Kategorie: Allgemein

Tag der Deutschen Einheit im Saarland: Zukunft durch Wandel

Tag der Deutschen Einheit im Saarland:

Zukunft durch Wandel


Das Saarland freut sich, den diesjährigen Tag der Deutschen Einheit unter dem Motto „Zukunft durch Wandel“ auszurichten – ein Leitgedanke, der unsere Region prägt. Wandel ist hier keine abstrakte Vision, sondern gelebte Wirklichkeit.

Ein eindrucksvolles Symbol dafür ist das Saarpolygon auf der Halde Duhamel in Ensdorf. Wo einst Kohle das Land prägte, steht heute eine kraftvolle, begehbare Skulptur, die sowohl Erinnerung an die Zeit des Bergbaus als auch Signal für Aufbruch, Innovation und neue Perspektiven ist.

Eine lächelnde Frau mit Brille steht vor einer Versammlung im Freien. Der deutsche Text hebt eine nationale Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken hervor, bei der sich das Standortmarketing Saarland vom 2. bis 4. Oktober 2025 präsentiert.
Kampagnenmotiv zum Tag der Deutschen Einheit in Saarbrücken

Die besondere Architektur des Saarpolygons zeigt aus jeder Perspektive neue Silhouetten: Mal erinnert sie an die industrielle Geschichte des Saarlandes, mal weist sie den Weg in eine moderne, zukunftsorientierte Entwicklung. Diese Vielfalt der verschiedenen Blickrichtungen zeigt sich auch in unserem Land, das immer wieder neue Wege findet, sich weiterzuentwickeln.

Wie das Saarpolygon steht auch das Saarland für die Verbindung von Tradition und Fortschritt, für Transformation und Zusammenhalt – und für die Fähigkeit, Chancen im Wandel aktiv zu nutzen.

Vom 2. bis 4. Oktober entsteht in der Saarbrücker Innenstadt ein lebendiger Festbereich zum Tag der Deutschen Einheit. Hier präsentiert sich das Saarland mit einem abwechslungsreichen Unterhaltungsprogramm, mit Kunst und Kultur, Kulinarik und Kommunikation. Aber auch mit seinen touristischen Highlights. Neben den Verfassungsorganen präsentieren sich alle Bundesländer, viele Institutionen und saarländische Unternehmen, um gemeinsam die Wiedervereinigung zu feiern und Austausch und Zusammenhalt zu fördern.

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Alles über das Zukunftsland Saarland! Eine Publikation von saaris im Rahmen des Saarland-Marketings und im Auftrag der Landesregierung.

Auf eine nachhaltige Zukunft

Auf eine nachhaltige Zukunft


Die Idee der Kreislaufwirtschaft birgt das Potenzial, das traditionelle Wirtschaftsmodell zu revolutionieren und eine lebenswerte Zukunft zu sichern. Im Saarland zeigen Unternehmen, wie es geht.

Zwei Personen stehen in einem saarländischen Labor neben einem großen wissenschaftlichen Instrument und unterhalten sich. Auf einem Computermonitor ist ein mikroskopisches Bild in Graustufen zu sehen, das die Innovation widerspiegelt, die das Saarland-Marketing zu Deutschlands Hidden Champion macht.
Prof. Dr. Frank Mücklich (links) und Surfunction-CEO Dr. Dominik Britz vor einem Ionenstrahl-Mikroskop, das eine bioinspirierte Oberfläche zeigt.
Mit dieser können enorme Energieeinsparungen erreicht werden. Foto: Oliver Dietze

Hürden für die Kreislaufwirtschaft überwinden

Die Umsetzung der Circular Economy muss sowohl zur Senkung des Ressourcenverbrauchs als auch für unsere bestmögliche wirtschaftliche Resilienz und technologische Unabhängigkeit vorangetrieben werden. Dabei spielt ein neuer Ansatz zur Werkstoffoptimierung eine wichtige Rolle. Professor Frank Mücklich, Direktor des Material Engineering Centers Saarland an der Universität des Saar­landes und Sprecher für die Material­wissenschaft und Werkstofftechnik an der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), erklärt dazu: „Die Energiewende ist auch eine Ma­te­rialwende, bei der wir eine enorm ge­stiegene chemische Diversität der Hoch­leistungswerkstoffe einsetzen. Für eine erfolgreiche Entwicklung bis zur Circular Economy muss dabei unbedingt von Anfang an auch die Möglichkeit der späteren effizienten Wiederauftrennung komplexer technischer Produkte in die Einzelwerkstoffe bereits bei der Werkstoffentwicklung und der Systemkonstruktion mitgedacht werden.“ Beispielsweise werden derzeit noch viel­fältigste funktionelle Beschichtungen eingesetzt, die das spätere Recycling massiv behindern. Das ökologisch innovative saar­ländische Startup Surfunction beweist mit seiner bioinspirierten DLIP-Lasertechnik zur maßgeschneiderten Oberflächenfunk­tionalisierung ganz ohne Chemie, dass völlig neue tech­nologische Wege zur konsequenten Circular Economy möglich und notwendig sind.

Zwei Männer in schwarzen Hemden und Mützen stehen im Freien, während einer mit einer Zeitung gestikuliert. Unscharfe Gebäude, Menschen und ein Wassertank füllen den Hintergrund. Eine Szene des Standortmarketings Saarland bei teilweise bewölktem Himmel, die Deutschlands Hidden Champion vorstellt.
Daniel Gluche und Chris Koch in Uganda.

Unternehmer gehen soziale Missstände an

Die Energiewende vorantreiben und soziale Missstände in der Welt unternehmerisch lösen: Das hat sich die ICC GmbH aus Saarbrücken auf die Fahnen geschrieben. Das Ende 2021 von Christian Koch und Daniel Gluche gegründete soziale For-Profit-Unternehmen arbeitet im Bereich Flächensicherung für Solarkraftwerke und Energiespeicher sowie im Bereich Kunststoffrecycling an einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft in Deutschland sowie Ostafrika – und bekämpft durch das Schaffen von Arbeitsplätzen Fluchtursachen in Afrika. „Wir arbeiten gerade am Aufbau eines Netz­werkes industrieller Spritzgussproduzenten. Damit können wir Kunststoffprodukte von Handelsunternehmen durch 100 Prozent Rezyklat substituieren“, er­läutert Koch. Damit werde die Kreislaufwirtschaft vorangebracht. Die entstehenden Gewinne dienen wiederum zum Teil dazu, Partner in Ostafrika bei der Realisierung eigener Startups im Bereich Kreislaufwirtschaft zu unterstützen. 

Dem perfekten Wirkstoff auf der Spur

Dem perfekten Wirkstoff auf der Spur


Nach Stationen in den USA, Hamburg, Heidelberg und Berlin kehrte Andrea Volkamer im August 2022 zurück in ihre Heimat: an die Universität des Saar­landes als Professorin für Data Driven Drug Design. Mit ihrer Arbeit will die Bioinformatikerin dazu beitragen, Medikamente schneller zu entwickeln und die Zahl von Tierversuchen zu reduzieren. 

