Autor: HDW

Tag der Deutschen Einheit im Saarland: Zukunft durch Wandel

Tag der Deutschen Einheit im Saarland:

Zukunft durch Wandel


Das Saarland freut sich, den diesjährigen Tag der Deutschen Einheit unter dem Motto „Zukunft durch Wandel“ auszurichten – ein Leitgedanke, der unsere Region prägt. Wandel ist hier keine abstrakte Vision, sondern gelebte Wirklichkeit.

Ein eindrucksvolles Symbol dafür ist das Saarpolygon auf der Halde Duhamel in Ensdorf. Wo einst Kohle das Land prägte, steht heute eine kraftvolle, begehbare Skulptur, die sowohl Erinnerung an die Zeit des Bergbaus als auch Signal für Aufbruch, Innovation und neue Perspektiven ist.

Eine lächelnde Frau mit Brille steht vor einer Versammlung im Freien. Der deutsche Text hebt eine nationale Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken hervor, bei der sich das Standortmarketing Saarland vom 2. bis 4. Oktober 2025 präsentiert.
Kampagnenmotiv zum Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken

Die besondere Architektur des Saarpolygons zeigt aus jeder Perspektive neue Silhouetten: Mal erinnert sie an die industrielle Geschichte des Saarlandes, mal weist sie den Weg in eine moderne, zukunftsorientierte Entwicklung. Diese Vielfalt der verschiedenen Blickrichtungen zeigt sich auch in unserem Land, das immer wieder neue Wege findet, sich weiterzuentwickeln.

Wie das Saarpolygon steht auch das Saarland für die Verbindung von Tradition und Fortschritt, für Transformation und Zusammenhalt – und für die Fähigkeit, Chancen im Wandel aktiv zu nutzen.

Vom 2. bis 4. Oktober entsteht in der Saarbrücker Innenstadt ein lebendiger Festbereich zum Tag der Deutschen Einheit. Hier präsentiert sich das Saarland mit einem abwechslungsreichen Unterhaltungsprogramm, mit Kunst und Kultur, Kulinarik und Kommunikation. Aber auch mit seinen touristischen Highlights. Neben den Verfassungsorganen präsentieren sich alle Bundesländer, viele Institutionen und saarländische Unternehmen, um gemeinsam die Wiedervereinigung zu feiern und Austausch und Zusammenhalt zu fördern.

HiChamp Podcast #6: Prof. Dr. Andrea Volkamer

HiChamp Podcast #6: Prof. Dr. Andrea Volkamer

Prof. Dr. Andrea Volkamer – Zwischen KI und Pharmazie


In den Erfolgsgeschichten der Gäste des Saarland-Podcasts zeigt sich, dass Großes oftmals im Kleinen entsteht. Herausragende Wissenschaftler*innen, starke Unternehmer*innen und innovative Gründerteams sprechen über Zukunft, Visionen und außergewöhnliche Lebenswege – made in Saarland. Wir beleuchten in unserem neuen HiChamp-Podcast einzigartige Karriere-, Herzens-, aber auch komplizierte Umwege – und fragen nach, wie sich Arbeiten, Forschen und Leben im Saarland anfühlt. Willkommen, um zu bleiben. Bei Germany’s Hidden Champion. Saarland.

In Folge 6 erfahren wir von Prof. Dr. Andrea Volkamer, wie an der Universität des Saarlandes Zukunft gemacht wird. Die Bio-Infomatikerin betreibt dort Data Driven Drug Development, forscht und arbeitet an der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz und Pharmazie. Im Interview mit den Moderatoren Simin Sadeghi und Franz Johann erfahren wird über die unschätzbaren Vorteile, die der Campus Saarbrücken mit seinen kurzen Wegen bietet und eine Antwort auf die Frage: Wann wird es das erste Medikament „Made in Saarland“ geben?

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HiChamp Podcast #5: Andreas Hoffmann

HiChamp Podcast #5:

Andreas Hoffmann – Silo, Subkultur, Solarparks.


In den Erfolgsgeschichten der Gäste des Saarland-Podcasts zeigt sich, dass Großes oftmals im Kleinen entsteht. Herausragende Wissenschaftlerinnen, starke Unternehmerinnen und innovative Gründerteams sprechen über Zukunft, Visionen und außergewöhnliche Lebenswege – made in Saarland. Wir beleuchten in unserem neuen HiChamp-Podcast einzigartige Karriere-, Herzens-, aber auch komplizierte Umwege – und fragen nach, wie sich Arbeiten, Forschen und Leben im Saarland anfühlt. Willkommen, um zu bleiben. Bei Germany’s Hidden Champion. Saarland.

In Folge 5 unterhalten sich unsere Moderatoren mit Andreas Hoffmann, Gründer und CEO des saarländischen Erfolgsunternehmens Greencells, unter anderem über seinen Werdegang zum Unternehmer und Saarbrückens Rolle als Kulturstandort. Fest verwurzelt mit der Clubszene, in der er früher als DJ selbst einen Namen hatte, liegt dem heutigen Geschäftsmann unverändert die Wichtigkeit von Kultur außerhalb des Mainstreams und ihre Bedeutung für eine Stadt am Herzen. Bei seinem Investitionsprojekt am Areal rund um den Saarbrücker Osthafen möchte er neue Arbeits- und Lebensräume gestalten, ohne der Szene ihren dortigen Platz zu nehmen.

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HiChamp Podcast #4: Svenja Böttger

HiChamp Podcast #4:

Svenja Böttger – Für eine Woche wird das Saarland zu „Deutschlands gallischem Filmdorf“


In den Erfolgsgeschichten der Gäste des Saarland-Podcasts zeigt sich, dass Großes oftmals im Kleinen entsteht. Herausragende Wissenschaftlerinnen, starke Unternehmerinnen und innovative Gründerteams sprechen über Zukunft, Visionen und außergewöhnliche Lebenswege – made in Saarland. Wir beleuchten in unserem neuen HiChamp-Podcast einzigartige Karriere-, Herzens-, aber auch komplizierte Umwege – und fragen nach, wie sich Arbeiten, Forschen und Leben im Saarland anfühlt. Willkommen, um zu bleiben. Bei Germany’s Hidden Champion. Saarland.

