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Die grüne Zukunft des Stahls

Die grüne Zukunft des Stahls


Einst stand das Saarland für Stahl und Kohle, für Industrialisierung und Wirtschaftswunderzeit. Jetzt startet die Stahlindustrie das größte Projekt ihrer Geschichte: die grüne Transformation. Schon in wenigen Jahren werden Koks und Kohle durch Wasserstoff und Elektrizität ersetzt. Und das Saarland wird zum „grünen“ Industriestandort.

Eine Reihe von gelben Industrierohren und -ventilen mit Messgeräten und Sensoren, die in parallelen Reihen entlang der Wände und der Decke angeordnet sind, zeigt die Präzision und Innovation, die Deutschlands Hidden Champion im Standortmarketing Saarland auszeichnet.
Die neue Koksgaseindüsungsanlage schafft die Voraussetzung für den Einsatz von grünem Wasserstoff.

An der Saar förderten einst Zehntausende Bergleute jenen Rohstoff, der in Dutzenden Hochöfen im Saarland zu Eisenerz und Roheisen verhüttet wurde. Das Saarland war das Land von Stahl und Kohle. Seit über einem Jahrzehnt sind die Gruben geschlossen und deutlich weniger Hochöfen als zu Hochzeiten in Betrieb. Doch im Wandel lag eine Chance und die saarländische Stahlindustrie nutzte sie. Mit innovativen Technologien gelang es ihr, die Produktivität enorm zu steigern, wettbewerbsfähig zu bleiben und Standorte zu erhalten. 

Heute ist sie als heimischer Zulieferer für den Maschinenbau und die Autoindustrie, für Produzenten von Windrädern und vielen anderen Produkten gut positioniert. Nun schickt sich die Stahlindustrie an, den nächsten Entwicklungsschritt zu tun: die Transformation zum grünen Stahl. Es ist ein großes und komplexes Projekt, das sich auf das gesamte Saarland auswirken wird – und neue Chancen bringt.

Seit Jahrtausenden verhütten die Menschen Eisenerz bei hohen Temperaturen und unter Zusatz von Kohle. Auch wenn sich die Herstellung technologisch in vieler Hinsicht weiterentwickelt hat, ist ein Aspekt geblieben, der heute nicht mehr akzeptabel ist – der hohe Ausstoß an Treibhausgasen. Innerhalb der industriellen Fertigung ist die Stahlindustrie für ein Viertel der CO2-Emissionen weltweit verant­wortlich und für nahezu ein Zehntel der Gesamtemissionen. Doch die Stahlhersteller unter dem Dach der SHS – Stahl-Holding-Saar, die Saarstahl AG und die Dillinger Hütte, wollen das schon bald ändern. Denn Stahl bleibt ein Zukunftsstoff, aber seine Produktion muss nachhaltiger erfolgen.

Weg von der Kohle, hin zum Wasserstoff: Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Euro sorgen an den Standorten in Völklingen und Dillingen dafür, dass die Geschichte der Stahl­herstellung im Saarland neu geschrieben wird. In Dillingen sollen die klassischen Hochöfen ab 2027 durch eine sogenannte Direktreduktionsanlage zunächst ergänzt und später ersetzt werden. Solche Anlagen brauchen keine Kohle und stoßen auch kein Kohlendioxid mehr aus. Denn um den in Eisenerz und Eisenschrott gebundenen Sauerstoff herauszulösen, also zu reduzieren, wird dort in Zukunft Wasserstoff eingesetzt. Auch um die Hitze zu erzeugen, die zum Einschmelzen des Eisens nötig ist, wird keine Kohle mehr verbrannt. Dazu dienen in Zukunft elektrisch betriebene Öfen, die ebenfalls ab 2027 in Völklingen und Dillingen gebaut werden. Dank des Einsatzes der beiden Techniken sollen jährlich bis zu 3,5 Millionen Tonnen CO2-armer Stahl hergestellt werden. Da bei jeder Tonne herkömmlich produzierten Stahls die eineinhalbfache Menge an CO2 anfällt, werden damit 4,9 Millionen Tonnen CO2 ein­gespart. Damit wird eine komplett neue grüne Wertschöpfungskette geschaffen. Und diese Investitionen sorgen dafür, Tausende Ausbildungs- und Arbeitsplätze im Saarland zu erhalten. 

Der emissionsfrei erzeugte Wasserstoff, der für die grüne Stahlproduktion benötigt wird, ist allerdings noch nicht zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar. Dies ist die entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Transformation in zweifacher Hinsicht nachhaltig gelingt: in öko­­logischer wie ökonomischer. Deshalb baut die Stahlindustrie gemeinsam mit den lokalen Ener­gie­versorgern die Produktion direkt vor Ort im Saarland auf. Und sobald ein geplantes europäisches Wasserstoffnetz verfügbar ist, wollen sich die saarländischen Hersteller daran anschließen.

Die grüne Stahlherstellung ist ein wichtiger Schritt für das Saarland und darüber hinaus. Denn Stahl ist die Basis für zwei noch größere, gesamtgesellschaftliche Projekte: die Energie- und die Mobilitätswende. Für Elektroautos und öffentliche Verkehrsmittel, für Windkraftanlagen, Solarparks und moderne Gebäude liefert die saarländische Stahlindustrie essenzielle Produkte in hoher Qua­lität. Und das in Zukunft CO2-neutral. Der technologische Vorsprung kann sich als der nächste Exportschlager des Saarlandes entpuppen.

Für eine nachhaltige Industrie

Grüne Transformation:

Für eine nachhaltige Industrie


Klimaschutz und der schonende Umgang mit Ressourcen sollen bei Autos und anderen Verkehrsmitteln zukünftig im Fokus stehen. Im Saarland wird an Ideen geforscht, an innovativen Produkten, Verfahren und ganzen Fabriken gearbeitet, die dazu einen Beitrag leisten.
Eine Person mit Handschuhen und Brille arbeitet mit Maschinen in einer industriellen Umgebung und repräsentiert Deutschlands Hidden Champion. Sie stehen neben einem offenen mechanischen Bauteil an einem Arbeitsplatz mit verschiedenen Werkzeugen und zeigen die industrielle Stärke des Saarlandes.
Am ZF-Standort Saar­brücken werden 8-Gang-Hybridgetriebe für Pkw gefertigt.
Parallel dazu wird nun auch gezielt die Produktion von Antriebstechnik für reine E-Fahrzeuge vorbereitet. © ZF

Menschen wollen mobil sein, daran kann es keinen Zweifel geben. 926 Milliarden Kilo­meter legten sie 2021 allein in Deutschland motorisiert zurück, und der sogenannte Indi­vidualverkehr hat daran den mit weitem Abstand größten Anteil. Doch mit Blick auf Klimaschutz und Umwelt sind Kraftfahrzeuge von der Her­stellung über den Betrieb bis zur Entsorgung Sorgenkinder. Das muss aber nicht so bleiben. Überall wird geforscht, getüftelt und investiert, um das Auto nachhaltiger zu machen. Vier zukunftsweisende Beispiele aus dem Saarland.

Forschung: Recycling-Kunststoffe mit eingebauter Nachhaltigkeit 

Ein Spezialist für Nachhaltigkeit ist Professor Christoph Wittmann, Leiter des Instituts für Systembiotechnologie an der Universität des Saarlandes. Er forscht und arbeitet in einem Fachgebiet, das näher am Alltag ist, als viele glauben. Mikroorganismen dienen seit Jahrtausenden still und fleißig bei der Herstellung von Joghurt, Sauerkraut, Wein oder Brot. Was dabei abläuft, ist jedoch äußerst komplex, und dieser Komplexität will die Systembiotechnologie gerecht werden. „Wir gehen ganzheitlich heran und versuchen, systematisch zu verstehen, wie die Zellen funktionieren, wie sie gebaut sind und wie wir ganz gezielt eingreifen können, um den Stoffwechsel zu lenken“, sagt Wittmann. „Beispielsweise können wir mithilfe der Gentechnik bestimmte Funktionen von Zellen gezielt verändern und sie damit in nachhaltige Synthesefabriken verwandeln.“

Dieses Wissen setzen Wittmann und sein Saarbrücker Forschungs-Team im EU-Projekt REPurpose ein, um aus Abfällen nachhaltige Kunststoffe herzustellen. So sollen langfristig die herkömmlichen auf Basis von Erdöl hergestellten Materialien ersetzt werden. Insgesamt elf europäische Partner sind an dem Projekt beteiligt, die mit ihrer Expertise die gesamte Kette abdecken – von der Produktion bis zum Recycling. Um Kunststoffe zu entwickeln, die sich abbauen und ohne Qualitätsverlust re­cyceln lassen, setzen die Saarbrücker Systembiologinnen und -biologen auf zwei Ansätze, die gemeinsam wirken sollen. Die Abfälle werden mit speziellen Enzymen vorbehandelt, von eigens entwickelten Bakterien abgebaut und zugleich in das gewünschte neue Material umge­wan­delt. „Am Ende haben wir die denkbar ökolo­­gischsten Kunst­stoffe, die ohne Petrochemie hergestellt wurden, kontrolliert abbaubar sind und unbegrenzt re­cycelt werden können“, sagt Wittmann.