Eine Frau mit langen blonden Haaren und Brille, die einen marineblauen Pullover über einem gestreiften Hemd trägt, steht an einem Geländer in einem hellen Flur mit großen Fenstern, die die Professionalität und den Geist von Saarland Marketing widerspiegeln.
Prof. Dr. Andrea Volkamer hat sich von Anfang an auf das computerge­stützte Wirkstoffdesign spezialisiert. Foto: Jan Hennemann

Andrea Volkamer forscht an der Ent­­­wicklung  von Medikamenten. Nicht mit Pipette, Reagenzglas und Mikroskop, sondern mit dem Computer: Sie ist Professorin für Data Driven Drug Design an der Universität des Saarlandes. „Ich beschäftige mich mit computergestütztem Wirk­stoffentwurf auf molekularer Ebene, also mit Proteinen und wie man diese mithilfe kleiner Moleküle blockieren kann“, erklärt die Bioinformatikerin. Denn nach diesem Prinzip funktionieren viele Arzneistoffe: Sie binden an bestimmte fehlregulierte Proteine im Körper, hemmen deren Funktion und verhindern so ein Fortschreiten der Krankheit. Ein bekanntes Beispiel eines solchen Medikaments ist Aspirin. Es bindet an ein Protein, das für die Weitergabe des Schmerzsignals verantwortlich ist. Dadurch verhindert es, dass der Schmerz im Körper weitertransportiert wird. 

Mit dem Computer Krankheiten bekämpfen

Das passende „Blockade“-Molekül für ein bekanntes Protein zu finden, ist eine der Schwierigkeiten bei der Entwicklung neuer Medikamente. „Es gibt Milliarden Möglichkeiten, wie ein Molekül aussehen könnte. Aus dieser Menge möchte man nun die Kandidaten aussuchen, die am besten in die dreidimensionale Struktur des Proteins passen und die gewünschte Wirkung haben – ähnlich der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagt An­drea Volkamer. Alle Varianten im Labor durchzutesten wäre immens aufwendig. Mit Computer­hilfe allerdings lässt sich die wahrscheinliche Wirkung einer Milliarde Moleküle im Nu simulieren. Genau das macht die Wissenschaftlerin mit ihrem Team: „So finden wir aus dieser Riesenmenge die vielleicht 100 am besten geeigneten Moleküle und erstellen eine Vorauswahl, die dann im Labor weiter untersucht wird.“ Die Vorteile: Man spart Zeit und somit Geld im sehr langen und teuren Entwicklungsprozess, erhöht die Erfolgschancen und verringert die Zahl benötigter Tierversuche. 

Letzteres war mit ein Grund dafür, warum sich Andrea Volkamer nach dem Abitur für den damals noch recht exotischen Studiengang der Bioinformatik entschieden hat. „Die Idee, mit Computern etwas zu simulieren, sodass man weniger am Tier testen muss, hat mich gepackt“, sagt sie. Vor allem aber habe sie die Anwendungsnähe des Fachs gereizt. Ein Artikel in der regio­nalen Tageszeitung hatte die gebürtige Saar­länderin seinerzeit auf den neuen Studiengang an der Uni des Saarlandes aufmerksam gemacht. Sie ging zur Infoveranstaltung. Danach war ihr klar, das richtige Fach gefunden zu haben. 2001 schrieb sie sich an der Saar-Uni als eine der ersten Bio­informatik-Studierenden ein.

Es folgte eine beeindruckend geradlinige Karriere: Nach ihrem Masterabschluss zog es sie in die USA zu einem einjährigen Forschungsaufenthalt an der Purdue University. Nicht zuletzt auch der Sprache wegen. „Denn Englisch ist in unserem Fach Pflicht“, betont sie. Zurück in Deutschland, promovierte sie an der Universität Hamburg. Ab 2013 arbeitete die Nachwuchs­wissenschaftlerin als PostDoc am BioMedX Innovation Center Heidelberg in der Krebsforschung. Drei Jahre später kam der Wechsel zur Charité in Berlin, wo sie als Juniorprofessorin eine Forschungsgruppe leitete. Im August des Jahres 2022 kehrte sie schließlich an die Uni­versität des Saarlandes zurück. 

Ein 3D-Molekülmodell, das eine Proteinstruktur mit Oberflächendarstellung und ein kleineres, in der Mitte gebundenes Molekül zeigt; die Bereiche sind blau, rot und weiß eingefärbt, um unterschiedliche Eigenschaften anzuzeigen - ein Beispiel für Deutschlands Hidden Champion im Standortmarketing Saarland.
Schlüssel-Schloss-Prinzip: Die 3D-Visualisierung der Kristallstruktur zeigt, wie Aspirin an das COX-2 bindet und damit seine entzündungs­hemmende Wirkung entfaltet (PDB ID 1OXR).

Wie das Lösen eines dreidimensionalen Puzzles

Nach dem roten Faden in ihrem Werdegang muss man nicht lange suchen: Von Anfang an hatte Andrea Volkamer sich im Studium auf das com­putergestützte Wirkstoffdesign spezialisiert. „Für mich hat das etwas von einem Rätsel. Es ist wie ein Puzzle, bei dem man sich fragt: Wie finde ich das Teil, das ins Protein passt?“, begründet die Forscherin ihre Faszination für das Fachgebiet. Vereinfacht gesagt, entwickelt ihre Forschungsgruppe Methoden, die aus einer großen Menge an verfügbaren experimentellen Daten Regeln ableiten und Vorhersagen für zukünftige Experimente machen. Dazu nutzt sie auch maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz (KI). „Anstatt einem Computer die Regeln mitzugeben, anhand derer Daten sortiert werden sollen, gebe ich dem Computer eine sehr große Datenmenge, beschreibe diese in geeigneter Weise und das Modell lernt selbst, diese Daten zu trennen“, erklärt sie. Die Wissenschaftlerin sieht darin enormes Potenzial für ihr Forschungsfeld. Denn eine KI, die mit Daten von bereits verfügbaren Mole­külen trainiert wurde, kann beispielsweise auch genutzt werden, um neue Moleküle vorzuschlagen: „Solche Algorithmen durchsuchen nicht einen riesigen Datensatz, sondern entwickeln ein passendes Molekül sozusagen von Grund auf.“

Die Anwendungsmöglichkeiten von Vol­kamers Methoden sind sehr breit. Sie können sowohl bei der Entwicklung von Medikamenten gegen Krebs, aber auch für neue Antibiotika zum Einsatz kommen. Doch weil ihre Arbeit ganz am Anfang eines im Schnitt 15 Jahre dauernden Entwicklungsprozesses steht, ist es schwer zu er­mitteln, an welchen konkreten Arzneimitteln ihre Methoden mitgewirkt haben. Umso mehr freut sie sich über die räumliche Nähe der verschiedenen Institutionen an ihrer jetzigen Wirkungsstätte in Saarbrücken. Andrea Volkamer ist eingebettet in das Zentrum für Bioinformatik und arbeitet eng mit der Informatik zusammen, deren Gebäude sich direkt gegenüber befindet. Das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) liegt nur ein paar Meter die Straße hinunter, und auch die Uniklinik in Homburg ist nicht weit. „Durch diese kurzen Wege zu den Partnern, die das Ganze von der Grundlagenforschung bis zu den klinischen Studien weiterführen können, sind wir mehr am ganzen Prozess beteiligt. Ich finde das spannend, am Schluss vielleicht zu sehen, dass die Anwendung unserer Methoden dazu beigetragen hat, ein neues Antibiotikum zu entwickeln“, freut sich die Bioinformatikerin.