In Folge 4 gibt uns Svenja Böttger, Leiterin des Filmfestival Max Ophüls Preis, einen Einblick hinter die Kulissen eines der wichtigsten und größten deutschen Filmfestivals. Vor acht Jahren kam sie aus Berlin ins Saarland, um hier als jüngste Festivalleiterin in der Geschichte des FFMOP zu starten. Unseren beiden Moderatoren Simin Sadeghi und Franz Johann erzählt sie von ihrem spannenden Werdegang und wieso sie gerade das Saarland als Ort für ein Filmfestival sehr schätzt.

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Komplette Sonderbeilage
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Lesen Sie hier unsere komplette Sonderbeilage in der Saarbrücker Zeitung und in der Frankfurter Allgemeine Zeitung


Alles über das Zukunftsland Saarland! Eine Publikation von saaris im Rahmen des Saarland-Marketings und im Auftrag der Landesregierung.

Auf eine nachhaltige Zukunft

Auf eine nachhaltige Zukunft


Die Idee der Kreislaufwirtschaft birgt das Potenzial, das traditionelle Wirtschaftsmodell zu revolutionieren und eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Im Saarland zeigen Unternehmen, wie es geht.

Zwei Personen stehen in einem saarländischen Labor neben einem großen wissenschaftlichen Instrument und unterhalten sich. Auf einem Computermonitor ist ein mikroskopisches Bild in Graustufen zu sehen, das die Innovation widerspiegelt, die das Saarland-Marketing zu Deutschlands Hidden Champion macht.
Prof. Dr. Frank Mücklich (links) und Surfunction-CEO Dr. Dominik Britz vor einem Ionenstrahl-Mikroskop, das eine bioinspirierte Oberfläche zeigt.
Mit dieser können enorme Energieeinsparungen erreicht werden. Foto: Oliver Dietze

Hürden für die Kreislaufwirtschaft überwinden

Die Umsetzung der Circular Economy muss sowohl zur Senkung des Ressourcenverbrauchs als auch für unsere bestmögliche wirtschaftliche Resilienz und technologische Unabhängigkeit vorangetrieben werden. Dabei spielt ein neuer Ansatz zur Werkstoffoptimierung eine wichtige Rolle. Professor Frank Mücklich, Direktor des Material Engineering Centers Saarland an der Universität des Saar­landes und Sprecher für die Material­wissenschaft und Werkstofftechnik an der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), erklärt dazu: „Die Energiewende ist auch eine Ma­te­rialwende, bei der wir eine enorm ge­stiegene chemische Diversität der Hoch­leistungswerkstoffe einsetzen. Für eine erfolgreiche Entwicklung bis zur Circular Economy muss dabei unbedingt von Anfang an auch die Möglichkeit der späteren effizienten Wiederauftrennung komplexer technischer Produkte in die Einzelwerkstoffe bereits bei der Werkstoffentwicklung und der Systemkonstruktion mitgedacht werden.“ Beispielsweise werden derzeit noch viel­fältigste funktionelle Beschichtungen eingesetzt, die das spätere Recycling massiv behindern. Das ökologisch innovative saar­ländische Startup Surfunction beweist mit seiner bioinspirierten DLIP-Lasertechnik zur maßgeschneiderten Oberflächenfunk­tionalisierung ganz ohne Chemie, dass völlig neue tech­nologische Wege zur konsequenten Circular Economy möglich und notwendig sind.

Zwei Männer in schwarzen Hemden und Mützen stehen im Freien, während einer mit einer Zeitung gestikuliert. Unscharfe Gebäude, Menschen und ein Wassertank füllen den Hintergrund. Eine Szene des Standortmarketings Saarland bei teilweise bewölktem Himmel, die Deutschlands Hidden Champion vorstellt.
Daniel Gluche und Chris Koch in Uganda.

Unternehmer gehen soziale Missstände an

Die Energiewende vorantreiben und soziale Missstände in der Welt unternehmerisch lösen: Das hat sich die ICC GmbH aus Saarbrücken auf die Fahnen geschrieben. Das Ende 2021 von Christian Koch und Daniel Gluche gegründete soziale For-Profit-Unternehmen arbeitet im Bereich Flächensicherung für Solarkraftwerke und Energiespeicher sowie im Bereich Kunststoffrecycling an einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft in Deutschland sowie Ostafrika – und bekämpft durch das Schaffen von Arbeitsplätzen Fluchtursachen in Afrika. „Wir arbeiten gerade am Aufbau eines Netz­werkes industrieller Spritzgussproduzenten. Damit können wir Kunststoffprodukte von Handelsunternehmen durch 100 Prozent Rezyklat substituieren“, er­läutert Koch. Damit werde die Kreislaufwirtschaft vorangebracht. Die entstehenden Gewinne dienen wiederum zum Teil dazu, Partner in Ostafrika bei der Realisierung eigener Startups im Bereich Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. 

Dem perfekten Wirkstoff auf der Spur

Dem perfekten Wirkstoff auf der Spur


Nach Stationen in den USA, Hamburg, Heidelberg und Berlin kehrte Andrea Volkamer im August 2022 zurück in ihre Heimat: an die Universität des Saar­landes als Professorin für Data Driven Drug Design. Mit ihrer Arbeit will die Bioinformatikerin dazu beitragen, Medikamente schneller zu entwickeln und die Zahl von Tierversuchen zu reduzieren. 

Eine Frau mit langen blonden Haaren und Brille, die einen marineblauen Pullover über einem gestreiften Hemd trägt, steht an einem Geländer in einem hellen Flur mit großen Fenstern, die die Professionalität und den Geist von Saarland Marketing widerspiegeln.
Prof. Dr. Andrea Volkamer hat sich von Anfang an auf das computerge­stützte Wirkstoffdesign spezialisiert. Foto: Jan Hennemann

Andrea Volkamer forscht an der Ent­­­wicklung  von Medikamenten. Nicht mit Pipette, Reagenzglas und Mikroskop, sondern mit dem Computer: Sie ist Professorin für Data Driven Drug Design an der Universität des Saarlandes. „Ich beschäftige mich mit computergestütztem Wirk­stoffentwurf auf molekularer Ebene, also mit Proteinen und wie man diese mithilfe kleiner Moleküle blockieren kann“, erklärt die Bioinformatikerin. Denn nach diesem Prinzip funktionieren viele Arzneistoffe: Sie binden an bestimmte fehlregulierte Proteine im Körper, hemmen deren Funktion und verhindern so ein Fortschreiten der Krankheit. Ein bekanntes Beispiel eines solchen Medikaments ist Aspirin. Es bindet an ein Protein, das für die Weitergabe des Schmerzsignals verantwortlich ist. Dadurch verhindert es, dass der Schmerz im Körper weitertransportiert wird. 