Nach Metallen stehen Kunststoffe an zweiter Stelle der in Autos verbauten Materialien, mit seit Jahren steigender Tendenz. Hinzu kommt, dass das Thema Nachhaltigkeit alle Hersteller umtreibt, von Audi über BMW und Mercedes-Benz bis Volks­wagen. Für den Saarbrücker Forscher gibt es daher in der Branche klares Potenzial für seine Produkte: „Konsumenten wollen sich heute mit nachhal­tigen Produkten umgeben. Da wäre das Auto, das ohnehin in dieser Hinsicht kritisch betrachtet wird, ein idealer Ort für unsere Kunststoffe.“

Bosch entwickelt Spezialteile für die wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle

In Homburg, auf halbem Weg zwischen Saar­brücken und Kaiserslautern, liegen drei Werke der Robert Bosch GmbH mit rund 4.500 Mit­arbeiterinnen und Mitarbeitern. Neben anderen Geschäftsbereichen wird im größten Werk an einer Technologie gearbeitet, die für die Mobilität der Zukunft eine große Rolle spielen könnte: die Brennstoffzelle. Vereinfacht gesagt, wandelt sie Wasserstoff und Sauerstoff in elektrischen Strom um, wobei als Abfallprodukt nur Wasser entsteht. Bereits seit den 1960er-Jahren als Stromquelle für Raumschiffe und Satelliten eingesetzt, wird die Technik nun immer mehr alltagsfähig. Zwei Faktoren wirken für Dr. Michael Rein­städtler, der bei Bosch in Homburg die Fertigungsentwicklung der Brennstoffzelle leitet, dabei beschleunigend: die Klimakrise und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Der Abschied von fossilen Brennstoffen kommt schnell. „In Homburg haben wir schon im vergangenen Jahr begonnen, Komponenten für eine Brennstoffzelle zu industrialisieren, das heißt, sie in Serie herzustellen“, sagt Reinstädtler.

Im Vergleich zur Batterie habe die Brenn­stoff­zelle einen entscheidenden Vorteil: Sie lässt sich viel schneller laden, ein Wasserstofftank ist in Minuten gefüllt. Zudem ließe sich eine für Lastwagen nötige Wasserstoffinfrastruktur weitaus schneller und günstiger aufbauen als eine für elektrisches Schnellladen. „Lastwagen brauchen dafür eine Ladeleistung im Megawattbereich. Die nötige Infrastruktur wird es an Autobahnraststätten, wo Hunderte Lkw täglich tanken, lange nicht geben“, ist Reinstädtler sicher. Und Pkw? Natürlich wäre auch das ein attraktiver Ab­satzmarkt. „Aber die Wasserstoffmobilität wird sich zunächst bei Fahrzeugen ab einem Gewicht von sechs Tonnen durchsetzen“, erläutert er. Und ist sicher: „Ab 2035 wird die Hälfte dieser Fahr­zeuge entweder eine Batterie oder eine Brennstoffzelle an Bord haben.“

Pyrum gewinnt wertvolle Recycling­materialien aus alten Autoreifen

Ob Pkw oder Lkw – alle brauchen Reifen, viele nur vier, einige acht, andere bis zu 16 Stück. Haben diese das Ende ihrer Lebenszeit erreicht, müssen sie entsorgt werden, und die Menge an Altreifen erreicht geradezu unglaubliche Ausmaße. Allein in Deutschland fallen jährlich über 600.000 Tonnen davon an, und ihre Entsorgung oder Wiederverwertung ist ein kniffliges Problem. Deshalb landet bisher ein großer Teil der Reifen als Brennstoff in Zementwerken, andere werden zu Blumenkübeln, Parkbänken oder Bodenbelägen für Sport- und Spielplätze.

Dass es dafür eine bessere Lösung gibt, zeigt die Pyrum AG, ein Startup im saarlän­dischen Dillingen. Dem Team um Mitgründer und Vorstand Pascal Klein gelingt das Recycling von Altreifen per Thermolyse, der Aufspaltung organischer Verbindungen bei hohen Temperaturen. „Viele versuchen sich daran, aber keiner hat es so gut hinbekommen wie wir“, erzählt Klein und zeigt in seinem Büro auf eine Reihe von kleinen Behältern, die das enthalten, was nach der Thermolyse vom Reifen übrigbleibt: Gummi­granulate in verschiedenen Mischungen und Korngrößen, Pyrolyse-Öl, Ruß und schließlich Stahldraht – nicht umsonst heißen Autoreifen seit den 1960er-Jahren auch „Stahlgürtelreifen“. Abnehmer gibt es bereits: Beispielsweise stellt der Chemieriese BASF mit Recyclat von Pyrum einen Kunststoff her, den Mercedes-Benz in Fahrzeugen verwendet.

Die Idee zur Thermolyse ist nicht neu, wurde aber bei Pyrum über viele Jahre verfeinert. „Wir haben einen Reaktor entwickelt, der bei hohen und stabilen Temperaturen im Vakuum die Abfälle in ihre Bestandteile zerlegt und dabei im Unterschied zu anderen Lösungen lange läuft“, erklärt Klein. „Diese Anlage hier“, und dabei deutet er aus dem Fenster auf die Anlage im Hof, „ist seit Mai 2020 in Betrieb, also seit drei Jahren, 24 Stunden am Tag.“ Abgesehen vom Schreddern der Abfälle, das Energie kostet, entsteht bei der Thermo­lyse im Reaktor als Nebenprodukt brennbares Gas. „Das erlaubt es uns, die Anlage energieautark zu betreiben, es entsteht sogar ein Überschuss an Wärme, den wir weiterverkaufen können.“

Erlöse aus dem Verkauf der Recycling­pro­dukte, energetisch nahezu autark – das klingt wie ein Selbstläufer, wie etwas, auf das nicht nur die Re­cycling-Welt gewartet hat. Aber Klein, dessen Unternehmen seit September 2021 börsen­notiert ist, bleibt auf dem Boden der Tatsachen. Jede Anlage kostet 30 Millionen Euro, vor­finanzieren kann Pyrum das selbst nicht. „Interessenten gibt es genug, aber für die Finanzierung brauchen diese eine Bank. Und die müssen wir immer noch davon überzeugen, dass unser Produkt nicht nur eine gute Recyclinglösung, sondern auch ein gutes Geschäft ist“, sagt Klein.

Ein Mann mit Brille, schwarzer Mütze, hellblauem Hemd und neongelber Sicherheitsweste steht in einer Industriehalle und spiegelt den Geist des von Saarland Marketing beworbenen "Hidden Champion" wider.

„Viele versuchen sich daran, aber keiner hat es so gut hinbe­kommen wie wir.»

Pascal Klein, Mitgründer und Vorstand Pyrum AG

Arbeiten, Leben und Netzwerken im Saarland

Arbeiten, Leben und Netzwerken
im Saarland

Wo Tradition auf Innovation trifft


Das Saarland, eine Region mit erstaunlicher wirtschaftlicher und wissen­schaftlicher Vitalität, bietet weit mehr, als man vielleicht vermutet. Hier genießen die Menschen nicht nur eine hohe Lebensqualität, sondern es bieten sich ihnen unzählige Möglich­keiten zur persönlichen Entfaltung sowie ein reiches Angebot an Kunst und Kultur.

Ein Fluss schlängelt sich in einem weiten Mäander um einen dicht bewaldeten Hügel. Tief hängende Wolken ziehen über die Landschaft. Im Vordergrund ragt eine Aussichtsplattform von Saarland Marketing über die Baumkronen und bietet einen Blick auf Deutschlands Hidden Champion.
© Oliver Kerner / Tourismus Zentrale Saarland

Im Herzen Europas gelegen, inmitten reizvoller Landschaften und in unmittelbarer Nachbarschaft zu langjährigen Partnern wie Frankreich und Luxemburg, wird das Saarland nicht selten als das europäischste aller Bundes­länder bezeichnet. Es verbindet seine reiche Industriegeschichte mit modernen Arbeits­möglichkeiten und einer innovativen Geschäftswelt. Darüber hinaus zeichnet sich das Saarland durch eine beeindruckende Wandlungsfähigkeit aus. Hier gestalten Wissenschaft und Wirtschaft aktiv die Zukunft – ob Digitalisierung oder grüne Energie. Das Saarland treibt moderne Technologien und wegweisende Veränderungen voran.

Einzigartig ist die Möglichkeit, in nur zehn Minuten von jedem Schreibtisch in die Natur zu gelangen. Vor allem aber machen die Menschen das flächen­mäßig kleinste Bundesland zu einem Ort gelebter Willkommenskultur mit starkem Zusammenhalt und einem einzigartigen Lebensgefühl, dem „Saarvoir-Vivre“. Vom ersten „Willkommen“ bis zum entschlossenen „Willbleiben“ ist es da nur ein kleiner Schritt.

Fach- und Führungskräfte, aber auch junge Familien finden hier ideale Startbedingungen für ihre berufliche und persönliche Entwicklung. Dieses Magazin gibt Leserinnen und Lesern einen ersten Einblick in das attraktive Gesamtpaket aus hoher Lebensqualität, vielfältigen Karrierechancen und starken Netzwerken.