Wenn sie über ihren Arbeitsplatz spricht, gerät sie fast ins Schwärmen. Neben den kurzen Wegen zu anderen Fachbereichen lobt sie insbesondere die sehr gute Ausstattung: „Das Saarland wird oft übersehen. Dabei haben wir hier Spitzenforschung mit Spitzenforscherinnen und -forschern. Die Möglich­keiten, die man hier hat, sind riesig“, sagt sie. Hinzu komme ein sehr persön­licher Umgang im Team: „Das ist ein Miteinander, das es an vielen anderen Standorten so nicht gibt. Man kennt sich, man hilft sich.“

Eine Frau mit langen blonden Haaren und Brille, die einen marineblauen Pullover über einem gestreiften Hemd trägt, steht an einem Geländer in einem hellen Flur mit großen Fenstern, die die Professionalität und den Geist von Saarland Marketing widerspiegeln.

Das Saarland wird oft übersehen. Dabei haben wir hier Spitzen­forschung mit Spitzen­forscherinnen und -forschern. Die Möglichkeiten, die man hier hat, sind riesig.“

Prof. Dr. Andrea Volkamer

Engagierte Open-Science-Verfechterin

Neben ihrer Forschungsarbeit liegen Andrea Volkamer auch die Lehre und die Nachwuchs­förderung sehr am Herzen. Als Open-Science-Verfechterin stellt sie nicht nur die Forschungs­ergebnisse sowie den Programmcode ihrer Arbeitsgruppe online zur Verfügung, sondern engagiert sich auch für digitale und frei verfügbare Lehrmaterialien – insbesondere vor dem Hintergrund der Interdisziplinarität ihres Fachs. Gerade die Thematik rund um den Umgang mit großen Datenmengen und KI spielt in immer mehr Fächern eine wachsende Rolle. Biologie, Chemie, Pharmazie und Medizin müssen sich zunehmend damit auseinandersetzen. Deshalb gibt Andrea Volkamer auch KI-Kurse für Kolleginnen und Kollegen aus der Medizin oder der Chemie.

In jedem ihrer Worte spürt man die Leidenschaft für ihr Fach. Dass sie diese ausleben kann, verdanke sie vor allem der Unterstützung ihres Mannes. Als Mutter zweier junger Kinder ist der Spagat zwischen Familie und Forschung nicht immer einfach. Mit dem Umzug ins Saarland sind nun auch die Großeltern in der Nähe und können ab und zu unterstützen. Auch in dieser Hinsicht hat Saarbrücken also eindeutig einen Standortvorteil gegenüber Berlin zu bieten. Kein Wunder, dass sich Andrea Volkamer angekommen fühlt.

Gut vernetzt zum Wohle der Patienten

Hightech in der Medizin:

Gut vernetzt zum Wohle der Patienten 


Das neue Center for Digital Neurotech­nologies Saar und das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien werfen einen Blick in die nahe Zukunft und zeigen, warum sowohl Neuro­technologie als auch Material­wissenschaft im Saarland bereits Leuchtturmprojekte sind.
Eine Person in OP-Kleidung und einem VR-Headset bedient einen Roboterarm über einem drapierten Patienten in einem Krankenzimmer - so präsentiert sich Deutschlands Hidden Champion im Hightech-Gesundheitswesen, gefördert vom Standortmarketing Saarland.
Einsatz von AR-Technologie im OP – Basis für optimale Entscheidungen des Chirurgieteams. © Systems Neuroscience and Neurotechnology Unit (SNNU) 

Computeroptimierte Operationsmethoden, verbesserte Behandlungsmethoden in der Geburtsmedizin oder die frühzeitige Erkennung von Krankheiten durch die Erhebung von Gesundheitsdaten: Im Zeitalter der Digitalisierung verschmelzen Medizin und Technik immer stärker. Deshalb erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Saar-Uni, der htw saar sowie des Zentrums für Mechatronik und Automati­sierungstechnik (ZeMA) im Center for Digital Neurotechnologies Saar (CDNS), wie die engere Verzahnung von Mensch und Computer insbe­­sondere auf dem Feld der Medizin in Zukunft kontinuierlich verbessert werden kann. Das interdisziplinäre Zentrum CDNS wurde Anfang 2022 auf dem Campus Homburg der Universität des Saarlandes eingerichtet und vernetzt dort mit der Universitätsmedizin, der Informatikforschung und der Saarwirtschaft einen großen Talentpool, eine hochwertige Hochschullandschaft und Partner- sowie Tech-Netzwerke.

Übertragung menschlicher Nähe und Berührungen durch das Internet 

Verschiedene Projekte des Techhubs werfen einen Blick in die nahe Zukunft, die längst mehr ist als Science-Fiction. So geht es zum Beispiel bei dem Forschungsprojekt „Multi-Immerse“ darum, schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen im Universitätsklinikum des Saarlandes virtuelle Besuche ihrer Angehörigen in einem speziellen digitalen Raum zu ermöglichen. VR-Brillen (VR steht für „Virtuelle Realität“) sind das wohl bekannteste Beispiel „immersiver Technologien“, mit deren Hilfe wir in virtuelle Welten eintauchen. Sie nutzen aus, dass sich das menschliche Gehirn – eigentlich ein erstaunliches Meisterwerk – relativ einfach austricksen lässt. Denn das Gehirn kann vieles, aber nicht in zwei unterschiedlichen Welten gleichzeitig sein. Wenn sich Menschen also eine dieser VR-Brillen aufsetzen, auf denen ein Strandfilm abläuft, dann haben sie irgendwann das Gefühl, am Strand zu sein, weil sie ja nichts anderes zu sehen und zu hören bekommen als einen Strand und das Geräusch von Wellen. Beim Sehen und Hören machen die Forschenden des CDNS allerdings nicht halt. Sie forschen mit vielen Tech-Partnern an multisensorisch-immersiven Technologien, das heißt, sie wollen uns eine leichte Brise am Strand auch noch fühlen und in Zukunft vielleicht sogar die Seeluft riechen lassen. 

Die psychosozialen Möglichkeiten dieser Technologie nutzt das Projekt „Multi-Immerse“ dazu, schwer erkrankten Kindern, die ihre Familien nicht treffen dürfen, bestmöglichen Ersatz zu bieten. Eine Alternative, die intensiver, unmittelbarer und sinnlich erfahrbarer ist als ein Videocall oder selbst ein Elternbesuch, bei dem sich die Familie doch in zwei unterschiedlichen Räumen aufhält und durch eine Fensterscheibe getrennt ist. Der therapeutische Nutzen ist evident: Stresshormone fallen in Anwesenheit der Eltern bei Kindern messbar ab, die Nähe ist ein Heilmittel. 