Mit dem Computer Krankheiten bekämpfen

Das passende „Blockade“-Molekül für ein bekanntes Protein zu finden, ist eine der Schwierigkeiten bei der Entwicklung neuer Medikamente. „Es gibt Milliarden Möglichkeiten, wie ein Molekül aussehen könnte. Aus dieser Menge möchte man nun die Kandidaten aussuchen, die am besten in die dreidimensionale Struktur des Proteins passen und die gewünschte Wirkung haben – ähnlich der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt An­drea Volkamer. Alle Varianten im Labor durchzutesten wäre immens aufwendig. Mit Computer­hilfe allerdings lässt sich die wahrscheinliche Wirkung einer Milliarde Moleküle im Nu simulieren. Genau das macht die Wissenschaftlerin mit ihrem Team: „So finden wir aus dieser Riesenmenge die vielleicht 100 am besten geeigneten Moleküle und erstellen eine Vorauswahl, die dann im Labor weiter untersucht wird.“ Die Vorteile: Man spart Zeit und somit Geld im sehr langen und teuren Entwicklungsprozess, erhöht die Erfolgschancen und verringert die Zahl benötigter Tierversuche. 

Letzteres war mit ein Grund dafür, warum sich Andrea Volkamer nach dem Abitur für den damals noch recht exotischen Studiengang der Bioinformatik entschieden hat. „Die Idee, mit Computern etwas zu simulieren, sodass man weniger am Tier testen muss, hat mich gepackt“, sagt sie. Vor allem aber habe sie die Anwendungsnähe des Fachs gereizt. Ein Artikel in der regio­nalen Tageszeitung hatte die gebürtige Saar­länderin seinerzeit auf den neuen Studiengang an der Uni des Saarlandes aufmerksam gemacht. Sie ging zur Infoveranstaltung. Danach war ihr klar, das richtige Fach gefunden zu haben. 2001 schrieb sie sich an der Saar-Uni als eine der ersten Bio­informatik-Studierenden ein.

Es folgte eine beeindruckend geradlinige Karriere: Nach ihrem Masterabschluss zog es sie in die USA zu einem einjährigen Forschungsaufenthalt an der Purdue University. Nicht zuletzt auch der Sprache wegen. „Denn Englisch ist in unserem Fach Pflicht“, betont sie. Zurück in Deutschland, promovierte sie an der Universität Hamburg. Ab 2013 arbeitete die Nachwuchs­wissenschaftlerin als PostDoc am BioMedX Innovation Center Heidelberg in der Krebsforschung. Drei Jahre später kam der Wechsel zur Charité in Berlin, wo sie als Juniorprofessorin eine Forschungsgruppe leitete. Im August des Jahres 2022 kehrte sie schließlich an die Uni­versität des Saarlandes zurück. 

Ein 3D-Molekülmodell, das eine Proteinstruktur mit Oberflächendarstellung und ein kleineres, in der Mitte gebundenes Molekül zeigt; die Bereiche sind blau, rot und weiß eingefärbt, um unterschiedliche Eigenschaften anzuzeigen - ein Beispiel für Deutschlands Hidden Champion im Standortmarketing Saarland.
Schlüssel-Schloss-Prinzip: Die 3D-Visualisierung der Kristallstruktur zeigt, wie Aspirin an das COX-2 bindet und damit seine entzündungs­hemmende Wirkung entfaltet (PDB ID 1OXR).

Wie das Lösen eines dreidimensionalen Puzzles

Nach dem roten Faden in ihrem Werdegang muss man nicht lange suchen: Von Anfang an hatte Andrea Volkamer sich im Studium auf das com­putergestützte Wirkstoffdesign spezialisiert. „Für mich hat das etwas von einem Rätsel. Es ist wie ein Puzzle, bei dem man sich fragt: Wie finde ich das Teil, das ins Protein passt?“, begründet die Forscherin ihre Faszination für das Fachgebiet. Vereinfacht gesagt, entwickelt ihre Forschungsgruppe Methoden, die aus einer großen Menge an verfügbaren experimentellen Daten Regeln ableiten und Vorhersagen für zukünftige Experimente machen. Dazu nutzt sie auch maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz (KI). „Anstatt einem Computer die Regeln mitzugeben, anhand derer Daten sortiert werden sollen, gebe ich dem Computer eine sehr große Datenmenge, beschreibe diese in geeigneter Weise und das Modell lernt selbst, diese Daten zu trennen“, erklärt sie. Die Wissenschaftlerin sieht darin enormes Potenzial für ihr Forschungsfeld. Denn eine KI, die mit Daten von bereits verfügbaren Mole­külen trainiert wurde, kann beispielsweise auch genutzt werden, um neue Moleküle vorzuschlagen: „Solche Algorithmen durchsuchen nicht einen riesigen Datensatz, sondern entwickeln ein passendes Molekül sozusagen von Grund auf.“

Die Anwendungsmöglichkeiten von Vol­kamers Methoden sind sehr breit. Sie können sowohl bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs, aber auch für neue Antibiotika zum Einsatz kommen. Doch weil ihre Arbeit ganz am Anfang eines im Schnitt 15 Jahre dauernden Entwicklungsprozesses steht, ist es schwer zu er­mitteln, an welchen konkreten Arzneimitteln ihre Methoden mitgewirkt haben. Umso mehr freut sie sich über die räumliche Nähe der verschiedenen Institutionen an ihrer jetzigen Wirkungsstätte in Saarbrücken. Andrea Volkamer ist eingebettet in das Zentrum für Bioinformatik und arbeitet eng mit der Informatik zusammen, deren Gebäude sich direkt gegenüber befindet. Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) liegt nur ein paar Meter die Straße hinunter, und auch die Uniklinik in Homburg ist nicht weit. „Durch diese kurzen Wege zu den Partnern, die das Ganze von der Grundlagenforschung bis zu den klinischen Studien weiterführen können, sind wir mehr am ganzen Prozess beteiligt. Ich finde das spannend, am Schluss vielleicht zu sehen, dass die Anwendung unserer Methoden dazu beigetragen hat, ein neues Antibiotikum zu entwickeln“, freut sich die Bioinformatikerin.