Saarländische Starthilfe für Partnerschaften im Silicon Valley

Die Golden Gate Bridge spannt sich über das Wasser mit Hügeln im Hintergrund und Grün im Vordergrund unter einem teilweise bewölkten Himmel, ganz wie die landschaftliche Schönheit, für die Saarland Marketing - Deutschlands Hidden Champion im Standortmarketing - wirbt.
© Adobe Stock /mathieulemauff

Das Silicon Valley ist das internationale Epizentrum für Innovation und Fortschritt und bekannt für die enorme Dichte an technologieaffinen Startups und Wag­nis­kapitalgebern. Wer also am Puls der Zeit sein will, kann die maßgebende Inno­vationskraft dieses Ökosystems nicht ignorieren. Erste Kontakte mit potenziellen Partnern zu knüpfen, ein solides Netzwerk aufzubauen und schließlich gemeinsame Projekte anzustoßen ist für Unternehmen und Forschende aus Deutschland jedoch ein aufwen­diges Unterfangen. Um Interessierten aus dem Saarland die ersten Schritte zu erleichtern, hat das Bundesland in San Francisco eine eigene Repräsentanz etabliert. So wirbt Julian Bartsch seit einigen Jahren als offizieller Vertreter des Saarlandes im Silicon Valley für die innovative Region und ist für Interessierte zugleich erster Ansprechpartner vor Ort. Über erste Erfolge kann Bartsch schon berichten: „Einige saarländische Startups haben hier schon Investoren für sich gewonnen oder konnten sich für attraktive Accelerator-Programme qualifizieren.“  

Eine Person mit kurzen Haaren sitzt auf einer Holzbank mit bunten Kissen und trägt ein schwarz-weiß gemustertes Oberteil, eine schwarze Hose und hellrosa Schuhe. Ein großer weißer Schriftzug an der Wand lautet "CREATING HOMES" - eine Anspielung auf Saarland Marketing in Deutschlands Hidden Champion.
„Wir kreieren eine neue Arbeitswelt“


Das Traditions­unternehmen Villeroy­ & Boch hat auch schon vor der Corona-Pandemie auf moderne Arbeitsplatzkonzepte gesetzt. Über die konkrete Umsetzung spricht Esther Jehle, Personalleiterin bei Villeroy & Boch.

Frau Jehle, das Porzellan-Unternehmen Villeroy & Boch besteht seit 1748. Wie passen aus Ihrer Sicht Tradition und New Work in der heutigen Arbeitswelt zusammen?

Im Rahmen des gesellschaftlichen Wandels, den wir nun seit Jahren beobachten, spielt das sogenannte New Work eine immer größere Rolle. Es geht für uns darum, Handwerk-, Designkompetenz und Know-how mit innovativen Arbeitsweisen zu verknüpfen. Dabei testen wir neue Arbeitsmethoden und passen diese für die unterschiedlichsten Bereiche an.

Bereits vor der Pandemie haben Sie mit der Fabrik N°09 am Hauptstandort von Villeroy & Boch in Mettlach (im Saarland) ein modernes Arbeitsplatzkonzept umgesetzt. Worum geht es dabei? Und wie kommt es bei den Beschäftigten an?

Mit Fabrik N°09, einem ehemaligen Produktionswerk, kreierten wir eine neue Arbeitswelt, um aus unserer Geschichte eine erfolgreiche Zukunft zu gestalten. Getreu dem Motto „Für jede Tätigkeit der optimale Arbeitsort“ bieten wir in Fabrik N°09 Arbeitsplätze für alle Bedürfnisse – darunter  Open Spaces mit Bibliotheken und Außenarbeitsplätze direkt am See. Bei dem Konzept ist uns besonders wichtig, dass sich alle Mit­arbeitenden hierarchieübergreifend auf Augenhöhe begegnen.

Was waren für Sie Gründe, Teil der Landesmarketing-Kampagne „Saarland Experience“ zu werden und was hat das mit New Work zu tun?

Wer auf der Suche nach leidenschaft­lichen Machern und kreativen Köpfen ist, muss heute unkonventionelle Wege gehen. Das konnten wir als Pilotprojekt im Rahmen der „Saarland Experience“ umsetzen. Denn New Work beginnt auch schon beim Recruiting. Wir als Villeroy & Boch stehen für Fortschritt und leben New Work in allen Bereichen. Darum war die Kampagne mit Platzierung des „Tiny House“ in unserer Parkanlage zukunftsweisend. New Work bedeutet eben auch, Neues auszuprobieren, und die Resonanz hat gezeigt: Das kann sich lohnen!

Andere nennen es Onboarding – hier heißt es Saarlanding

Der Mangel an Fachkräften ist auch im Saarland eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb ist Kreativität gefragt: Mit der außergewöhnlichen Recruiting-Aktion „Saarland Experience“ zeigen Politik und Wirtschaft, wie vielfältig und spannend das Leben und Arbeiten im Saarland ist. Im eigens dafür konstruierten Tiny House übernachten High Potentials direkt vor den Türen saarländischer Top-Arbeitgeber. Dort können sie erste Einblicke in ihre neue Arbeitswelt gewinnen, lernen in einem individuellen Rahmenprogramm Land und Leute kennen und tauchen ein in das ganz besondere „Saarvoir-Vivre“.

Vier Personen gehen auf ein modernes kleines Haus mit grauer Metallverkleidung, einer Holzterrasse und Sitzgelegenheiten im Freien zu - die perfekte Szene für Saarland Marketing - auf einer Wiese mit Bäumen und einem Wandgemälde im Hintergrund.

Eine innovative Möglichkeit, den potenziellen Arbeitgeber und das Leben vor Ort kennenzulernen. Die Herzlichkeit der Menschen und die Vielfalt des Saarlandes haben mich positiv überrascht.»

Sukanya Sengupta, Specialist Cybersecurity bei Villeroy & Boch

„Willkommen, um zu bleiben“ – Saarland-Marketing startet die Saarland Experience für TOP-Fachkräfte 

Willkommen, um zu bleiben

Saarland-Marketing startet die Saarland Experience für TOP-Fachkräfte 


Demnächst startet das Saarland-Marketing eine außergewöhnliche Recruiting-Aktion: Unter dem Motto „Willkommen, um zu bleiben“ werden hoch qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber dazu eingeladen, ihre potenziellen zukünftigen Arbeitgeber und das Saarland auf unkonventionelle Art kennen zu lernen.  

Ein kleines, modernes Fertighaus mit grauer Verkleidung und großen Fenstern steht auf einer Holzterrasse in einer Grünanlage - ein Beispiel für innovatives Wohnen, das von Saarland Marketing gefördert wird, mit einem Bürogebäude und Bäumen im Hintergrund.

Ausgangspunkt ist ein eigens dafür konstruiertes Tiny House, das direkt auf dem Gelände der kooperierenden Unternehmen platziert wird. Von hier aus starten die Bewerberinnen und Bewerber ihre „Saarland Experience“: Mit wenigen Schritten gelangen sie von ihrer Unterkunft ins Unternehmen und können sich direkt ein Bild von Job, Arbeitsumfeld und gelebter Unternehmenskultur machen. Und weil das Saarland nicht nur ein exzellenter Arbeitsort, sondern auch ein attraktiver Lebensstandort ist, stehen zudem verschiedene Freizeitaktivitäten, Kulinarisches und Kultur auf dem Programm. 

„Bei der Entscheidung, seinen Lebensmittelpunkt für die Arbeit zu verlegen, spielen natürlich viele Faktoren zusammen, die weit über die eigentlichen Jobkonditionen hinausgehen “, erklärt Jürgen Barke, der saarländische Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie. „Um wirklich anzukommen, muss man sich insgesamt wohlfühlen, und auch für die Familie muss die neue Wahlheimat passen. Deshalb haben wir diese „weichen“ Faktoren bewusst in die Saarland Experience integriert. Die Bewerberinnen und Bewerber können je nach Interessenslage frei wählen, was sie im Saarland erkunden möchten.“ 

Erster Standort: Villeroy & Boch

Erster Standort für das Tiny House ist der Unternehmenssitz des Global Players Villeroy & Boch. Die Aktion ist über einen längeren Zeitraum und in Kooperation mit weiteren Unternehmen angelegt.  

„Wir sind stolz auf die zahlreichen innovativen Entwicklungen im Land, die nicht zuletzt von unseren saarländischen Unternehmen vorangetrieben werden“, sagt Minister Barke. „Gerade hierfür brauchen wir jedoch auch hoch qualifizierte Fach- und Führungskräfte, die das Saarland als lebenswerte Wahlheimat und spannende Karriereoption vielleicht bis jetzt noch gar nicht wahrgenommen hatten.“ 

Ein älterer Mann mit kurzen weißen Haaren und Brille steht draußen in der Nähe eines modernen Gebäudes mit Metallpaneelen. Er trägt eine dunkle Anzugsjacke über einem hellrosa Hemd und repräsentiert das Standortmarketing Saarland - Deutschlands Hidden Champion - und schaut in die Kamera.

„Wir machen das Saarland für Top-Fachkräfte erlebbar und beweisen, warum sich das Bleiben lohnt: attraktive Karrierechancen treffen bei uns auf ein einzigartiges Lebensgefühl.“

Jürgen Barke
Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie
Foto © Oliver Dietze

Werden Sie Teil der Saarland Experience.

