nun schickt sich die Stahlindustrie an, den nächsten Entwicklungsschritt zu tun: die Transformation zum grünen Stahl. Es ist ein großes und komplexes Projekt, das sich auf das gesamte Saarland auswirken wird – und neue Chancen bringt.

Seit Jahrtausenden verhütten die Menschen Eisenerz bei hohen Temperaturen und unter Zusatz von Kohle. Auch wenn sich die Herstellung technologisch in vieler Hinsicht weiterentwickelt hat, ist ein Aspekt geblieben, der heute nicht mehr akzeptabel ist – der hohe Ausstoß an Treibhausgasen. Innerhalb der industriellen Fertigung ist die Stahlindustrie für ein Viertel der CO2-Emissionen weltweit verant­wortlich und für nahezu ein Zehntel der Gesamtemissionen. Doch die Stahlhersteller unter dem Dach der SHS – Stahl-Holding-Saar, die Saarstahl AG und die Dillinger Hütte, wollen das schon bald ändern. Denn Stahl bleibt ein Zukunftsstoff, aber seine Produktion muss nachhaltiger erfolgen.

Weg von der Kohle, hin zum Wasserstoff: Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro sorgen an den Standorten in Völklingen und Dillingen dafür, dass die Geschichte der Stahl­herstellung im Saarland neu geschrieben wird. In Dillingen sollen die klassischen Hochöfen ab 2027 durch eine sogenannte Direktreduktionsanlage zunächst ergänzt und später ersetzt werden. Solche Anlagen brauchen keine Kohle und stoßen auch kein Kohlendioxid mehr aus. Denn um den in Eisenerz und Eisenschrott gebundenen Sauerstoff herauszulösen, also zu reduzieren, wird dort in Zukunft Wasserstoff eingesetzt. Auch um die Hitze zu erzeugen, die zum Einschmelzen des Eisens nötig ist, wird keine Kohle mehr verbrannt. Dazu dienen in Zukunft elektrisch betriebene Öfen, die ebenfalls ab 2027 in Völklingen und Dillingen gebaut werden. Dank des Einsatzes der beiden Techniken sollen jährlich bis zu 3,5 Millionen Tonnen CO2-armer Stahl hergestellt werden. Da bei jeder Tonne herkömmlich produzierten Stahls die eineinhalbfache Menge an CO2 anfällt, werden damit 4,9 Millionen Tonnen CO2 ein­gespart. Damit wird eine komplett neue grüne Wertschöpfungskette geschaffen. Und diese Investitionen sorgen dafür, Tausende Ausbildungs- und Arbeitsplätze im Saarland zu erhalten. 

Der emissionsfrei erzeugte Wasserstoff, der für die grüne Stahlproduktion benötigt wird, ist allerdings noch nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar. Dies ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Transformation in zweifacher Hinsicht nachhaltig gelingt: in öko­­logischer wie ökonomischer. Deshalb baut die Stahlindustrie gemeinsam mit den lokalen Ener­gie­versorgern die Produktion direkt vor Ort im Saarland auf. Und sobald ein geplantes europäisches Wasserstoffnetz verfügbar ist, wollen sich die saarländischen Hersteller daran anschließen.

Die grüne Stahlherstellung ist ein wichtiger Schritt für das Saarland und darüber hinaus. Denn Stahl ist die Basis für zwei noch größere, gesamtgesellschaftliche Projekte: die Energie- und die Mobilitätswende. Für Elektroautos und öffentliche Verkehrsmittel, für Windkraftanlagen, Solarparks und moderne Gebäude liefert die saarländische Stahlindustrie essenzielle Produkte in hoher Qua­lität. Und das in Zukunft CO2-neutral. Der technologische Vorsprung kann sich als der nächste Exportschlager des Saarlandes entpuppen.