Wenn sie über ihren Arbeitsplatz spricht, gerät sie fast ins Schwärmen. Neben den kurzen Wegen zu anderen Fachbereichen lobt sie insbesondere die sehr gute Ausstattung: „Das Saarland wird oft übersehen. Dabei haben wir hier Spitzenforschung mit Spitzenforscherinnen und -forschern. Die Möglich­keiten, die man hier hat, sind riesig“, sagt sie. Hinzu komme ein sehr persön­licher Umgang im Team: „Das ist ein Miteinander, das es an vielen anderen Standorten so nicht gibt. Man kennt sich, man hilft sich.“

Eine Frau mit langen blonden Haaren und Brille, die einen marineblauen Pullover über einem gestreiften Hemd trägt, steht an einem Geländer in einem hellen Flur mit großen Fenstern, die die Professionalität und den Geist von Saarland Marketing widerspiegeln.

Das Saarland wird oft übersehen. Dabei haben wir hier Spitzen­forschung mit Spitzen­forscherinnen und -forschern. Die Möglichkeiten, die man hier hat, sind riesig.“

Prof. Dr. Andrea Volkamer

Engagierte Open-Science-Verfechterin

Neben ihrer Forschungsarbeit liegen Andrea Volkamer auch die Lehre und die Nachwuchs­förderung sehr am Herzen. Als Open-Science-Verfechterin stellt sie nicht nur die Forschungs­ergebnisse sowie den Programmcode ihrer Arbeitsgruppe online zur Verfügung, sondern engagiert sich auch für digitale und frei verfügbare Lehrmaterialien – insbesondere vor dem Hintergrund der Interdisziplinarität ihres Fachs. Gerade die Thematik rund um den Umgang mit großen Datenmengen und KI spielt in immer mehr Fächern eine wachsende Rolle. Biologie, Chemie, Pharmazie und Medizin müssen sich zunehmend damit auseinandersetzen. Deshalb gibt Andrea Volkamer auch KI-Kurse für Kolleginnen und Kollegen aus der Medizin oder der Chemie.

In jedem ihrer Worte spürt man die Leidenschaft für ihr Fach. Dass sie diese ausleben kann, verdanke sie vor allem der Unterstützung ihres Mannes. Als Mutter zweier junger Kinder ist der Spagat zwischen Familie und Forschung nicht immer einfach. Mit dem Umzug ins Saarland sind nun auch die Großeltern in der Nähe und können ab und zu unterstützen. Auch in dieser Hinsicht hat Saarbrücken also eindeutig einen Standortvorteil gegenüber Berlin zu bieten. Kein Wunder, dass sich Andrea Volkamer angekommen fühlt.

Gut vernetzt zum Wohle der Patienten

Hightech in der Medizin:

Gut vernetzt zum Wohle der Patienten 


Das neue Center for Digital Neurotech­nologies Saar und das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien werfen einen Blick in die nahe Zukunft und zeigen, warum sowohl Neuro­technologie als auch Material­wissenschaft im Saarland bereits Leuchtturmprojekte sind.
Eine Person in OP-Kleidung und einem VR-Headset bedient einen Roboterarm über einem drapierten Patienten in einem Krankenzimmer - so präsentiert sich Deutschlands Hidden Champion im Hightech-Gesundheitswesen, gefördert vom Standortmarketing Saarland.
Einsatz von AR-Technologie im OP – Basis für optimale Entscheidungen des Chirurgieteams. © Systems Neuroscience and Neurotechnology Unit (SNNU) 

Computeroptimierte Operationsmethoden, verbesserte Behandlungsmethoden in der Geburtsmedizin oder die frühzeitige Erkennung von Krankheiten durch die Erhebung von Gesundheitsdaten: Im Zeitalter der Digitalisierung verschmelzen Medizin und Technik immer stärker. Deshalb erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Saar-Uni, der htw saar sowie des Zentrums für Mechatronik und Automati­sierungstechnik (ZeMA) im Center for Digital Neurotechnologies Saar (CDNS), wie die engere Verzahnung von Mensch und Computer insbe­­sondere auf dem Feld der Medizin in Zukunft kontinuierlich verbessert werden kann. Das interdisziplinäre Zentrum CDNS wurde Anfang 2022 auf dem Campus Homburg der Universität des Saarlandes eingerichtet und vernetzt dort mit der Universitätsmedizin, der Informatikforschung und der Saarwirtschaft einen großen Talentpool, eine hochwertige Hochschullandschaft und Partner- sowie Tech-Netzwerke.

Übertragung menschlicher Nähe und Berührungen durch das Internet 

Verschiedene Projekte des Techhubs werfen einen Blick in die nahe Zukunft, die längst mehr ist als Science-Fiction. So geht es zum Beispiel bei dem Forschungsprojekt „Multi-Immerse“ darum, schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen im Universitätsklinikum des Saarlandes virtuelle Besuche ihrer Angehörigen in einem speziellen digitalen Raum zu ermöglichen. VR-Brillen (VR steht für „Virtuelle Realität“) sind das wohl bekannteste Beispiel „immersiver Technologien“, mit deren Hilfe wir in virtuelle Welten eintauchen. Sie nutzen aus, dass sich das menschliche Gehirn – eigentlich ein erstaunliches Meisterwerk – relativ einfach austricksen lässt. Denn das Gehirn kann vieles, aber nicht in zwei unterschiedlichen Welten gleichzeitig sein. Wenn sich Menschen also eine dieser VR-Brillen aufsetzen, auf denen ein Strandfilm abläuft, dann haben sie irgendwann das Gefühl, am Strand zu sein, weil sie ja nichts anderes zu sehen und zu hören bekommen als einen Strand und das Geräusch von Wellen. Beim Sehen und Hören machen die Forschenden des CDNS allerdings nicht halt. Sie forschen mit vielen Tech-Partnern an multisensorisch-immersiven Technologien, das heißt, sie wollen uns eine leichte Brise am Strand auch noch fühlen und in Zukunft vielleicht sogar die Seeluft riechen lassen. 