Sie sind Unternehmer oder Unternehmerin, suchen Fachkräfte und wollen das Tiny House für Ihr Recruiting nutzen? Dann werden Sie Teil der Saarland-Experience. Sprechen Sie uns an:

Sabrina Wilhelm
saaris – saarland innovation und standort GmbH
Neumarkt 15
66117 Saarbrücken

Telefon: 0681 210 66 100
saarlandmarketing@saaris.de

Zum Hintergrund:

Seit Ende 2021 hat das Landesmarketing die neue Fokusmarke „Germany’s Hidden Champion. Saarland“ entwickelt, um zukünftig einen speziellen Fokus auf die Ansprache junger High Potentials – also Top-Führungskräfte, Wissenschaftler, spezialisierte Fachkräfte, Gründer und Investoren etc. – zu legen und diese auch langfristig für unsere Hochschulen, Institute und die saarländische Wirtschaft zu gewinnen. Die Saarland Experience ist eine der ersten großen Kampagnen, die unter dem kommunikativen Dach der Fokusmarke umgesetzt werden.

Die Zukunft der Elektromobilität im Saarland gestalten

Die Zukunft der Elektromobilität im Saarland gestalten

Nach dem Bachelor in Maschinenbau direkt zum Aufbau eines Werks


Maxim Hantsch-Kramskoj, Alumnus Maschinenbau, Vice President Sales & Marketing SVOLT Europe

Das Ingenieurwesen liegt bei uns wohl in der Familie: Mein Vater ist Ingenieur, Großvater und Großmutter waren ebenfalls Ingenieur und Ingenieurin sowie auch deren Eltern. Unabhängig davon hat mich die Welt um mich herum schon immer interessiert. Ich wollte schon immer wissen, warum was wie funktioniert. Als Ingenieur habe ich die Chance erhalten, genau das zu tun.

Also habe ich Maschinenbau und Prozesstechnik an der htw saar studiert und mit dem Bachelor abgeschlossen. Das Tolle ist, dass die htw saar so stark vernetzt ist. So konnte ich parallel zum Studium als Konstrukteur im Sondermaschinen- und Anlagenbau in Festanstellung arbeiten, später dann als Projektleiter in Vollzeit – das war jedoch kein duales Studium. Und dann bekam ich die Gelegenheit, meine Expertise in China beim Aufbau eines ersten Werks mit einzubringen. Ich war damals für den Aufbau der Konstruktion in China und den relevanten Know-how-Transfer von Europa nach Asien und zurück verantwortlich. Da ich zu diesem Zeitpunkt bereits mitten in der Arbeitswelt war, war der Master für mich damals keine wirkliche Option mehr.

Ein wesentlicher Aspekt am ingenieurwissenschaftlichen Studium ist, dass ich gelernt habe, strukturiert zu arbeiten. Gleichzeitig ist es entscheidend, effizient zu lernen, da die Anzahl der Themenfelder sehr groß ist. Für mich schafft das Studium eine sehr weite Perspektive und erlaubt somit, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Wie gesagt, ich habe mich für fast alles interessiert, vor allem für den Bereich Konstruktion. Sprachen lagen mir damals weniger, umso erstaunlicher ist es, dass heute die Sprache eines meiner wertvollsten Tools ist.

Ein Mann mit hellbraunem Haar, kurzem Bart und Brille trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd und eine gemusterte Krawatte. Er blickt in die Kamera und lächelt leicht. Er verkörpert den professionellen Geist von Saarland Marketing vor einem schlichten Hintergrund.

Das Tolle ist, dass die htw saar so stark vernetzt ist. So konnte ich parallel zum Studium als Konstrukteur im Sondermaschinen- und Anlagenbau in Festanstellung arbeiten, später dann als Projektleiter in Vollzeit – das war jedoch kein duales Studium.

Maxim Hantsch-Kramskoj

„Einen der wichtigsten Märkte ab Tag 1 mitgestalten“


Mein weiterer Lebensweg liegt klar vor mir: Ich bin angetreten, um das Hightech-Unternehmen SVOLT, das auf die Produktion von Batterien für E-Fahrzeuge spezialisiert ist, in Europa erfolgreich zu machen. Das verdanke ich auch dem perfekten Timing im Jahr 2019: Ich war damals mit dem Aufbau einer Business Unit beim Technologieunternehmen ABB gerade fertig, und ABB hatte zu dieser Zeit begonnen, das Unternehmen global umzustrukturieren. Dies war für mich der Anlass, mich anderweitig zu orientieren. Ich kannte den Europa-Vorstand von SVOLT aus unserer gemeinsamen Zeit bei einem kanadischen Automotive-Zulieferer, und wir haben über die Jahre immer den Kontakt gehalten. Herr Wollenhaupt kam ca. drei Monate vor mir zu SVOLT – das hat hervorragend gepasst. Die Pläne von SVOLT habe ich als eine große Chance gesehen, sowohl das, was ich gerade bei ABB machen konnte, in einem Großformat auszurollen, als auch die aus meiner Sicht entscheidenden Werte in eines der wichtigsten Technologiefelder der kommenden 30 Jahre frühzeitig zu verankern. Und dazu gehören für mich Werte wie Diversität, Menschlichkeit, Fokus auf Kundeinnen und Mitarbeiterinnen gleichermaßen, Commitment und die feste Überzeugung, dass wir das Richtige tun.

Wir haben jetzt die einmalige Chance, mit der Elektromobilität einen der wichtigsten Märkte der Zukunft von Tag 1 an mitzugestalten. Die Haltung „Das haben wir schon immer so gemacht“ gibt es nicht bei SVOLT, so brauchen wir keine alten Strukturen aufzubrechen, sondern können neue, zeitgemäße und zukunftsweisende schaffen. Mit unserer Arbeit bei SVOLT leisten wir einen Beitrag gegen den Klimawandel. Dabei habe ich die Chance, Arbeitsplätze zu schaffen, die nachhaltig und zukunftssicher sind. Und das im Saarland in einem Bundesland, das diese dringend benötigt und in Zukunft noch dringender benötigen wird. Schon heute arbeite ich mit großartigen Menschen zusammen, die als Teil meines Teams mit mir gemeinsam diesen Weg gehen und mich immer wieder aufs Neue verblüffen. Vom Saarland aus habe ich die Chance, ein chinesisches Unternehmen zu internationalisieren. Das ist eine besondere Herausforderung, da die Kulturen sich sehr unterscheiden und ein hohes Maß an Komplexität besteht. Aber ich mag Dinge, die mich herausfordern.

Dieser Text wurde ursprünglich von der htw saar veröffentlicht.

Saar-Universität bietet „Computer Science“ und „Cybersecurity“ Bachelorstudiengänge an

Saar-Universität bietet englischsprachige Informatik-Bachelorstudiengänge an


Im Wintersemester 2021/22 starten an der Universität des Saarlandes mit „Computer Science“ und „Cybersecurity“ zwei Bachelorprogramme der Informatik, die komplett auf Englisch gelehrt werden. Damit ist die Saar-Universität die erste staatliche Hochschule in Deutschland, die rein englischsprachige Bachelorstudiengänge auf dem Gebiet der Informatik anbietet. Der Schritt schärft das internationale Profil des Standorts und macht die Uni damit noch attraktiver für Studierende aus dem In- und Ausland.

Dass die neuen Bachelorstudiengänge in der Fachrichtung Informatik eingerichtet werden, ist kein Zufall. In ihrer mehr als 50-jährigen Geschichte zeichnete sich die Saarbrücker Informatik schon immer durch ihre internationale Orientierung aus. Bereits seit mehr als 15 Jahren wird hier ab dem dritten Studienjahr vollständig auf Englisch gelehrt und mehr als die Hälfte aller Studierenden der Informatik-Masterstudiengänge kommen aus dem Ausland. Inzwischen forschen, lehren und studieren am ‚Saarland Informatics Campus‘ rund 2100 Studierende und 800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als 80 Nationen.

„Kaum ein anderes Fach hat so starke Auswirkungen auf unser tägliches Leben und ist dabei so international geprägt wie die Informatik,“ sagt Sebastian Hack, Informatik-Professor der Universität des Saarlandes und verantwortlich für den neuen Bachelorstudiengang ‚Computer Science‘. „Um schon zum Bachelor Talente aus aller Welt für unseren Forschungs- und Wirtschaftsstandort gewinnen zu können, ist die Öffnung unserer Bachelor-Studiengänge ein essenzieller Faktor. Dieses Angebot bereitet auch unsere einheimischen Studierenden noch besser auf eine globalisierte Arbeitswelt vor, in der das Englische von überragender Bedeutung ist“, so Sebastian Hack weiter.