Eine Person liegt in einem Krankenhausbett, trägt ein buntes Hemd und ein VR-Headset, an dem Elektroden befestigt sind. Zwei Personen mit behandschuhten Händen stellen die Geräte ein und zeigen Deutschlands Hidden Champion in der medizinischen Forschung durch innovatives Standortmarketing Saarland.
Mithilfe von VR-Brillen soll das Forschungsprojekt „Multi-Immerse“ schwer kranken Kindern virtuelle Besuche ihrer Angehörigen in einem speziellen digitalen Raum ermöglichen. © ZeMA – Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik gGmbH

„Informatiker etwa befassen sich mit der Frage, wie man die Berührung aufnimmt und das Zentrum für Mechatronik mit der Weiterleitung an das Kind. Neurowissenschaftler optimieren die emotionale Erfahrung bei der übertragenen Berührung“, beschreibt Professor Daniel Strauss, Sprecher des CDNS, die interdisziplinäre Zusammenarbeit. „Um zu klären, ab welchem Alter der Einsatz sinnvoll ist, ist auch die Homburger Kinderpsychiatrie mit involviert“, fügt er hinzu. Das Projekt „Multi-Immerse“ wird derzeit in der Kinderklinik Homburg realisiert, soll im Anschluss aber auch in anderen Bereichen des Gesund­heitswesens Anwendung finden. 

NeuroSensorik in Kombination mit KI als Frühwarnsystem

Auch bei dem Projekt „Digital Scrubs“ werden Medizin und Informatik eng miteinander verknüpft. Dabei sollen OP-Teams in Krankenhäusern künftig interaktive Assistenzsysteme zur Seite gestellt werden, die „Aufmerksamkeitsressourcen“ optimieren. Schon heute sind Operationen hochtechnisierte, minutiös getaktete Prozesse in OP-Trakten voller Bildschirme. Der Ansatz „neues Gerät, neuer Bildschirm, neuer Alarmton“ verliert im Zusammenwirken mehrerer Geräte allerdings seine Effizienz. Auch führt die zunehmende Vernetzung innerhalb des OP zu mehr Daten, aus denen wertvolle Informationen zur Verbesserung des Eingriffs abgeleitet werden können. Der Nutzen dieser Informationen zur Verbesserung eines Eingriffs ist derzeit allerdings durch die Aufmerksamkeitsressourcen des OP-Teams beschränkt. 

Das Projekt „Digital Scrubs“ beschäftigt sich deshalb damit, wie relevante, KI-gestützte OP-Infos ans Chirurgieteam optimal übermittelt werden können und welche Vorteile es hätte, wenn Chirurginnen und Chirurgen ihre Sinne durch AR-Technologie erweitern würden. AR steht für „Augmented Reality“ und bedeutet „erwei­terte Realität“, wobei die Forschung am CDNS neben den bekannten AR-Brillen auch das Multisensorische umfasst. Anders als bei VR-Brillen wird die Realität dabei nicht ausgeblendet, sondern AR ermöglicht es der oder dem Operierenden, mit hochauflösenden 3D-Scans ins Patienteninnere zu blicken. „Über die Brille zeigt die KI dem Chirurgen, wo er schneiden soll, auf Basis von Daten, die während der OP in Hoch­geschwin­digkeit ausgewertet werden“, erklärt Professor Daniel Strauss. 

Gleichzeitig soll KI auch eingesetzt werden, um individuell auf die kognitive und emotionale Verfassung des OP-Teams durch spezielle Neurosensorik, zum Beispiel in den OP-Kleidern, einzugehen. „Wenn der Chirurg visuell und akustisch belegt ist, weil er gucken muss, wo er schneidet, und auch noch mit dem OP-Team redet, muss die KI ihm anders mitteilen, dass er um Gottes Willen nicht weiterschneiden darf“, erläutert Professor Strauss. Das könnte zum Beispiel haptisch erfolgen: durch ein Vibrieren der Weste. Vereinfacht gesagt: Neurosensorik soll als Frühwarnsystem wirken und durch das „Aufmerk­­sam­keits-Assistenzsystem“ OP-Fehler minimieren. 

Ein Mann in einem weißen Laborkittel steht in einem Labor neben wissenschaftlichen Geräten und Behältern. Auf einem Bildschirm ist das INM-Logo mit dem Schriftzug "INM Leibniz-Institut für Neue Materialien" zu sehen - ein Hinweis auf Deutschlands Hidden Champion im Saarland Marketing.

Mit diesem multi­diszi­plinären Forschungs­programm ist Saarbrücken international führend auf dem Gebiet der lebenden Materialien.»

Prof. Dr. Wilfried Weber ist seit Kurzem Wissen­schaft­licher Geschäftsführer des INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien

Materialwissenschaft und Biotechnologie verknüpft

Auch das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien arbeitet interdisziplinär. Fachleute aus Materialwissenschaft, Physik und Chemie, aber auch aus der Biologie, Pharmazie und Medizin forschen unter anderem daran, Materialien so zu ver­ändern, dass diese nützliche neue Eigenschaften annehmen: Zerkratzte Lacke heilen sich selbst, Kunststoffe erhalten die Transparenz von Glas und sind dennoch bieg- und knickbar, oder synthetisch hergestellte Materialien werden mit Eigenschaften von natürlichen, lebenden Zellen ausgestattet und dadurch anpassungsfähig und programmierbar gemacht. 

Ein wesentlicher Fokus der INM-Forschung liegt auf der Übertragung von biolo­gischen Prinzipien auf das Design neuer Mate­rialien, Struk­turen und Oberflächen. Seit März 2023 erweitert und vertieft Professor Wilfried Weber mit seinem Fachgebiet, der materialorientierten synthe­tischen Biologie, das Forschungsspektrum des Instituts. Weber ist im Tandem mit Professorin Aránzazu del Campo Wissenschaftlicher Geschäftsführer des INM und zugleich Professor für Neue Materialien an der Universität des Saar­landes. Zu seiner Forschung an „lebenden Materialien“ erklärt er: „Der große Vorteil von Orga­nismen ist ihre Fähigkeit, zu spüren, was in ihrer Umwelt passiert, und sich daran anzupassen. Wir übertragen die dafür verant­wortlichen bio­logischen Sensoren und Schalter in Materi­alien. Auf diese Art konstruieren wir neue Mate­rialien, die ihre Eigenschaften auf die Um­gebung ab­stimmen.“ Sein Team setzt für die minutiöse Steuerung von Genen, Zellen und Materialien vor allem Licht ein und ist damit international führend auf dem Forschungsgebiet der mole­kularen Opto­genetik. „Wir übertragen Mechanismen, wie Pflanzen auf Licht reagieren, in Zellen und diese wiederum in Materialien. So können wir die Eigenschaften der daraus entstehenden lebenden Materialien steuern. Wir sind zum Beispiel in der Lage, über Licht die Stabilität eines Materials zu programmieren“, erläutert Wilfried Weber. Grundsätzlich ist seine Forschung dabei auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. In einem seiner Projekte programmiert er Zellen so, dass aus Holzabfällen wie Sägespänen wieder neue Holzwerkstoffe entstehen – als biologisches Upcycling. 