Die psychosozialen Möglichkeiten dieser Technologie nutzt das Projekt „Multi-Immerse“ dazu, schwer erkrankten Kindern, die ihre Familien nicht treffen dürfen, bestmöglichen Ersatz zu bieten. Eine Alternative, die intensiver, unmittelbarer und sinnlich erfahrbarer ist als ein Videocall oder selbst ein Elternbesuch, bei dem sich die Familie doch in zwei unterschiedlichen Räumen aufhält und durch eine Fensterscheibe getrennt ist. Der therapeutische Nutzen ist evident: Stresshormone fallen in Anwesenheit der Eltern bei Kindern messbar ab, die Nähe ist ein Heilmittel. 

Eine Person liegt in einem Krankenhausbett, trägt ein buntes Hemd und ein VR-Headset, an dem Elektroden befestigt sind. Zwei Personen mit behandschuhten Händen stellen die Geräte ein und zeigen Deutschlands Hidden Champion in der medizinischen Forschung durch innovatives Standortmarketing Saarland.
Mithilfe von VR-Brillen soll das Forschungsprojekt „Multi-Immerse“ schwer kranken Kindern virtuelle Besuche ihrer Angehörigen in einem speziellen digitalen Raum ermöglichen. © ZeMA – Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik gGmbH

„Informatiker etwa befassen sich mit der Frage, wie man die Berührung aufnimmt und das Zentrum für Mechatronik mit der Weiterleitung an das Kind. Neurowissenschaftler optimieren die emotionale Erfahrung bei der übertragenen Berührung“, beschreibt Professor Daniel Strauss, Sprecher des CDNS, die interdisziplinäre Zusammenarbeit. „Um zu klären, ab welchem Alter der Einsatz sinnvoll ist, ist auch die Homburger Kinderpsychiatrie mit involviert“, fügt er hinzu. Das Projekt „Multi-Immerse“ wird derzeit in der Kinderklinik Homburg realisiert, soll im Anschluss aber auch in anderen Bereichen des Gesund­heitswesens Anwendung finden. 

NeuroSensorik in Kombination mit KI als Frühwarnsystem

Auch bei dem Projekt „Digital Scrubs“ werden Medizin und Informatik eng miteinander verknüpft. Dabei sollen OP-Teams in Krankenhäusern künftig interaktive Assistenzsysteme zur Seite gestellt werden, die „Aufmerksamkeitsressourcen“ optimieren. Schon heute sind Operationen hochtechnisierte, minutiös getaktete Prozesse in OP-Trakten voller Bildschirme. Der Ansatz „neues Gerät, neuer Bildschirm, neuer Alarmton“ verliert im Zusammenwirken mehrerer Geräte allerdings seine Effizienz. Auch führt die zunehmende Vernetzung innerhalb des OP zu mehr Daten, aus denen wertvolle Informationen zur Verbesserung des Eingriffs abgeleitet werden können. Der Nutzen dieser Informationen zur Verbesserung eines Eingriffs ist derzeit allerdings durch die Aufmerksamkeitsressourcen des OP-Teams beschränkt. 

Das Projekt „Digital Scrubs“ beschäftigt sich deshalb damit, wie relevante, KI-gestützte OP-Infos ans Chirurgieteam optimal übermittelt werden können und welche Vorteile es hätte, wenn Chirurginnen und Chirurgen ihre Sinne durch AR-Technologie erweitern würden. AR steht für „Augmented Reality“ und bedeutet „erwei­terte Realität“, wobei die Forschung am CDNS neben den bekannten AR-Brillen auch das Multisensorische umfasst. Anders als bei VR-Brillen wird die Realität dabei nicht ausgeblendet, sondern AR ermöglicht es der oder dem Operierenden, mit hochauflösenden 3D-Scans ins Patienteninnere zu blicken. „Über die Brille zeigt die KI dem Chirurgen, wo er schneiden soll, auf Basis von Daten, die während der OP in Hoch­geschwin­digkeit ausgewertet werden“, erklärt Professor Daniel Strauss. 

Gleichzeitig soll KI auch eingesetzt werden, um individuell auf die kognitive und emotionale Verfassung des OP-Teams durch spezielle Neurosensorik, zum Beispiel in den OP-Kleidern, einzugehen. „Wenn der Chirurg visuell und akustisch belegt ist, weil er gucken muss, wo er schneidet, und auch noch mit dem OP-Team redet, muss die KI ihm anders mitteilen, dass er um Gottes Willen nicht weiterschneiden darf“, erläutert Professor Strauss. Das könnte zum Beispiel haptisch erfolgen: durch ein Vibrieren der Weste. Vereinfacht gesagt: Neurosensorik soll als Frühwarnsystem wirken und durch das „Aufmerk­­sam­keits-Assistenzsystem“ OP-Fehler minimieren. 

Ein Mann in einem weißen Laborkittel steht in einem Labor neben wissenschaftlichen Geräten und Behältern. Auf einem Bildschirm ist das INM-Logo mit dem Schriftzug "INM Leibniz-Institut für Neue Materialien" zu sehen - ein Hinweis auf Deutschlands Hidden Champion im Saarland Marketing.

Mit diesem multi­diszi­plinären Forschungs­programm ist Saarbrücken international führend auf dem Gebiet der lebenden Materialien.»

Prof. Dr. Wilfried Weber ist seit Kurzem Wissen­schaft­licher Geschäftsführer des INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien

Materialwissenschaft und Biotechnologie verknüpft

Auch das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien arbeitet interdisziplinär. Fachleute aus Materialwissenschaft, Physik und Chemie, aber auch aus der Biologie, Pharmazie und Medizin forschen unter anderem daran, Materialien so zu ver­ändern, dass diese nützliche neue Eigenschaften annehmen: Zerkratzte Lacke heilen sich selbst, Kunststoffe erhalten die Transparenz von Glas und sind dennoch bieg- und knickbar, oder synthetisch hergestellte Materialien werden mit Eigenschaften von natürlichen, lebenden Zellen ausgestattet und dadurch anpassungsfähig und programmierbar gemacht. 