Vier Personen befinden sich in einer Büroumgebung. Zwei arbeiten im Vordergrund an Desktop-Computern, während zwei andere im Hintergrund stehen und sich unterhalten - ein moderner Arbeitsplatz mit neutralen Farben, der das innovative Umfeld des Standortmarketing Saarland widerspiegelt.
© Oliver Dietze

Auch im Bereich der Cybersicherheit wird das Studienangebot an der Saar-Universität um einen englischsprachigen Studiengang erweitert. Christian Rossow, verantwortlicher Professor der Universität des Saarlandes und Forscher am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit, sagt dazu: „Cybersicherheit ist schon heute eines der bestimmenden Themen – egal ob politisch, wirtschaftlich oder sozial. Durch die Intensivierung der Ausbildung exzellenter Sicherheitsexperten leisten wir somit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag und wirken vom Saarland in die ganze Welt.“

Die internationale Ausrichtung der Universität des Saarlandes wird mit den neuen Angeboten weiter gestärkt, da so auch internationale Studierende gewonnen werden können, die zu Beginn noch keine Deutschkenntnisse aufweisen. Im Rahmen ihres Studiums belegen sie dann vor Ort Deutschkurse am Internationalen Studienzentrum Saar. Im vergangenen Jahr wurde die Universität mit dem Projekt Transform4Europe als „Europäische Hochschule“ ausgezeichnet, bereits seit 2008 ist die Hochschule im grenzübergreifenden Verbund „Universität der Großregion“ engagiert. Über ihre überdurchschnittlich hohe Zahl an internationalen und grenzüberschreitenden Studiengängen mit Doppelabschluss sowie das Erasmus+-Programm und zahlreiche außereuropäische Studienprogramme ist die Saar-Universität zudem weltweit vernetzt.

„Forschung und Lehre finden an der Universität des Saarlandes schon immer über Ländergrenzen hinweg statt. Seit ihrer Gründung steht die Saar-Universität für internationale Kooperation und Wissenstransfer, weshalb es nur konsequent ist, dass wir nunmehr als erste staatliche Hochschule in Deutschland den Schritt gehen, in der Informatik rein englischsprachige Bachelorstudiengängeanzubieten“, sagt Universitätspräsident Manfred Schmitt.

Hintergrund Saarland Informatics Campus

800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und rund 2100 Studierende aus mehr als 80 Nationen machen den Saarland Informatics Campus (SIC) zu einem der führenden Standorte für Informatik in Deutschland und Europa. Fünf weltweit angesehene Forschungsinstitute, nämlich das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Max-Planck-Institut für Informatik, das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme, das Zentrum für Bioinformatik und das Cluster für „Multimodal Computing and Interaction“ sowie die Universität des Saarlandes mit drei vernetzten Fachrichtungen und 24 Studiengänge decken das gesamte Themenspektrum der Informatik ab. 

Dieser Text wurde urprünglich von der Universität des Saarlandes veröffentlicht.

Saar-Universität stärkt ihren Europa-Schwerpunkt

Saar-Universität stärkt ihren Europa-Schwerpunkt.

Kooperation mit der Villa Vigoni am Comer See


Die Universität des Saarlandes startet eine Kooperation mit der Villa Vigoni, dem Deutsch-Italienischen Zentrum für den Europäischen Dialog am Comer See. Unter dem Titel „Exzellenzlabor Europa“ entsteht dabei ein internationales Diskussionsforum der Europaforschung in den Kultur- und Sozialwissenschaften. Zum Auftakt findet vom 9. bis 13. September 2021 in der Villa Vigoni die Sommerschule „Restitution, Reparationen, Reparation – Wege zu einer neuen Weltgesellschaft?“ statt.

Der Kooperationsvertrag wird am 11. September im Rahmen eines Festaktes unterzeichnet.   

Die Villa Vigoni gilt als einer der bedeutendsten Orte für die deutsch-italienische Wissenschaftskooperation und als wichtige Plattform für den interdisziplinären Dialog auf europäischer Ebene. Mit der Vereinbarung zur gemeinsamen Einrichtung eines „Exzellenzlabors Europa“ kann die Universität des Saarlandes ihren Europa-Schwerpunkt wesentlich stärken und profilieren. Sie ist – neben den Universitäten in Frankfurt/Main und Hamburg – die dritte Universität in Deutschland, die eine Kooperation mit der Villa Vigoni eingeht. 

Ein großes, cremefarbenes Haus mit blauen Fensterläden steht hinter einer mit Kletterrosen bewachsenen Steinmauer, umgeben von gepflegten Gärten und Grünflächen - eine Szene, die an einem hellen Tag an Deutschlands Hidden Champion im Standortmarketing Saarland erinnert.
© Villa VigoniDie Villa Vigoni am Comer See: Sie ist Sitz des Villa Vigoni e. V., ein bilateraler Verein, der 1986 durch die Bundesrepublik Deutschland und die Republik Italien gegründet wurde.
Als Deutsch-Italienisches Zentrum für den Europäischen Dialog engagiert sich die Villa Vigoni für die deutsch-italienischen Beziehungen und die Zusammenarbeit in europäischer Perspektive.

Das„Exzellenzlabor Europa“, das künftig einmal im Jahr in der Villa Vigoni stattfinden soll, richtet sich insbesondere an junge Kultur- und Sozialwissenschaftler.

„In diesem Diskussionsforum für jüngere Forscherinnen und Forscher wollen wir in den kommenden Jahren interdisziplinäre Reflexionen über europäische Themen anregen und Fragestellungen diskutieren, die Europas Beziehungen in und zur Welt thematisieren“, erklärt Markus Messling. Der Saarbrücker Professor für Romanische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation hat gemeinsam mit der Komparatistin Prof. Christiane Solte-Gresser das diesjährige erste Exzellenzlabor Europa initiiert, das vom 9. bis 13. September in der Villa Vigoni am Comer See stattfindet – als internationale Sommerschule für 18 Doktorandinnen und Doktoranden aus verschiedenen Ländern Europas.

Mit einem Festakt wird die Kooperation am 11. September von der Generalsekretärin der Villa Vigoni Dr. Christiane Liermann Traniello und Universitätspräsident Prof. Manfred Schmitt in der Villa Vigoni eröffnet. Die Festrede hält Prof. Patricia Oster-Stierle, Vorsitzende des Clusters für Europaforschung der Universität des Saarlandes (CEUS), das das Exzellenzlabor Europa koordiniert und verantwortet. Im Anschluss findet eine Lesung mit Gespräch mit der Schriftstellerin Helena Janeczek statt, die 2018 mit dem „Premio Strega“, dem wichtigsten Literaturpreis Italiens, ausgezeichnet wurde. Lesung und Gespräch werden moderiert von der Literaturkritikerin, Autorin und Journalistin Dr. Maike Albath.  

„Wir sind sehr stolz über die Gelegenheit, durch die Kooperation künftig jedes Jahr internationale Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Villa Vigoni zusammenzubringen“, freut sich Universitätspräsident Manfred Schmitt. „Das ‚Exzellenzlabor Europa‘ trägt auch dazu bei, den Europa-Schwerpunkt der Universität des Saarlandes weiterzuentwickeln und nachhaltig zu stärken.“ 

Die internationale Sommerschule widmet sich unter dem Titel „Restitution, Reparationen, Reparation – Wege zu einer neuen Weltgesellschaft?“ der Frage nach den ethischen Konsequenzen, die mit dem Ruf nach materiellen Reparationen verbunden sind. Unter anderem soll darüber diskutiert werden, wie sich Europa in der aktuellen Zeit der Krise, in der sich alte Machtstrukturen fortsetzen und soziale Ungleichheiten wachsen, positionieren sollte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule können sich dazu mit renommierten internationalen Gästen austauschen.

Gäste der Sommerschule sind die Literaturwissenschaftlerin Aurélia Kalisky (Berlin) mit ihrer Forschung über Zeugenschaft im Kontext der Shoah und kolonialer Verbrechen, die Autorin Igiaba Scego (Rom), die in ihrem Werk die Erfahrung von Trauma und die Möglichkeiten der Heilung in (post-)kolonialen Zusammenhängen thematisiert, sowie die Soziologin Angelica Pesarini (Toronto) und der Kulturanthropologe Jonas Tinius (Saarbrücken), die sich mit gesellschaftlichen Voraussetzungen und Konsequenzen dekolonialer Museumsarbeit in Italien und Deutschland auseinandersetzen; darüber hinaus die Schriftstellerin Helena Janeczek (Mailand) mit ihrem literarischen Werk zu Erinnerung und Shoah sowie der Philosoph Olivier Remaud (Paris), der in seiner aktuellen Publikation „Penser comme un iceberg“ Mensch-Natur-Verhältnisse neu denkt. 

Die Kooperation zwischen der Villa Vigoni und der Universität des Saarlandes verdankt sich der Initiative von Dr. Christiane Liermann Traniello, Generalsekretärin der Villa Vigoni, und von Prof. Markus Messling. Von Seiten der Universität des Saarlandes werden im diesjährigen „Exzellenzlabor“ zwei Leuchttürme im Europa-Schwerpunkt zusammengeführt – das DFG-Graduiertenkolleg „Europäische Traumkulturen“ und der ERC Grant „Minor Universality. Narrative World Productions After Western Universalism“. Das Cluster für Europaforschung (CEUS) der Universität des Saarlandes, in dessen Collegium Prof. Messling und Prof. Solte-Gresser Mitglieder sind, hat als fakultätsübergreifende Plattform im Europa-Schwerpunkt den Auftrag, dieses interdisziplinäre Format zu koordinieren.

