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Ein Brutkasten für Innovation und Unternehmergeist


1 KeepLocal: Den regionalen Handel stärken

Wer nicht weiß, was er schenken soll, greift oft zum Gutschein. Das sind allerdings meist Gutscheine für internationale Konzerne oder Onlinehändler. „Das Geld geht der regionalen Wertschöpfung sofort verloren, raus aus Deutschland, aus Europa. Das ist schade“, sagt Andreas Maurer, der zusammen mit Heidi Houy ein regionales Gutscheinsystem namens KeepLocal gegründet hat. 

Die Idee haben Houy und Maurer Anfang 2019 auf einem Unternehmertreffen in Sankt Wendel entwickelt – auf einer Müslipackung. Die Besitzerin einiger Mode­häuser im Ort fragte sich, warum man an der Kasse im Drogeriemarkt nicht auch Gutscheine von Händlern im Ort kaufen kann, IT-Unter­nehmer Maurer wusste gleich, wie dieses Problem zu lösen ist. Das Startup bietet eine Plattform für den Kauf der Gut­scheine. Wenn diese eingelöst werden, wird das Geld an den Online-Handel überwiesen. Am Rest verdient Keep­Local. Die Einlöserate sei bei den Regiogutscheinen recht hoch, sagt Maurer, mittelfristig rechnet er mit zehn Prozent, die nicht eingelöst werden.

Angefangen hat KeepLocal mit Stadt-Gutscheinen für Sankt Wendel, dann regionalen Gutscheinen, inzwischen gibt es alleine im Saarland mehr als 1000 Akzeptanzstellen. Nächstes Ziel: nationale Verfügbarkeit. „Wir werden nicht das Allheilmittel sein, um die Innenstädte zu retten, aber wir können einen Beitrag dazu leisten“, sagt Maurer. Der Gutscheinmarkt in Deutschland hat schon jetzt einen Umsatz von zehn Milliarden Euro, das Potenzial ist riesig. KeepLocal will dafür sorgen, dass aus einem Notfall-Geschenk echter Mehrwert für die Regionen entsteht – dafür wurde die Firma jetzt als Landessieger Saarland mit dem KfW-Award Gründen ausgezeichnet.

Andreas Maurer und Heidi Houy haben KeepLocal gegründet und sind mit ihren lokalen Gutscheinen bei Globus vertreten. © Matthias Baroni

2 Bitahoy: Mit KI gegen Cyber-Angriffe

Große Unternehmen, insbesondere solche, die zur kritischen Infrastruktur gehören, geraten zunehmend ins Visier von Hackerinnen und Hackern. Die Systeme dieser Unternehmen müssen permanent kleine und große Attacken analysieren und abwehren, was ein aufwendiger und teurer Prozess ist. 

Bitahoy hat eine Lösung entwickelt, wie Unternehmen diesen Prozess mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) automatisieren können – und nebenbei auch noch ein weiteres Problem lösen. „Es gibt einen großen Fachkräftemangel in diesem Bereich, dem wir mit unserer Software entgegenwirken können“, sagt Roman Tabachnikov, einer der drei Gründer von Bitahoy. Das Tool von Bitahoy analysiert bestehende technische Daten aus verschiedenen Geschäftsbereichen, Prozessen und Dokumenten. Die KI kann dann basierend auf ihren Vorkenntnissen Vorfälle priorisieren und Empfehlungen für Entscheidungen bezüglich des Sicherheitsmanagements der Firma abgeben. Dabei werden auch rechtliche Rahmenbedingungen und Voraussetzungen einbezogen. 

Das Startup Bitahoy konzentriert sich derzeit vor allem auf Finanzinstitutionen wie Regionalbanken und andere Unternehmen der kritischen Infrastruktur. Mittelfristig soll die KI-Lösung aber auch für kleinere Unternehmen zur Verfügung stehen. „Das wird in Zukunft immer mehr gebraucht werden, in allen Bereichen“, ist sich Roman Tabachnikov sicher.


3 Cysmic: Blutanalyse aus der Espressomaschine

Erysense sieht ein bisschen aus wie eine bekannte Espresso-Kapsel-Maschine, kann aber so viel mehr: Das Gerät ist ein Minilabor samt Mikroskop, das den Blutfluss im Körper des Menschen simuliert, dabei rote Blutzellen analysiert und so unter anderem die Qualität von Blutkonserven überprüfen kann.

Dahinter steckt ein ganzes Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die größtenteils von der Universität des Saarlandes stammen. Sie haben einen Kunststoffchip ent­wickelt, der winzige Mikrokanäle enthält, und ein Verfahren, rote Blutzellen auf diesen Kanälen zu analysieren. Rote Blutzellen sind in der Lage, sich stark zu deformieren, um Sauerstoff in jeden Winkel des Körpers transportieren zu können. Sind sie geschädigt, gelingt das weniger gut. 

Dank Cysmics Verfahren können Auffälligkeiten im Blut frühzeitig festgestellt werden. „Das befähigt uns, Qualitätskontrollen von Blutkonserven durchzuführen“, sagt Dr. Stephan Quint, einer der Gründer von Cysmic. Die große Hoffnung dabei: Aktuell müssen alle nicht eingesetzten Blutkonserven nach 42 Tagen entsorgt werden – auch wenn diese noch länger halten würden. Mithilfe von Erysense können Blut­­­konserven hingegen spenderspezifisch bewertet werden. „Wir hoffen, so bis zu 20 Prozent mehr Blut im Markt halten zu können“, sagt Quint.

Erysense von Cysmic ist ein Point-of-Care-Blutanalysegerät, das Lab-on-Chip-Tech­no­logie, Bildgebung und KI vereint, und kaum größer als eine Espressomaschine ist.

4 IS Predict: KI-Vorreiter aus Saarbrücken

Effiziente Prozesse für Mensch, Maschine, Material und Energieeinsatz zu gestalten – so lautet das Ver­sprechen des auf KI spezialisierten Softwareunternehmens IS Predict aus Saar­brücken. „Unser Ziel ist es, uns als Vorreiter für innovative und leistungsstarke KI-Lösungen zu etablieren“, sagt Britta Hilt, Managing Director und Co-Founder des 2010 gegründeten Unternehmens. Das Saarland habe ein attraktives Umfeld für das damalige KI-Startup geboten, so Hilt. „An der Uni in Saarbrücken gibt es seit vielen Jahrzehnten das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das weltweit einen guten Ruf hat.“ Es gebe zahlreiche Hilfestellungen bei einer Gründung. Zudem nutze IS Predict heute als erfolgreiches Unternehmen diverse Forschungskoope­rationen. Dabei könne jeder Partner seine spezifische Expertise einbringen.

Gemeinsam haben Richard Martens und Britta Hilt das KI-Unternehmen IS Predict gegründet. Schon 2010 bot das Saarland dafür ein attraktives Umfeld. © Axl Klein