Ein wesentlicher Fokus der INM-Forschung liegt auf der Übertragung von biolo­gischen Prinzipien auf das Design neuer Mate­rialien, Struk­turen und Oberflächen. Seit März 2023 erweitert und vertieft Professor Wilfried Weber mit seinem Fachgebiet, der materialorientierten synthe­tischen Biologie, das Forschungsspektrum des Instituts. Weber ist im Tandem mit Professorin Aránzazu del Campo Wissenschaftlicher Geschäftsführer des INM und zugleich Professor für Neue Materialien an der Universität des Saar­landes. Zu seiner Forschung an „lebenden Materialien“ erklärt er: „Der große Vorteil von Orga­nismen ist ihre Fähigkeit, zu spüren, was in ihrer Umwelt passiert, und sich daran anzupassen. Wir übertragen die dafür verant­wortlichen bio­logischen Sensoren und Schalter in Materi­alien. Auf diese Art konstruieren wir neue Mate­rialien, die ihre Eigenschaften auf die Um­gebung ab­stimmen.“ Sein Team setzt für die minutiöse Steuerung von Genen, Zellen und Materialien vor allem Licht ein und ist damit international führend auf dem Forschungsgebiet der mole­kularen Opto­genetik. „Wir übertragen Mechanismen, wie Pflanzen auf Licht reagieren, in Zellen und diese wiederum in Materialien. So können wir die Eigenschaften der daraus entstehenden lebenden Materialien steuern. Wir sind zum Beispiel in der Lage, über Licht die Stabilität eines Materials zu programmieren“, erläutert Wilfried Weber. Grundsätzlich ist seine Forschung dabei auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. In einem seiner Projekte programmiert er Zellen so, dass aus Holzabfällen wie Sägespänen wieder neue Holzwerkstoffe entstehen – als biologisches Upcycling. 

Dass der renommierte Biotechnologe, der an der Universität Freiburg im Leitungsteam eines Exzellenzclusters mitwirkte, in das Saarland gewechselt ist, liegt für ihn in der Stärke und Vielfalt des Saarbrücker Forschungsstandortes begründet: „Die kurzen Wege und die kollegiale Zu­sammenarbeit über Fächergrenzen und Institute hinweg sind eine der großen Stärken des Saarbrücker Campus.“ Ein Beispiel hierfür ist der Leibniz Science-Campus „Lebende Therapeutische Materialien“. Hier bündeln das INM, die Saar-Universität und das Helmholtz-Institut für Phar­mazeutische Forschung Saarland (HIPS) ihre Ex­­pertise, um ganz spezielle lebende Materialien zu entwickeln, die Arzneistoffe produzieren und diese maßgeschneidert und kontrolliert in den menschlichen Körper abgeben. „Mit diesem multidisziplinären Forschungsprogramm ist Saarbrücken international führend auf dem Gebiet der lebenden Materialien. Es gibt in Europa nur zwei weitere große Standorte in diesem stark wachsenden Forschungsfeld.“

Hoch hinaus

Hoch hinaus


Viele alltägliche Anwendungen auf der Erde werden durch die Weltraumforschung voran­getrieben. Forschende aus dem Saarland untersuchen, wie die Schwere­losigkeit Materialien und auch Menschen verändert.
Ein Astronaut in einem weißen Raumanzug arbeitet außerhalb eines Raumschiffs, wobei die gewölbte Erdoberfläche und die Wolken zu sehen sind - eine Szene, die den Entdeckergeist von Saarland Marketing widerspiegelt.
Experimente im Weltall können wichtige Hinweise für die Medizin auf der Erde liefern. © ESA / NASA

Als am 21. Oktober des Jahres 2022 um 9:25 Uhr die Forschungsrakete MAPHEUS-12 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt von der schwedischen Raketenbasis ESRANGE nahe Kiruna ins Weltall startete, hatte sie Materialien aus Saarbrücken an Bord: Das Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) hatte unter Leitung von Tobias Kraus, Forschungsgruppenleiter am INM und Professor für Kolloid- und Grenzflächenchemie an der Universität des Saarlandes, einen Versuchsaufbau mit Gold-Nanopartikeln zusammengestellt. Die Forschenden wollten beobachten, wie sich Partikel zusammenballen, wenn keine Schwerkraft auf sie wirkt.

Seit mehr als fünf Jahren arbeitet das INM-Team bereits an dem Forschungsprojekt. Schon bei Experimenten im 110 Meter hohen Fallturm in Bremen hatten die saarländischen Forschenden festgestellt, dass sich Feststoffpartikel während der neun Sekunden, in denen im freien Fall keine Gravitation auf sie einwirkt, wesentlich schneller zu Klumpen verbinden als auf dem Erdboden.

Ein Mann mittleren Alters mit einer Glatze und einem kurzen Bart lächelt leicht. Er trägt ein dunkelblaues Button-up-Hemd und steht in einer hellen Halle mit unscharfem Licht - ein Bild, das Deutschlands Hidden Champion, Saarland Marketing, widerspiegelt.

Cybersicherheit und die Verbindung mit Künstlicher Intelligenz sind heute ganz
zentrale Themen.»

Prof. Dr. Bernd Finkbeiner, Faculty am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informations­sicherheit und Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes

Bessere Modelle und neue Materialien entwickeln

Im Rahmen des Weltraumflugs in der Forschungs­rakete, die eine Höhe von 260 Kilometern erreichte und dann an einem Fallschirm sanft zurück zur Erde schwebte, hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nunmehr sechs Minuten Zeit, um das Ver­halten der Partikel in Schwerelosigkeit zu beobachten. „Dass wir das Agglomerations­verhalten der Partikel über einen so langen Zeitraum beobachten konnten, bringt uns ein gutes Stück weiter. Je mehr Daten uns zur Verfügung stehen, desto besser können wir unsere Ver­mutungen prüfen“, sagt Kraus. „Noch sind nicht alle Daten ausgewertet. Wir hoffen, bessere Modelle für die Agglomeration zu schaffen und sie für neue Materialien nutzen zu können, beispielsweise für die Elektronik.“

Experimente in der Schwerelosigkeit durchzuführen ist ein sehr spannender Ansatz in der Materialforschung. Sie lenken den Blick auf Prozesse und Eigenschaften von Materialien, die man auf der Erde leicht übersieht. So trägt die Weltraumforschung dazu bei, auch alltägliche, „irdische“ Probleme zu lösen.