Ein Mann mit kurzen braunen Haaren und leichten Bartstoppeln trägt einen grauen Blazer über einem schwarzen Rollkragenpullover. Er blickt leicht nach oben und lächelt sanft, er verkörpert die Zuversicht von Deutschlands Hidden Champion. Der Hintergrund ist mit hellen und dunklen Formen verschwommen.

Das Diskussionsforum in der Vigoni über aktuelle gesellschaftspolitische Themen erlaubt es uns, gemeinsam und im Gespräch nachzudenken. Besonders freue ich mich über die Chancen, die unsere Kooperation für die Doktorandinnen und Doktoranden hat – denn gerade für die jungen Kolleginnen und Kollegen in den Kultur- und Sozialwissenschaften ist die Erfahrung wichtig, dass Kulturreflexion eine gesellschaftliche Bedeutung hat.«

Prof. Markus Messling

Hintergrund:

Die Villa Vigoni e. V. ist ein bilateraler Verein, der 1986 durch die Bundesrepublik Deutschland und die Republik Italien gegründet wurde. Als Deutsch-Italienisches Zentrum für den Europäischen Dialog engagiert sich die Villa Vigoni für die deutsch-italienischen Beziehungen und die Zusammenarbeit in europäischer Perspektive und setzt sich für Ausbau und Vertiefung eines Dialogs in Wissenschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft ein. Von diesem Schwerpunkt aus bietet die Villa Vigoni heute einen Ort der interkulturellen Begegnung und Diskussion für eine weite Spanne an Themen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Seit vielen Jahren bestehen ebenfalls trinationale Programme in deutsch-italienisch-französischer Kooperation. 

Das Cluster für Europaforschung (CEUS) hat das Ziel, die Universität des Saarlandes in den kommenden Jahren als eine der führenden Europa-Universitäten Deutschlands zu etablieren. Es geht aus dem 2012 gegründeten Europa-Kolleg hervor und wurde 2020 neu strukturiert. Als zentrales und interdisziplinäres Forschungs- und Kompetenzzentrum der Universität im Themenfeld Europa vernetzt das CEUS die Europa-Akteure der Universität, um fachübergreifende Verbundaktivitäten in Forschung und Lehre zum Gegenstand Europa auf Exzellenzniveau zu generieren, zu bündeln und nachhaltig für den Universitätsstandort Saarland fruchtbar zu machen.

Dieser Text wurde urprünglich von der Universität des Saarlandes veröffentlicht.

Kickoff Wirkstoffzentrum

Von der Grundlagenforschung zum Medikament: Neues Zentrum verstärkt Wirkstoffforschung im Saarland


Bis ein neuer Wirkstoff aus der Grundlagenforschung als Medikament auf den Markt kommt, vergehen oft viele Jahre. Um diesen Prozess zu beschleunigen,
werden das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und die Universität des Saarlandes künftig noch enger zusammenarbeiten. Sie haben dafür jetzt das Zentrum für translationale Wirkstoffforschung gegründet, in dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Institutionen mit dem Universitätsklinikum in Homburg sowie der pharmazeutischen Industrie eng vernetzen werden.

Ausgangspunkt für die Weiterentwicklung des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland, einem Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), ist die Förderung von 70 Millionen Euro, die Bund und Land im vergangenen Jahr für den thematischen und räumlichen Ausbau zugesagt haben. Zudem werden alle Partner personelle Ressourcen und aufwändige Labortechnik für die enge Zusammenarbeit nutzen. Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlandes, betont: „Mit dem Ausbau der Forschungskapazitäten im Saarland stärken wir gezielt die Schlüsselbereiche unserer Innovationsstrategie. Tragende Säule des Forschungsschwerpunkts „NanoBioMed“ bildet – gemeinsam mit der Universität – das HIPS. Der Ausbau des HIPS und die enge Zusammenarbeit mit der Universität stellen die Weichen für Wirkstoffforschung im Saarland auf Spitzenniveau. Neben exzellenter Forschung sehe ich speziell durch die anwendungsorientierte translationale Wirkstoffforschung auch großes Entwicklungspotenzial für die saarländische Wirtschaft.“

Das übergreifende Ziel dabei ist es, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung, in Form von Wirkstoffen, in die klinische Anwendung zu bringen – ein Prozess, der in der pharmazeutischen Forschung als Translation bezeichnet wird.

Um diesen Entwicklungsprozess zu beschleunigen, gilt es, die anwendungsorientierte Forschung in verschiedenen Bereichen der Lebenswissenschaften mit der klinischen Forschung und der pharmazeutischen Industrie eng zu verknüpfen. Eine Aufgabe wird daher auch sein, neue Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft in gemeinsame Projekte einzubinden. „Die zusätzlichen Mittel von Bund und Land ermöglichen uns die signifikante Erweiterung unserer Expertise sowie den erforderlichen Ausbau der Ressourcen des HIPS. Über diese Möglichkeit sind wir hoch erfreut. Durch ein gezieltes kooperatives Arbeitsprogramm mit unseren Partnern der Universität des Saarlandes können wir die unterschiedlichen Disziplinen näher zusammenbringen. So kommen wir einer zielgerichteten Wirkstoffforschung einen großen Schritt näher“, sagt der Geschäftsführende Direktor des HIPS, Rolf Müller.

Zu Beginn wird das Zentrum in erster Linie als virtuelles Netzwerk agieren, in Zukunft aber sollen die Forscherinnen und Forscher im direkten Austausch am HIPS zusammenarbeiten.

Von Seiten der Universität des Saarlandes kommen diese vor allem aus der Medizin, Informatik, Bioinformatik und Chemie. Gemeinsam mit dem HIPS werden sie sich auf die verschiedenen Teilbereiche der Wirkstoffentwicklung konzentrieren. Dabei gilt es, neue Wirkstoffe zu identifizieren, diese systematisch zu analysieren und die Wirksubstanzen auf chemische und biotechnologische Weise zu verbessern. Zudem geht es um die Frage, wie Wirkstoffe zu ihrem Wirkort im Körper transportiert werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt werden die bioinformatischen Methoden sein, mit denen die Wirkstoffentwicklung enorm beschleunigt werden kann. Dabei müssen große Datenmengen analysiert werden, wie sie etwa bei der Genomsequenzierung von mikrobiellen Wirkstoffproduzenten entstehen. Universitätspräsident Manfred Schmitt betrachtet das neue Zentrum als große Chance: „Es bietet uns nunmehr die Möglichkeit, auf dem Gebiet der Wirkstoffforschung noch enger zusammenzuwachsen und die vorhandenen Synergien bestmöglich und maximal zu nutzen. Im Saarland haben wir am HIPS und an beiden Standorten der Universität hochkarätige Forscherteams, die sich in der biomedizinischen Grundlagenforschung, in präklinischen Studien und in der klinischen Anwendung auf höchstem wissenschaftlichem Niveau mit neuen Wirkstoffen beschäftigen.“

Im Mittelpunkt des neuen Zentrums wird auch die Mikrobiomforschung stehen. Diese befasst sich damit, wie körpereigene Bakterien für die Wirkstoffentwicklung nutzbar gemacht werden können. Sie erfordert einen engen Schulterschluss zwischen Naturwissenschaften und Medizin.

Damit die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung letztendlich in neue Wirkstoffe münden werden, konnten für das neue Zentrum bereits erfahrene Wissenschaftler und Pharmazeuten aus der Industrie gewonnen werden. Sie sollen die Translationsprozesse von vielversprechenden Projekten in beratender Funktion begleiten und somit die Erfolgschancen für eine Vermarktung erhöhen. Auch die Ausgründung von Biotech-Start-Ups soll gefördert werden. „Das HIPS ist ein exzellentes Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen einer außeruniversitären Forschungseinrichtung wie dem HZI und einer Universität, bei der beide Partner ihre Expertise in der pharmazeutischen Forschung bündeln und stärken“, sagt Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI. „Die thematische Erweiterung bietet nun zusätzliche Anknüpfungspunkte, um die Interaktionen des HZI und seiner Standorte mit dem HIPS und der Universität des Saarlandes weiter zu
intensivieren.“

Hintergrund: Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Zum Start des neuen Zentrums für translationale Wirkstoffforschung wurden neben den Wissenschaftlern des HIPS bereits sechs weitere Professorinnen und Professoren mit eingebunden: Professor Robert Bals (Molekulare Therapien für Lungenerkrankungen) und die Professorin Sigrun Smola (Wirkstoffforschung für
persistente Viruserkrankungen) vom Universitätsklinikum Homburg, die Professoren Andreas Keller (Klinische Bioinformatik), Andriy Luzhetskyy (Metabolic Engineering von Aktinomyzeten) und Uli Kazmaier (Totalsynthese von Naturstoffen) von der Universität des Saarlandes sowie Professor Stephan Sieber von der TU München (TargetIdentifizierung von Naturstoffen).

