HistoPopArt

HistoPopArt

Kunst mit Haut und Haaren

Unheimlich bunt und herrlich abstrakt – so wirken die Bilder von Künstlerin Anne U. Kerber beim ersten Hinsehen. Doch was zunächst wie beliebig angeordnete Farben, Formen und Muster aussieht, offenbart in Wirklichkeit einen tiefen Blick in das Innere des Menschen. HistoPopArt ist eine kreative Art die Histologie – also die Wissenschaft vom Aufbau biologischer Gewebe – mit der modernen Pop Art kombiniert.

Von Beruf ist Anne U. Kerber seit 28 Jahren Medizinisch-technische Assistentin an der Universitäts-Hautklink im Homburg. Dort leitet sie das Dermatopathologische Labor. Schon immer haben sie die Strukturen der gesunden Gewebe des Menschen fasziniert und daraus ist die Idee entstanden, die Histologie mit der modernen Popart zu kombinieren. Hierzu stellt sie fünf Mikrometer dünne Schnittpräparate von gesundem menschlichem Gewebe her und färbt diese ein. Unter dem Mikroskop werden die Präparate anschließend betrachtet, „künstlerisch wertvolle“ Ausschnitte ausgewählt und fotografiert. Die so entstandenen Fotos wandelt die Künstlerin am Computer zu POP ART Bildern um. Wie genau das geht ist ihr Geheimnis. Die dargestellten Haare, Drüsen, Blutgefäße sowie Muskel-, Knorpel- und Fettzellen sind immer noch als solche zu erkennen und beeindrucken durch ihre Struktur und die gewählte POP ART Farbgebung. Grundsätzlich verwendet Anne U. Kerber nur gesundes menschliches Gewebe für ihre Bilder. HistoPopArt fasziniert nicht nur medizinisches Fachpersonal, sondern vor allem auch Menschen außerhalb medizinischer Berufe. Die außergewöhnlichen popig-bunten Werke bieten dem Betrachter eine unkonventionelle Möglichkeit, sich mit seinem Inneren auseinanderzusetzen.

Anne U. Kerber hatte bereits zahlreiche Ausstellungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2016 zum Beispiel in Gunter von Hagens Körperweltenmuseum in Berlin. Ihre Bilder sind auf medizinischen Kongressen ebenso zu finden wie in zahlreichen Praxen und Privathaushalten. Inzwischen gibt es weit über 20 Zeitschriften Cover und viele deutsch- und englischsprachige Artikel in diversen medizinischen Fach-Zeitschriften. 2017 wurde Anne U. Kerber wegen ihrer Verdienste um die Fotografie als erste Medizinisch-technische Assistentin in die Deutsche Gesellschaft für Photografie e.V. berufen.

Das neueste Projekt von Anne U. Kerber ist ihre innovative Serie, „HistoPopArt – Next Generation“. Hierbei zeigt sie ganz neu erschaffene histologische Popart Bilder. Diese zeichnen sich durch die gleichen leuchtenden und knallbunten Farben aus, sind aber deutlich abstrakter als die bisherigen Werke. Bislang war (zumindest für ein geübtes Histologen-Auge) immer zu erkennen, um welches gesunde menschliche Gewebe es sich handelt. Nun sind die Gewebestrukturen nicht mehr auf den ersten Blick, manchmal sogar gar nicht zu erkennen. Die Farben stehen deutlich im Vordergrund. Auch diese neuen Bilder haben ihren ganz eigenen Reiz – gehen noch mehr in die Richtung Moderne Kunst und lassen den Betrachter weiterhin darüber staunen, was man alles aus histologischen Präparaten machen kann. Zu sehen werden diese Bilder auf der Jahrestagung der Deutschen Pathologischen Gesellschaft im Juni 2019 in Frankfurt sein.