Dass der renommierte Biotechnologe, der an der Universität Freiburg im Leitungsteam eines Exzellenzclusters mitwirkte, in das Saarland gewechselt ist, liegt für ihn in der Stärke und Vielfalt des Saarbrücker Forschungsstandortes begründet: „Die kurzen Wege und die kollegiale Zu­sammenarbeit über Fächergrenzen und Institute hinweg sind eine der großen Stärken des Saarbrücker Campus.“ Ein Beispiel hierfür ist der Leibniz Science-Campus „Lebende Therapeutische Materialien“. Hier bündeln das INM, die Saar-Universität und das Helmholtz-Institut für Phar­mazeutische Forschung Saarland (HIPS) ihre Ex­­pertise, um ganz spezielle lebende Materialien zu entwickeln, die Arzneistoffe produzieren und diese maßgeschneidert und kontrolliert in den menschlichen Körper abgeben. „Mit diesem multidisziplinären Forschungsprogramm ist Saarbrücken international führend auf dem Gebiet der lebenden Materialien. Es gibt in Europa nur zwei weitere große Standorte in diesem stark wachsenden Forschungsfeld.“

Hoch hinaus

Hoch hinaus


Viele alltägliche Anwendungen auf der Erde werden durch die Weltraumforschung voran­getrieben. Forschende aus dem Saarland untersuchen, wie die Schwere­losigkeit Materialien und auch Menschen verändert.
Ein Astronaut in einem weißen Raumanzug arbeitet außerhalb eines Raumschiffs, wobei die gewölbte Erdoberfläche und die Wolken zu sehen sind - eine Szene, die den Entdeckergeist von Saarland Marketing widerspiegelt.
Experimente im Weltall können wichtige Hinweise für die Medizin auf der Erde liefern. © ESA / NASA

Als am 21. Oktober des Jahres 2022 um 9:25 Uhr die Forschungsrakete MAPHEUS-12 des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt von der schwedischen Raketenbasis ESRANGE nahe Kiruna ins Weltall startete, hatte sie Materialien aus Saarbrücken an Bord: Das Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM) hatte unter Leitung von Tobias Kraus, Forschungsgruppenleiter am INM und Professor für Kolloid- und Grenzflächenchemie an der Universität des Saarlandes, einen Versuchsaufbau mit Gold-Nanopartikeln zusammengestellt. Die Forschenden wollten beobachten, wie sich Partikel zusammenballen, wenn keine Schwerkraft auf sie wirkt.

Seit mehr als fünf Jahren arbeitet das INM-Team bereits an dem Forschungsprojekt. Schon bei Experimenten im 110 Meter hohen Fallturm in Bremen hatten die saarländischen Forschenden festgestellt, dass sich Feststoffpartikel während der neun Sekunden, in denen im freien Fall keine Gravitation auf sie einwirkt, wesentlich schneller zu Klumpen verbinden als auf dem Erdboden.

Ein Mann mittleren Alters mit einer Glatze und einem kurzen Bart lächelt leicht. Er trägt ein dunkelblaues Button-up-Hemd und steht in einer hellen Halle mit unscharfem Licht - ein Bild, das Deutschlands Hidden Champion, Saarland Marketing, widerspiegelt.

Cybersicherheit und die Verbindung mit Künstlicher Intelligenz sind heute ganz
zentrale Themen.»

Prof. Dr. Bernd Finkbeiner, Faculty am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informations­sicherheit und Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes

Bessere Modelle und neue Materialien entwickeln

Im Rahmen des Weltraumflugs in der Forschungs­rakete, die eine Höhe von 260 Kilometern erreichte und dann an einem Fallschirm sanft zurück zur Erde schwebte, hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nunmehr sechs Minuten Zeit, um das Ver­halten der Partikel in Schwerelosigkeit zu beobachten. „Dass wir das Agglomerations­verhalten der Partikel über einen so langen Zeitraum beobachten konnten, bringt uns ein gutes Stück weiter. Je mehr Daten uns zur Verfügung stehen, desto besser können wir unsere Ver­mutungen prüfen“, sagt Kraus. „Noch sind nicht alle Daten ausgewertet. Wir hoffen, bessere Modelle für die Agglomeration zu schaffen und sie für neue Materialien nutzen zu können, beispielsweise für die Elektronik.“

Experimente in der Schwerelosigkeit durchzuführen ist ein sehr spannender Ansatz in der Materialforschung. Sie lenken den Blick auf Prozesse und Eigenschaften von Materialien, die man auf der Erde leicht übersieht. So trägt die Weltraumforschung dazu bei, auch alltägliche, „irdische“ Probleme zu lösen.

Aber es sind nicht nur Materialien, die sich in Schwerelosigkeit verändern – sondern auch Menschen. Damit beschäftigt sich die Weltraummedizinerin Bergita Ganse, die Professorin für Innovative Implantatentwicklung am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg ist. „In fast allen Körpersystemen gibt es Verände­rungen. Es gibt einen Muskelabbau, das Herz schrumpft, das Gehirn wird an manchen Stellen kleiner und man wächst.“ Um durchschnittlich 5,5 Zentimeter werden Menschen in den ersten 24 Stunden im All größer – das liegt daran, dass sich die Bandscheiben ausdehnen. Auf der Erde ange­kommen, schrumpfe der Körper auf die ursprüngliche Größe zurück, so Ganse.

Eine Person mit kurzen braunen Haaren, die eine Brille, einen dunklen Blazer und ein weißes Oberteil trägt, lächelt in die Kamera vor einem schlichten hellen Hintergrund, der die Professionalität von Saarland Marketing widerspiegelt.
Prof. Dr. Bergita Ganse, Weltraummedizinerin und Professorin für Innovative Implantatentwicklung am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS)
Ein Mann mit kurzen braunen Haaren und leichten Bartstoppeln lächelt. Er trägt ein weißes Hemd und eine dunkle Anzugsjacke und verkörpert damit die Professionalität von Saarland Marketing. Der Hintergrund ist unscharf und in hellen Farben gehalten.
Prof. Dr. Tobias Kraus, Forschungsgruppenleiter am INM und Professor für Kolloid- und Grenzflächen­chemie an der Universität des Saarlandes

Experimente im All liefern der Medizin wichtige Hinweise 

Auch das Gehirn passt sich dem Leben im All an: Nach einem Raumflug lassen sich makrostruk­turelle Veränderungen des Gehirns feststellen, etwa mit Blick auf das Gewebevolumen und die Verteilung und Dynamik der Liquorflüssigkeit. Diese Veränderungen könnten damit zusam­menhängen, dass Reize und soziale Interak­tionen abnehmen. „Der Körper reduziert immer alles, was nicht gebraucht wird. Deshalb stellt sich auch die Frage, ob etwas Ähnliches passiert, wenn wir etwa wegen Corona zu Hause in Iso­lation sind“, so die Weltraumforscherin. Die Experimente im All könnten Hinweise dafür
liefern.