Um den Themenbereich Bioinformatik sowie die Mikrobiom- und Naturstoffforschung am HIPS weiter zu stärken, laufen derzeit Berufungsverfahren für entsprechende Professuren gemeinsam mit der Universität des Saarlandes. Parallel werden an der Universität neue Professuren in den Bereichen Bioinformatik, Naturstoffsynthese, Gastroenterologie und Strukturbiologie eingerichtet, die in das virtuelle Wirkstoffzentrum eingebunden werden sollen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich von der Universität des Saarlandes veröffentlicht

Interview Pharmazieforschung im Saarland: Auf dem Weg nach ganz oben

Interview Pharmazieforschung im Saarland: Auf dem Weg nach ganz oben


Eine hohe zweistellige Millionenförderung und der hochdotierte Leibniz-Preis sind Basis für den zukünftigen Quantensprung in der saarländischen antibakteriellen und antiviralen Wirkstoffforschung. Ziel sind neue Lösungen für globale Probleme in der Humanmedizin. Wir sprachen mit Professor Rolf Müller, Professor für Pharmazeutische Biotechnologie an der Universität des Saarlandes (UdS) und Direktor des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), einem Standort des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI).

Herr Prof. Müller, für welche besonderen Leistungen erhielten Sie den bedeutendsten deutschen Forscherförderpreis? Warum ist dieses Gebiet so wichtig geworden?

Mit dem Preis wurden unsere Arbeiten auf dem Gebiet der Naturstoffforschung und der Biomedizinischen Mikrobiologie ausgezeichnet. Unser Fokus liegt hierbei auf der Entdeckung und Entwicklung neuer Substanzen zur Bekämpfung antibiotikaresistenter Krankheitserreger, deren Behandlung in den Kliniken immer mehr Probleme machen. Dass generell ein hoher Bedarf für neue Wirkstoffe zur Behandlung von Infektionserkrankungen besteht, zeigt nicht zuletzt die aktuelle Covid-19 Pandemie.

70 Millionen Euro haben Sie in den nächsten Jahren von Bund und Land zur Verfügung. Was sind die konkreten Pläne? Mit welchen Ergebnissen rechnen Sie? 

Im Vordergrund unserer Arbeiten steht die Entwicklung neuer Antibiotika. Um hier die Erfolgsaussichten zu verbessern, bauen wir unsere Aktivitäten in der Naturstoff-Forschung, Medizinalchemie und der Mikrobiomforschung weiter aus und legen besonderen Wert auf die Entwicklung der Bio- und Chemieinformatik. Es geht darum, die riesigen Datenmengen, die im Rahmen moderner Wirkstoff-Forschung generiert werden, möglichst effizient zu verwerten und daraus Vorhersagen abzuleiten. Gerade die Schnittstelle Informatik/Medizin/Pharmazeutische Forschung bietet ideale Voraussetzungen, um aus der Grundlagenforschung heraus neue Diagnose- und Therapieverfahren zu entwickeln.

Wo liegen besondere Herausforderungen?

Bei der Antibiotikaentwicklung haben sich die meisten Pharmafirmen leider aufgrund ökonomischer Faktoren aus der aktiven Forschung zurückgezogen. Wir wollen durch unsere oft kooperativen Projekte mit (inter)nationalen Partnern dazu beitragen, dass auch in Zukunft noch wirksame und sichere Antibiotika zur Verfügung stehen.

Neben der Informatik soll als zweites Standbein die pharmazeutische Forschung inklusive der Wirkstoffforschung in der saarländischen Forschungslandschaft etabliert werden. Wo sehen Sie den wirtschaftlichen Nutzen für die Region?

Zusammen mit der Medizin und der Informatik der UdS, sowie dem Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) haben wir 2019 bereits die Forschungsallianz Pharmazeutische Forschung ins Leben gerufen, die erfolgreich Forschungsgruppen in gemeinsamen Wirkstoff-Projekten zusammenbringt. Neben der Grundlagenforschung haben wir aber immer auch die Überführung unserer Ergebnisse in die praktische Anwendung im Blick. Wir konnten in der Vergangenheit mehrfach zeigen, dass sich Biotechnologie-Ausgründungen sehr erfolgreich in der saarländischen Wirtschaftslandschaft ansiedeln und dort bestehen können. Für die Zukunft erwarten wir weiterhin Ausgründungen im Bereich der Wirkstoffforschung.

Was macht die Stärke des Saarlandes als Innovations- und Forschungsregion aus?

Herausragend ist die Entwicklung des Saarland Informatics Campus, der nun immer mehr in die interdisziplinäre Anwendung geht. Gemeinsam mit Pharmazie und Medizin entwickeln sich hervorragende Chancen für Ausgründungen und Ansiedlungen. Auch hier spielen neben der Universität die außeruniversitären Forschungseinrichtungen eine tragende Rolle. Es ist außergewöhnlich, wie gut diese Institutionen im Saarland miteinander interagieren und sich trotz der unterschiedlichen Widmungsaufträge hervorragend ergänzen.

Sie sind ein sogenannter „Wahlsaarländer“. Was gefällt Ihnen ganz besonders an dem kleinen Bundesland im Südwesten?

Im Saarland gehen die meisten Tätigkeiten mit kurzen Wegen und positiven persönlichen Interaktionen einher. Man pflegt meist den unkonventionellen und pragmatischen Weg zum Ziel, was der Forschung sehr zu Gute kommt. Zudem gibt es gute Chancen für Fachkräfte und viel Unterstützung für die Wissenschaft aus der Politik. Bestes Beispiel dafür ist die Förderung für den Ausbau des HIPS durch Bund und Land, für die wir sehr dankbar sind. Zuletzt möchte ich die hervorragende Lebensqualität erwähnen. Diese spiegelt sich nicht nur im guten Essen wider, sondern auch in einer grundsätzlichen Einstellung hin zur schnellen Problemlösung.  

Über die Erfindung der industriellen Revolution 4.0

Über die Erfindung der industriellen Revolution 4.0.

So gelingt die Fabrik der Zukunft


Reifen melden sich, bevor sie abgelaufen sind. Hydrauliköl wird nicht in Intervallen ausgetauscht, sondern wenn es nötig ist. Industrielle Künstliche Intelligenz macht neue Services für bestehende Produkte möglich – eine Wachstumschance für die deutsche Industrie.

Die Autofabrik der Zukunft. Eine lichtdurchflutete, 30 Fußballfelder große Halle. 400 fahrerlose Transportfahrzeuge bringen Antriebe, Karosserien und Fahrzeugteile an ihren Verarbeitungsort. Gebaut wird nach Bestellung. Ganz egal, ob Limousine, SUV oder Kompaktwagen. Mit Hilfe von Hängedrehförderern, Schubplattformen und Robotern hieven Mitarbeiter Fahrzeugteile in optimale Arbeitspositionen. Verbunden ist alles mit allem. Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge und über Datenbrillen oder Tablets auch der Mensch. Eine Hochleistungsvernetzung aus W-Lan und 5G-Mobilfunk stellt sicher, dass alle Daten der gesamten Wertschöpfungskette des Herstellers zugutekommen. „Factory 56″ nennt Daimler sein Konzept einer Autofabrik der Zukunft, das schrittweise auf alle Mercedes-Benz-Pkw-Werke übertragen werden soll.

Industrie 4.0 – Eine Idee aus dem Saarland

Wenn Maschinen, Geräte, Sensoren und Menschen sich miteinander vernetzen, reden wir von der vierten industriellen Revolution, kurz „Industrie 4.0″. Eine deutsche Erfolgsgeschichte. Zu der das Saarland wichtige Kapitel beigesteuert hat. Denn hier findet sich eine in seiner Dichte seltene Kombination von exzellenten Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit Kompetenzen in den Bereichen Hardware, Software und Konnektivität – also die wesentlichen Treiber für die Realisierung von Industrie 4.0-Konzepten. So wundert es kaum, dass die Idee zum Begriff von einem Saarländer stammt. Wolfgang Wahlster trug ihn zur Hannovermesse 2011 mit den Physikern Henning Kagermann und Wolf-Dieter Lukas erstmals in die Öffentlichkeit. „Wenn das Internet in die Fabriken kommt, haben wir cyberphysische Systeme”, sagt Wahlster, der bis 2019 Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken war. „Uns war aber klar, dass wir etwas Griffigeres brauchten, obwohl cyberphysische Produktion fachlich korrekt ist.” So entstand der Begriff der „Industrie 4.0″, der auch in internationalen Veröffentlichungen heute oft mit „ie” geschrieben wird. Ein Hinweis darauf, dass man nicht das Silicon Valley kopieren muss, um in der digitalen Ära Erfolg zu haben. „Unser Ansatz war es, Zentren technologischer Forschung sehr nahe an industrielle Ökosysteme heranzuziehen”, sagt Wahlster, ein weltweit renommierter Experte für Künstliche Intelligenz im industriellen Kontext. „Das Saarland ist ein Produktions- und Autoland. Da macht es absolut Sinn, sich dort jetzt intensiv mit industrieller Künstlicher Intelligenz zu beschäftigen.” Zumal im kleinen Saarland die Wege zwischen industrieller Produktion, Wissenschaft und politischen Entscheidern so kurz sind wie sonst kaum in Deutschland.

Ein Mann mit Gesichtsmaske sitzt in einem Labor mit Roboterausrüstung um ihn herum und gestikuliert mit seinen Händen. Im Hintergrund sind Schilder und Maschinen zu sehen, die auf den deutschen Hidden Champion und das innovative Standortmarketing Saarland hinweisen.