Aber es sind nicht nur Materialien, die sich in Schwerelosigkeit verändern – sondern auch Menschen. Damit beschäftigt sich die Weltraummedizinerin Bergita Ganse, die Professorin für Innovative Implantatentwicklung am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg ist. „In fast allen Körpersystemen gibt es Verände­rungen. Es gibt einen Muskelabbau, das Herz schrumpft, das Gehirn wird an manchen Stellen kleiner und man wächst.“ Um durchschnittlich 5,5 Zentimeter werden Menschen in den ersten 24 Stunden im All größer – das liegt daran, dass sich die Bandscheiben ausdehnen. Auf der Erde ange­kommen, schrumpfe der Körper auf die ursprüngliche Größe zurück, so Ganse.

Eine Person mit kurzen braunen Haaren, die eine Brille, einen dunklen Blazer und ein weißes Oberteil trägt, lächelt in die Kamera vor einem schlichten hellen Hintergrund, der die Professionalität von Saarland Marketing widerspiegelt.
Prof. Dr. Bergita Ganse, Weltraummedizinerin und Professorin für Innovative Implantatentwicklung am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS)
Ein Mann mit kurzen braunen Haaren und leichten Bartstoppeln lächelt. Er trägt ein weißes Hemd und eine dunkle Anzugsjacke und verkörpert damit die Professionalität von Saarland Marketing. Der Hintergrund ist unscharf und in hellen Farben gehalten.
Prof. Dr. Tobias Kraus, Forschungsgruppenleiter am INM und Professor für Kolloid- und Grenzflächen­chemie an der Universität des Saarlandes

Experimente im All liefern der Medizin wichtige Hinweise 

Auch das Gehirn passt sich dem Leben im All an: Nach einem Raumflug lassen sich makrostruk­turelle Veränderungen des Gehirns feststellen, etwa mit Blick auf das Gewebevolumen und die Verteilung und Dynamik der Liquorflüssigkeit. Diese Veränderungen könnten damit zusam­menhängen, dass Reize und soziale Interak­tionen abnehmen. „Der Körper reduziert immer alles, was nicht gebraucht wird. Deshalb stellt sich auch die Frage, ob etwas Ähnliches passiert, wenn wir etwa wegen Corona zu Hause in Iso­lation sind“, so die Weltraumforscherin. Die Experimente im All könnten Hinweise dafür
liefern.

Als Folge von Schwerelosigkeit verschieben sich zudem die Flüssigkeiten im Körper: Die Astronautinnen und Astronauten bekommen ein dickes Gesicht und dünne Beine, weil das Blut nicht mehr von der Schwerkraft nach unten gezogen wird, sondern in Richtung Oberkörper und Kopf wandert. Bei längeren Aufenthalten im Weltall kommt es zum Muskelabbau im ganzen Körper, denn die Muskulatur wird in der Schwerelosigkeit kaum beansprucht. Wenn die Astronautinnen und Astronauten zur Erde zurückkehren, seien ihre Beine am Anfang so weich wie Gummi, erklärt Ganse. „Man muss einige Tage einplanen, bis man wieder normal gehen kann. Bis sich die Knochensubstanz wieder erholt hat, kann es mehrere Jahre dauern.“

Die Erholung von Knochensubstanz ist auch abseits der Weltraumforschung ein Schwerpunktgebiet der Chirurgin. Sie entwickelt nämlich mit ihrem Team intelligente Implantate, die nach Knochenbrüchen zum einen Infor­mationen zum Heilungsverlauf an die behandelnden Ärzte funken – und zum anderen durch mechanische Reize den Wiederaufbau der Knochensubstanz und damit die Heilung vorantreiben. Auf diese Weise sollen die Behandlungsdauer und damit der Leidensweg der Betroffenen verkürzt werden. Das habe auf den ersten Blick nichts mit Weltraum und Schwerelosigkeit zu tun, auf den zweiten aber schon, so Ganse. „Es handelt sich nämlich um exakt dieselben Me­chanismen.“

Ein Mann in einem marineblauen Hemd mit Missionsaufnähern sitzt lächelnd vor einem Raumschiff-Bedienfeld und verkörpert die Innovation, die hinter dem deutschen Hidden Champion-Saarland Marketing steht.
„Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut.“


Ein halbes Jahr verbrachte der saarländische ESA-
Astronaut Dr. Matthias Maurer auf der Internatio­nalen Raum­station ISS, bevor er im Mai 2022 auf die Erde zurückkehrte. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen.

Herr Maurer, Sie haben Material­wissen­schaften an der Universität des Saarlandes studiert. Welche Aufgaben hatten Sie auf der ISS? 

Forschung ist der Hauptgrund für unsere Reisen ins All. Wir führen Experimente in den Bereichen Medizin und Lebenswissen­schaften, Physik und Material­wissen­schaf­ten durch sowie technolo­gische Experimente mit Bezug zur Raumfahrt. Ich war an etwa 150 verschiedenen Versuchen be­teiligt. Astronauten müssen sich aber auch um die technische Wartung der Raumstation und Alltagsarbeiten kümmern. Samstags hatten wir z. B. Putztag, um die ISS sauber zu halten. Auch das gehört zu den Aufgaben – egal, welche Aus­bildung man hat.

Dazu gehörte sicher auch das Essen mit speziellen Löffeln, die Sie mitgebracht hatten. Was hat es damit auf sich?

Genau, wir haben die ganze Mission über von Edelstahl- und Kupferlöffeln gegessen, die ich extra mitgebracht hatte. Denn diese „Space Spoons“ waren Teil einer Untersuchung darüber, wie sich die antimikrobiotische Wirkung dieser Metalle noch deutlich steigern lässt. Dafür haben Wissenschaftler im Saarland die Löffel mit speziellen Lasern beschossen und so deren Oberfläche ganz fein strukturiert. Diese Struktur sollte nun dafür sorgen, dass Mikroben, die sich dort ablegen, abgetötet werden. Die Experimente werden aktuell noch ausgewertet. 