Als Folge von Schwerelosigkeit verschieben sich zudem die Flüssigkeiten im Körper: Die Astronautinnen und Astronauten bekommen ein dickes Gesicht und dünne Beine, weil das Blut nicht mehr von der Schwerkraft nach unten gezogen wird, sondern in Richtung Oberkörper und Kopf wandert. Bei längeren Aufenthalten im Weltall kommt es zum Muskelabbau im ganzen Körper, denn die Muskulatur wird in der Schwerelosigkeit kaum beansprucht. Wenn die Astronautinnen und Astronauten zur Erde zurückkehren, seien ihre Beine am Anfang so weich wie Gummi, erklärt Ganse. „Man muss einige Tage einplanen, bis man wieder normal gehen kann. Bis sich die Knochensubstanz wieder erholt hat, kann es mehrere Jahre dauern.“

Die Erholung von Knochensubstanz ist auch abseits der Weltraumforschung ein Schwerpunktgebiet der Chirurgin. Sie entwickelt nämlich mit ihrem Team intelligente Implantate, die nach Knochenbrüchen zum einen Infor­mationen zum Heilungsverlauf an die behandelnden Ärzte funken – und zum anderen durch mechanische Reize den Wiederaufbau der Knochensubstanz und damit die Heilung vorantreiben. Auf diese Weise sollen die Behandlungsdauer und damit der Leidensweg der Betroffenen verkürzt werden. Das habe auf den ersten Blick nichts mit Weltraum und Schwerelosigkeit zu tun, auf den zweiten aber schon, so Ganse. „Es handelt sich nämlich um exakt dieselben Me­chanismen.“

Ein Mann in einem marineblauen Hemd mit Missionsaufnähern sitzt lächelnd vor einem Raumschiff-Bedienfeld und verkörpert die Innovation, die hinter dem deutschen Hidden Champion-Saarland Marketing steht.
„Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut.“


Ein halbes Jahr verbrachte der saarländische ESA-
Astronaut Dr. Matthias Maurer auf der Internatio­nalen Raum­station ISS, bevor er im Mai 2022 auf die Erde zurückkehrte. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen.

Herr Maurer, Sie haben Material­wissen­schaften an der Universität des Saarlandes studiert. Welche Aufgaben hatten Sie auf der ISS? 

Forschung ist der Hauptgrund für unsere Reisen ins All. Wir führen Experimente in den Bereichen Medizin und Lebenswissen­schaften, Physik und Material­wissen­schaf­ten durch sowie technolo­gische Experimente mit Bezug zur Raumfahrt. Ich war an etwa 150 verschiedenen Versuchen be­teiligt. Astronauten müssen sich aber auch um die technische Wartung der Raumstation und Alltagsarbeiten kümmern. Samstags hatten wir z. B. Putztag, um die ISS sauber zu halten. Auch das gehört zu den Aufgaben – egal, welche Aus­bildung man hat.

Dazu gehörte sicher auch das Essen mit speziellen Löffeln, die Sie mitgebracht hatten. Was hat es damit auf sich?

Genau, wir haben die ganze Mission über von Edelstahl- und Kupferlöffeln gegessen, die ich extra mitgebracht hatte. Denn diese „Space Spoons“ waren Teil einer Untersuchung darüber, wie sich die antimikrobiotische Wirkung dieser Metalle noch deutlich steigern lässt. Dafür haben Wissenschaftler im Saarland die Löffel mit speziellen Lasern beschossen und so deren Oberfläche ganz fein strukturiert. Diese Struktur sollte nun dafür sorgen, dass Mikroben, die sich dort ablegen, abgetötet werden. Die Experimente werden aktuell noch ausgewertet. 

Einmal selbst ins Weltall zu fliegen ist an sich schon unglaublich. Aber was war Ihr schönster Moment? 

Mein Außeneinsatz war sicher ein absolutes Highlight, auch wenn anfangs fast alles schieflief, was schiefgehen kann. Am Ende hat jedoch alles wie geplant funktioniert. Aber es gab jeden Tag tolle Momente: Allein wenn ich an den Blick aus der Cupola – dem Fenster der ISS – zurückdenke, bekomme ich jedes Mal Gänsehaut. Die Erde da unten zu sehen, total blau und weiß und dahinter ein unglaublich tiefes Schwarz. Das ist wahn­sinnig beeindruckend.

Cybersicherheit braucht Kooperation

„Cybersicherheit braucht Kooperation“


Neben Chancen bringt KI auch neue Sicherheitsrisiken mit sich. Vera Sikes, Fachbereichs­leiterin IT-Infrastrukturen beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, erklärt im Interview, wie das BSI im Saarland gemeinsam mit der Forschung an Lösungen arbeitet.

Eine Frau mit langen braunen Haaren und roter Brille lächelt leicht. Sie trägt ein dunkelblaues Oberteil und steht vor einem unifarbenen, hellen Hintergrund. Sie repräsentiert Saarland Marketing-Deutschlands Hidden Champion für Standortmarketing Saarland.

Frau Sikes, seit 2021 ist das BSI mit einem eigenen Stützpunkt für KI und IT-Sicherheit in Saarbrücken vertreten. Warum dort und welche Vorteile hat eine physische Präsenz vor Ort?

Das Saarland bietet beste Möglichkeiten für die Vernetzung und den Austausch. Hier gibt es eine hervorragende Universität, renommierte Forschungsinstitute wie das CISPA und interessante Startups. Das Saarland hat mit Cybr360 selbst die Initiative ergriffen, um das Thema IT-Sicherheit voranzutreiben. Mit der Informatik der Universität Saarbrücken, dem DFKI, dem CISPA und deren Ausgründungen arbeiten wir eng zusammen. Vor Ort sind wir, weil trotz aller vir­tuellen Kommuni­kationstools der persönliche Austausch und vor allem der Erstkontakt dadurch erheblich erleichtert werden, und das funktioniert auf dem Campus in Saarbrücken besonders gut.

Wie schätzen Sie die Sicherheitslage bei KI derzeit ein? 

Die Bedrohungslage ist hoch, und Angriffe finden statt. Es ist wichtig, dass Maßnahmen ergriffen werden, die das Sicherheitsniveau erhöhen und das Know-how bei der Cybersicherheit in Deutschland insgesamt steigern. Der Austausch mit dem CISPA und anderen Partnern bietet die Chance, unsere Arbeit mit der Forschung so zu verknüpfen, dass wir gesellschaftlich relevante Resultate erzielen. Die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft muss reibungslos funktionieren, und hier sind wir am Standort Saarland hervorragend aufgestellt. Nur durch Kooperation werden wir es schaffen, das Sicherheitsniveau in Deutschland zu er­höhen.

In welchen Branchen besteht besonders großer Bedarf für Sicherheit in der KI?

Im Automobilbereich wird viel mit KI gearbeitet, aber auch in der Biometrie, also der Technik, die bei hoheitlichen Aufgaben wie Grenzkontrollen eingesetzt wird. Wichtig sind die Medizin und das Finanzwesen, wo wir derzeit an konkreten Bewertungsverfahren arbeiten, um den Einsatz von KI-Produkten sicher zu machen.

Was unterscheidet KI-Systeme bei der Sicherheit von anderen IT-Systemen? 