Roboter bewegen sich schon mal so, wie es der Mensch gerade nicht erwartet.»

Tim Schwartz

Roboter mit Feingefühl

Durch das Zusammenwirken der Datenströme in Echtzeit tritt Industrie 4.0 in eine neue Phase ein – kombiniert mit schnellen 5G-Netzen, optimiert mit Künstlicher Intelligenz (KI). Roboter lernen Arbeitsschritte in Umgebungen, die ihren zukünftigen realen Einsatzorten entsprechen. Mit dem „Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik” (ZeMA) besitzt das Saarland ein ideales Testfeld für derlei Anwendungen. Airbus, VW, Bosch, Festo und andere Industriegrößen haben dessen Expertise bereits genutzt.

Wer die Halle in Saarbrücken betritt, hört das Surren von Drohnen. In einem durch Netze gesicherten Bereich schwirren die Fluggeräte über Industrie-Robotern, die mit menschlichen Kollegen gemeinsam in einer Werkstatt arbeiten. „Roboter bewegen sich schon mal so, wie es der Mensch gerade nicht erwartet”, sagt Tim Schwartz, der sich am DFKI mit kognitiven Assistenzsystemen beschäftigt. „Aber ein Mensch soll nicht bedroht werden, sich nicht mal so fühlen.” Die Daten aus der Drohnen-Kamera stellten sicher, dass der Roboter die Nähe eines Menschen erfasst und seine Bewegung bereits vor dem Kontakt abbricht. „Das neuronale Netz des Roboters ist dabei die ganze Zeit mit dem Kamerabild verbunden”, sagt Schwartz.

Die Roboter-Mensch-Interaktion muss nahtlos vonstattengehen um eine individualisierte Produktion zu ermöglichen. Tim Schwartz forscht zu kognitiven Assistenzsystemen am DFKI in Saarbrücken.

Ein zukunftweisender Test. Moderne Leichtbau-Roboter halten dank ihrer intrinsischen Sensorik zwar inne, wenn die Gegenkraft zu groß wird. „Das ist aber keine Kollisionsvermeidung”, sagt Schwartz. „Dann hat es meist schon gekracht.” Die Lösung könnte ein Roboter sein, der schon vorher stoppt, etwa der APAS von Bosch.

Bei bisherigen Einsätzen in der Industrie habe sich gezeigt, dass Menschen mit ihren sensorischen und kognitiven Fähigkeiten sich nach wie vor schneller an neue Umgebungen und Aufgaben anpassen können als Roboter, sagt Rainer Müller, wissenschaftlicher Geschäftsführer des ZeMA. „In der Wahrnehmung und Vorausschau von Situationen ist der Mensch den technischen Systemen noch überlegen, wie auch die Herausforderungen bei der Einführung von autonom fahrenden Fahrzeugen im Straßenverkehr zeigen.“ Wenn KI-Technologien Daten auswerten und sich daraus Handlungsempfehlungen ableiten lassen, brauchte es Müller zufolge auch in Zukunft die Expertise der Ingenieure, diese Empfehlungen zu hinterfragen und möglicherweise abweichende Entscheidungen zu treffen.

Denn Künstliche Intelligenz soll die individualisierte Produktion vorantreiben, ohne den Menschen auszuklammern. Für Antonio Krüger, CEO des DFKI, ist sie der zentrale Faktor für den Erfolg von Industrie 4.0. „KI ermöglicht für individuelle Kunden die preislich konkurrenzfähige Produktion von Einzelanfertigungen oder Kleinstserien.“ KI helfe bei der Flexibilisierung der Lieferketten, der Qualitätssicherung sowie bei der Schonung von Ressourcen und beim Recycling. Kleine und mittlere Unternehmen könne sie in projektorientierte Produktionsverbünde verwandeln. „Industrielle KI für das Management von Produktionslinien hilft auch dabei, Umrüstzeiten zu reduzieren“, sagt Philipp Slusallek, Standortleiter des DFKI.

Cobots, also Roboter, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten, gelten als Wegbereiter einer flexiblen Produktion bis hin zur „Losgröße 1″ – einer umfassenden Individualisierung der Produktion, die bereits heute in der Automobilindustrie Realität ist. Der Variantenreichtum jedes Modells sorgt dafür, dass bald fast jedes Auto ein Unikat ist.

„Wir müssen nicht nur Menschen weiterbilden, sondern auch Maschinen”, sagt Andreas Schütze, Professor für Messtechnik an der Universität des Saarlandes. Sein Team forscht derzeit an einem neuen Wartungssystem, das Zustandsdaten von Maschinen feststellt und interpretiert. „Künstliche Intelligenz funktioniert durch Mustererkennung”, sagt Schütze. „Passiert etwas völlig Neues, stößt so ein System an seine Grenzen. Wir erkennen mit der sogenannten Novelty Detection auch unbekannte Vorfälle.”

Ein Mann mit Brille, weißem Hemd und dunklem Pullover steht lächelnd in einer Industriehalle und spiegelt den Geist von Deutschlands Hidden Champion wider, der von Saarland Marketing beworben wird. Im Hintergrund sind Metallträger und Geräte zu sehen.

Wir müssen nicht nur Menschen weiterbilden, sondern auch Maschinen.«

Andreas Schütze

Team aus Saarbrücken forscht am Unbekannten

Im ZeMA wird derzeit in einer Testreihe die Abnutzung von Stoßdämpfern untersucht. Jedes Gerät vibriert, rüttelt, brummt oder erhitzt auf seine ganz eigene Weise. Condition Monitoring, also die ständige Überwachung des Zustandes durch KI, ist geldwertes Wissen für jedes Industrieunternehmen. Ein KI-gestütztes Multisensorsystem, das etwa die Viskosität von Öl messen und auf den optimalen Zeitpunkt zum Austausch hinweisen kann, ist besser als eine starre, intervallbasierte Wartung. Am Thema vorausschauende Wartung arbeitet auch das von August-Wilhelm Scheer gegründete Start-up IS Predict in Saarbrücken. „Vorausschauende Wartung verhindert ungeplante Stillstände, ermöglicht Termintreue und Planungssicherheit,“ sagt Slusallek.

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Das Rückgrat der KI muss dabei nicht unbedingt ein Rechenzentrum sein. Beim Edge Computing werden Daten direkt an der Quelle verarbeitet und in Echtzeit verfügbar gemacht. „Gerade produzierende Unternehmen sind vorsichtig mit Daten”, sagt Schütze. „Sie wollen nicht, dass ein Konkurrent ablesen kann, wie viele Stückzahlen gerade produziert werden.” Spezialrechner in der Fabrik, Auswertung direkt vor Ort – ein Zukunftsmodell, zu dem im Saarland ebenso praxisnah geforscht wird wie zur digitalen Veredelung von Bestandsanlagen, Energieinformatik oder der Mensch-Roboter-Kollaboration.

Beim Edge Computing hat Deutschland weltweit derzeit noch einen Vorsprung von zwei bis drei Jahren, wie Wolfgang Wahlster schätzt. Umso wichtiger erscheint es deshalb, jetzt in Standorte zu investieren, die Geschäftsmodelle „as-a-Service” ermöglichen. Kunden erhalten damit zusätzlich zum Produkt eine durch KI ermöglichte Dienstleistung. Michelin etwa bietet intelligente Reifen für Flugzeuge an, die die Anzahl der Landungen misst und den Verschleiß meldet. Wenn eine Schweißstation von Bosch in Indien ein halbes Prozent besser arbeitet, werden alle Stationen des weltweiten Netzwerks angepasst. Die Fernwartung von Geräten oder das Einspielen von Updates geschieht im Hintergrund, der Mensch greift nur ausnahmsweise ein. Am Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik in Saarbrücken forscht Andreas Schütze mit seinem Team zu KI-gestützten Wartungssystemen. Ziel der Forschung ist es industrielle Anwendungen effizienter aber auch sicherer zu gestalten.

Neue Batterienfabrik entsteht im Saarland

Und doch geht es nicht ohne Manpower. Im industriellen Bereich brauchen wir neben Daten auch Ingenieurwissen, das sich über Jahrhunderte herausgebildet hat. Wer ein kompliziertes Getriebe anhand von Geräuschdaten analysieren will, muss erst wissen, wie so ein Getriebe überhaupt funktioniert. Industrie 4.0 war stets als Verschmelzung des Wissens und der Tätigkeitsfelder von Ingenieuren und Informatikern gedacht.

Am besten funktioniert dies in Regionen, in denen Industrie und Forschung bereits eng vernetzt sind wie im Saarland. Demnächst steht für das Bundesland eine der größten Industrie-Ansiedlungen seiner Geschichte an. Der chinesische Hersteller SVolt plant, bis 2023 nach und nach im saarländischen Überherrn auf dem Linslerfeld und in Heusweiler-Eiweiler eine Produktion von kobaltfreien Batterien für die Autobranche hochzuziehen. Rund 2000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Für die Autofabrik der Zukunft ist das Saarland also bereit. Vielleicht sollte Daimler die nächste Factory 56 in Saarbrücken bauen.

Erschienen im Rahmen einer Content-Kooperation mit dem Verlag der F.A.Z.