Einmal selbst ins Weltall zu fliegen ist an sich schon unglaublich. Aber was war Ihr schönster Moment? 

Mein Außeneinsatz war sicher ein absolutes Highlight, auch wenn anfangs fast alles schieflief, was schiefgehen kann. Am Ende hat jedoch alles wie geplant funktioniert. Aber es gab jeden Tag tolle Momente: Allein wenn ich an den Blick aus der Cupola – dem Fenster der ISS – zurückdenke, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut. Die Erde da unten zu sehen, total blau und weiß und dahinter ein unglaublich tiefes Schwarz. Das ist wahn­sinnig beeindruckend.

Cybersicherheit braucht Kooperation

„Cybersicherheit braucht Kooperation“


Neben Chancen bringt KI auch neue Sicherheitsrisiken mit sich. Vera Sikes, Fachbereichs­leiterin IT-Infrastrukturen beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, erklärt im Interview, wie das BSI im Saarland gemeinsam mit der Forschung an Lösungen arbeitet.

Eine Frau mit langen braunen Haaren und roter Brille lächelt leicht. Sie trägt ein dunkelblaues Oberteil und steht vor einem unifarbenen, hellen Hintergrund. Sie repräsentiert Saarland Marketing-Deutschlands Hidden Champion für Standortmarketing Saarland.

Frau Sikes, seit 2021 ist das BSI mit einem eigenen Stützpunkt für KI und IT-Sicherheit in Saarbrücken vertreten. Warum dort und welche Vorteile hat eine physische Präsenz vor Ort?

Das Saarland bietet beste Möglichkeiten für die Vernetzung und den Austausch. Hier gibt es eine hervorragende Universität, renommierte Forschungsinstitute wie das CISPA und interessante Startups. Das Saarland hat mit Cybr360 selbst die Initiative ergriffen, um das Thema IT-Sicherheit voranzutreiben. Mit der Informatik der Universität Saarbrücken, dem DFKI, dem CISPA und deren Ausgründungen arbeiten wir eng zusammen. Vor Ort sind wir, weil trotz aller vir­tuellen Kommuni­kationstools der persönliche Austausch und vor allem der Erstkontakt dadurch erheblich erleichtert werden, und das funktioniert auf dem Campus in Saarbrücken besonders gut.

Wie schätzen Sie die Sicherheitslage bei KI derzeit ein? 

Die Bedrohungslage ist hoch, und Angriffe finden statt. Es ist wichtig, dass Maßnahmen ergriffen werden, die das Sicherheitsniveau erhöhen und das Know-how bei der Cybersicherheit in Deutschland insgesamt steigern. Der Austausch mit dem CISPA und anderen Partnern bietet die Chance, unsere Arbeit mit der Forschung so zu verknüpfen, dass wir gesellschaftlich relevante Resultate erzielen. Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft muss reibungslos funktionieren, und hier sind wir am Standort Saarland hervorragend aufgestellt. Nur durch Kooperation werden wir es schaffen, das Sicherheitsniveau in Deutschland zu er­höhen.

In welchen Branchen besteht besonders großer Bedarf für Sicherheit in der KI?

Im Automobilbereich wird viel mit KI gearbeitet, aber auch in der Biometrie, also der Technik, die bei hoheitlichen Aufgaben wie Grenzkontrollen eingesetzt wird. Wichtig sind die Medizin und das Finanzwesen, wo wir derzeit an konkreten Bewertungsverfahren arbeiten, um den Einsatz von KI-Produkten sicher zu machen.

Was unterscheidet KI-Systeme bei der Sicherheit von anderen IT-Systemen? 

Bei der KI liegt unser Fokus darauf, wie nach­vollziehbar und sicher ihre Anwendung ist. Wir entwickeln Verfahren, mit denen wir überprüfen können, ob sich die KI so verhält, wie sie soll. Diese Sicherheit ist wichtig für Verbraucher und für die Hersteller, die KI in ihre Produkte integrieren. Darüber hinaus hat das Thema IT-Sicherheit im Zusammenhang mit KI mehrere Aspekte. KI kann selbst zur IT-Sicherheit bei­tragen, indem sie beispielsweise Angriffe ver­hindert, erkennt und die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht. KI kann auch genutzt werden, um neue Angriffsmethoden zu entwickeln und anzuwenden. Und schließlich kann KI selbst ange­griffen werden. Diese Aspekte bearbeiten wir in Saarbrücken auch gemeinsam mit dem CISPA.

Warum muss KI erklärbar sein und wie wird dies erreicht?

Wir analysieren Modelle und Verfahren, die in einer KI zum Einsatz kommen, prüfen, wie sie trainiert wurde, und betrachten ihre möglichen Anwendungsbereiche. Am Beispiel der popu­lären generativen KI wie ChatGPT erklärt: Es ist wichtig, klarzustellen, dass dieses Tool keine Fakten liefert, sondern nur Resultate, die auf Wahrscheinlichkeiten beruhen. Was davon richtig ist, müssen die Nutzerinnen und Nutzer selbst überprüfen. Wichtig ist es auch zu klären, auf welcher Datenbasis die KI trainiert wurde und ob ein eventuell vorhandener Bias, also Vor­urteile, ausgeglichen wurde. Auch das gehört für uns zur Sicherheit von KI.

Wie unterstützen Sie damit die Verbrauche­rinnen und Verbraucher?

Wir wollen ihre Fähigkeit stärken, KI-gestützte Systeme zu beurteilen. Je mehr die Gesellschaft – und damit meinen wir auch Wirtschaft und Politik – über KI weiß, desto besser kann diese eingesetzt werden. Die Stärkung dieser Bewertungskompetenz ist ein Thema, das wir auch gemeinsam mit dem CISPA verfolgen wollen. Dazu gab es bereits einen Austausch mit dem Saar­brücker Startup QuantPi, das aus dem CISPA hervorgegangen ist. Dessen Software legt die Grundlagen offen, die zu den Entscheidungen einer KI führen. Verbraucher sollen erkennen können, wann eine KI zum Einsatz kommt, mit welchen Daten und nach welchen Wertvor­stellungen sie trainiert wurde. Wir wollen ein Bewusstsein für die Risiken im Umgang mit KI schaffen.