Bei der KI liegt unser Fokus darauf, wie nach­vollziehbar und sicher ihre Anwendung ist. Wir entwickeln Verfahren, mit denen wir überprüfen können, ob sich die KI so verhält, wie sie soll. Diese Sicherheit ist wichtig für Verbraucher und für die Hersteller, die KI in ihre Produkte integrieren. Darüber hinaus hat das Thema IT-Sicherheit im Zusammenhang mit KI mehrere Aspekte. KI kann selbst zur IT-Sicherheit bei­tragen, indem sie beispielsweise Angriffe ver­hindert, erkennt und die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht. KI kann auch genutzt werden, um neue Angriffsmethoden zu entwickeln und anzuwenden. Und schließlich kann KI selbst ange­griffen werden. Diese Aspekte bearbeiten wir in Saarbrücken auch gemeinsam mit dem CISPA.

Warum muss KI erklärbar sein und wie wird dies erreicht?

Wir analysieren Modelle und Verfahren, die in einer KI zum Einsatz kommen, prüfen, wie sie trainiert wurde, und betrachten ihre möglichen Anwendungsbereiche. Am Beispiel der popu­lären generativen KI wie ChatGPT erklärt: Es ist wichtig, klarzustellen, dass dieses Tool keine Fakten liefert, sondern nur Resultate, die auf Wahrscheinlichkeiten beruhen. Was davon richtig ist, müssen die Nutzerinnen und Nutzer selbst überprüfen. Wichtig ist es auch zu klären, auf welcher Datenbasis die KI trainiert wurde und ob ein eventuell vorhandener Bias, also Vor­urteile, ausgeglichen wurde. Auch das gehört für uns zur Sicherheit von KI.

Wie unterstützen Sie damit die Verbrauche­rinnen und Verbraucher?

Wir wollen ihre Fähigkeit stärken, KI-gestützte Systeme zu beurteilen. Je mehr die Gesellschaft – und damit meinen wir auch Wirtschaft und Politik – über KI weiß, desto besser kann diese eingesetzt werden. Die Stärkung dieser Bewertungskompetenz ist ein Thema, das wir auch gemeinsam mit dem CISPA verfolgen wollen. Dazu gab es bereits einen Austausch mit dem Saar­brücker Startup QuantPi, das aus dem CISPA hervorgegangen ist. Dessen Software legt die Grundlagen offen, die zu den Entscheidungen einer KI führen. Verbraucher sollen erkennen können, wann eine KI zum Einsatz kommt, mit welchen Daten und nach welchen Wertvor­stellungen sie trainiert wurde. Wir wollen ein Bewusstsein für die Risiken im Umgang mit KI schaffen.

Jenseits von Raum und Zeit

Connected Intelligence:

Jenseits von Raum und Zeit


Mit der Bündelung von Wissenschaft, Technologie und Industrie auf kleinster Fläche setzt das Saarland auf technologische Exzellenz in Megatrends wie Konnektivität und Künstliche Intelligenz.
Eine weiße Quadcopter-Drohne mit Kamera fliegt durch den blauen Himmel, die Propeller sind unscharf und bewegen sich - ein perfektes Bild für Saarland Marketing und Standortmarketing Saarland, um auf Deutschlands Hidden Champion in Sachen Innovation aus der Luft hinzuweisen.
© Adobe Stock / Kadmy

Konnektivität ist ein Megatrend unserer Zeit. Ohne die digitale Vernetzung abseits von Raum und Zeit wäre vieles von dem, was für uns heute normal ist, kaum vorstellbar. „Connected Intelligence“ bedeutet, dass viele intelligente Systeme im Hintergrund zusammenwirken. „Wenn etwa Drohnen bei der Versorgung von Erdbebenopfern helfen oder Päckchen ausliefern, wirkt da ein komplexes System von Systemen zusammen“, sagt Bernd Finkbeiner, Faculty am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informations­sicherheit und Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes. „Die Drohnen treffen Entscheidungen und tauschen sich aus, etwa bei Informationen über Wetter oder zur Boden­beschaffenheit.“ Das muss auf eine zuverlässige Art und Weise geschehen, damit beispielsweise der Ausfall einer bestimmten Kommunikations­verbindung nicht das Gesamt­system betrifft. „Cybersicherheit und die Verbindung mit Künstlicher Intelligenz sind heute ganz zentrale Themen“, sagt Finkbeiner. In den geopolitisch unsicheren Zeiten, in denen wir leben, sei Cybersecurity noch wichtiger geworden. Das CISPA hat sich dabei zu einem der weltweit führenden Kompetenzzentren für die Sicherheit von Betriebssystemen und Hardware, insbesondere bei der Erkennung und Abwehr von Cyberangriffen entwickelt. Obwohl noch ein junges Forschungszentrum, ist das CISPA in diesem speziellen Bereich der Cybersecurity weltweit führend. Das belegt auch der eigens für das CISPA aufgesetzte Risikokapitalfonds des international agierenden Nachhaltigkeitsfonds Sustainable & Invest GmbH aus Frankfurt. Das private Risikokapital von bis zu 50 Millionen Euro ermöglicht es jungen Unternehmerinnen und Unternehmern im Saarland, ihre innovativen Ideen voranzutreiben. „Für uns ist es wichtig, nicht nur Grundlagen­forschung zu betreiben, sondern auch in die Wertschöpfung zu dringen“, sagt Finkbeiner. 

Ein Mann mittleren Alters mit einer Glatze und einem kurzen Bart lächelt leicht. Er trägt ein dunkelblaues Button-up-Hemd und steht in einer hellen Halle mit unscharfem Licht - ein Bild, das Deutschlands Hidden Champion, Saarland Marketing, widerspiegelt.

Cybersicherheit und die Verbindung mit Künstlicher Intelligenz sind heute ganz
zentrale Themen.»

Prof. Dr. Bernd Finkbeiner, Faculty am CISPA Helmholtz-Zentrum für Informations­sicherheit und Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes

Wissenschaft und Industrie arbeiten nahtlos zusammen

Denn nur wenn Wissenschaft, Forschung und Industrie nahtlos zusammenwirken, können exzellente Lösungen entstehen, die dann für nachhaltige Sicherheit sorgen, sei es in Flugzeugen oder in IT-Netzwerken von Unternehmen, Be­hörden, Kraftwerken oder Krankenhäusern. Wie ein solches Cluster mustergültig funktioniert, beweist das Saarland. Mit seiner Bündelung von Wissenschaft und Technologie auf kleinster Fläche setzt man hier auf technologische Ex­zellenz in Megatrends wie Konnektivität und Künstlicher Intelligenz. Auf dem CISPA Innovation Campus in St. Ingbert entsteht in den kommenden Jahren ein Ballungs- und Kristallisations­zentrum für Ausgründungen und Ansiedlungen namhafter roßunternehmen in den Bereichen Informatik, Cybersicherheit und verwandten Themen.

Das CISPA liefert Gründerinnen und Gründern perfekte Arbeitsbedingungen und den Unternehmen wissenschaftliches Know-how, Reputation und Fachkräfte. Im Gegenzug kann das CISPA seine Forschung in die Anwendung bringen. „Für die Region wird durch die entstehenden Arbeitsplätze Wohlstand und Wertschöpfung generiert“, sagt CISPA-CEO und Gründungsdirektor Professor Michael Backes. Die IHK Saarland prognostizierte jüngst in einer Studie für die Zukunft allein durch die zu erwartenden CISPA-Ausgründungen regionalwirtschaftliche Effekte von 133 Millionen Euro jährlich. Backes hat sich nicht weniger vorgenommen, als das CISPA zu einem „schlagenden Herzen des Strukturwandels im Saarland“ zu machen.  

Zwei Menschen in blauen Anzügen stehen nebeneinander vor einer Backsteinmauer und lächeln mit verschränkten Händen in die Kamera - der Geist des Standortmarketings Saarland und Deutschlands Hidden Champion ist eingefangen.
Anke Rehlinger, Ministerpräsidentin des Saarlandes, und Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Backes, Gründungs­direktor und CEO
des CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit, möchten das Saarland zu einem weltweit bekannten Hotspot der IT machen.

Rückenwind von der Stanford-Universität

Die ambitionierten Pläne verwundern nur auf den ersten Blick. Denn wie sonst kaum in Deutschland wirken industrielle Produktion, Wissenschaft und Politik so eng zusammen wie im Saarland. An Themen wie Konnektivität und Künstlicher Intelligenz, die heute mit ChatGPT ihren „iPhone-Moment“ haben, forscht man an der Saar bereits seit Jahren. Als Produktions- und Autoland ist es im Saarland seit Langem sinnvoll, sich intensiv mit KI zu beschäftigen. Bei der Vernetzung von Maschinen, Geräten und Sen­soren, die unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ eine Erfolgsgeschichte der Wirtschaft in Deutschland darstellt, war das Saarland Pionier. Und so findet sich hier eine in seiner Dichte rare Kombination von exzellenten Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit Kompetenzen in den Bereichen Hardware, Software und Konnektivität – also den wesentlichen Treibern für die Realisierung von Industrie-4.0-Konzepten. 

Für Exzellenz auf Top-Niveau sorgt dabei das CISPA-Stanford-Programm. Die kalifornische Elite-Universität hat Absolventen wie die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin, Netflix-Gründer Reed Hastings und Elon Musk hervorgebracht. „Im Rahmen des CISPA-Stanford Center for Cybersecurity forschen und lehren CISPA-Forscher als Gastprofessoren in Stanford“, sagt Finkbeiner, der selbst 2003 an der Stanford-Universität promovierte. „Unsere Forscher bleiben dort für zwei Jahre und kehren dann als Gruppenleiter ans CISPA zurück.“

Datenanalyse mit KI beschleunigen

Firmengründungen im Tech-Bereich sind im Saarland häufig Spin-offs aus Universitäten. Ein Beispiel ist Natif.ai. Das Startup analysiert mit Hilfe von KI-Modellen Daten von Banken, Anwaltskanzleien und Versicherungen extrem schnell und genau. „Wir haben es uns auf die Fahne geschrieben, die Welt vom Papierkram zu befreien“, sagt Natif-ai-Co-Gründer Manuel Zapp, der 2014/15 am Deutschen Forschungs­zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken zu einer sehr spannenden Zeit tätig war, wie er bekennt. „Die CEOs der DAX-Konzerne wollten damals wissen, wie wir KI für ihre Unter­nehmen verfügbar machen können. Die einen wollten Insights aus ihren Bestandsdaten, die anderen wollten automatisieren. Und dabei waren in 90 Prozent aller Fälle Dokumente in­volviert.“ Diese Dokumentenprobleme zu lösen, war die Gründungsidee von Natif.ai. Zapp nennt ein Beispiel, wie dabei der Einsatz von KI hilft: „Einer unserer Kunden ist eine Anwaltskanzlei, die einen Berg von Versicherungsdaten hat, wie Schadensgutachten, Restwert eines Autos nach einem Schadensfall oder den Wieder­be­schaf­fungswert. Wir machen die Daten aus diesen Dokumenten für die Automatisierung verfügbar.“

Dabei hilft Natif.ai eine Technologie, die sich Deep OCR nennt. „Dokumente kommen bei uns auch mal als PDF an“, sagt Zapp. „Wenn man den Text aus den Dokumenten verfügbar machen will, funktioniert das unter Zuhilfenahme klassischer Technologien nur mäßig. Mit Deep Learning kann man solche Dokumente nicht nur viel prä­ziser und korrekter auslesen, sondern schafft auch einen Datengrundstamm für das Training weiterer Modelle.“

Großer überdachter Kongress mit vielen Menschen, die die Stände und Banner der Aussteller erkunden. Hohe Fenster, Holzböden und natürliches Licht erfüllen den Raum. Einige Stände beleuchten Themen wie Internetkriminalität und werben für Saarland Marketing als Deutschlands Hidden Champion.
Cybersecurity Day in Saarbrücken: Jährliche Leuchtturm-Veranstaltung rund um das Thema IT-Sicherheit, Compliance und Datenschutz für Unternehmen und öffentliche Institutionen.

Software bringt Licht in die „Black box“ KI

KI vertrauenswürdig zu machen, ist das Ziel des Saarbrücker Startups QuantPi, das 2020 von KI- und Business-Fachleuten des CISPA und der Universität des Saarlandes gegründet wurde. Vertrauen in KI entsteht nur, wenn deren Entscheidungen für den Menschen nachvollziehbar bleiben. Häufig ist KI aber heute noch eine „Black Box“, weil kaum jemand weiß, was die KI gelernt hat und wie sie zu ihren Vorhersagen gelangt ist.

Die von QuantPi entwickelte Software setzt genau da an und will Entscheidungsprozesse von KI-Systemen nachvollziehbar und transparent machen. Die Software analysiert und überwacht KI-Modelle von Unternehmen und Institutionen und stellt klar, welche Daten und Kriterien in eine von einer KI getroffenen Entscheidung geflossen sind. Die Responsible-AI-Plattform von QuantPi soll zum sicheren und selbstbestimmten Zusammenleben von Menschen mit intelligenten Maschinen beitragen und Gefahren abwehren. In der langen Phase der Forschung und Entwicklung bis hin zur Marktreife stand dem Team der CISPA Incubator zur Seite, sowohl inhaltlich als auch bei der Beschaffung von Mitteln aus dem Programm StartUp­Secure des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BmBF). So ist QuantPi bereit für ein Thema, das in naher Zukunft wohl genau solche Wellen schlagen wird wie KI: die Quantencomputer.

Ein Brutkasten für Innovation und Unternehmergeist

Ein Brutkasten für Innovation und Unternehmergeist

1 Bitahoy: Mit KI gegen Cyber-Angriffe

Große Unternehmen, insbesondere solche, die zur kritischen Infrastruktur gehören, geraten zunehmend ins Visier von Hackerinnen und Hackern. Die Systeme dieser Unternehmen müssen permanent kleine und große Attacken analysieren und abwehren, was ein aufwendiger und teurer Prozess ist. 

Bitahoy hat eine Lösung entwickelt, wie Unternehmen diesen Prozess mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) automatisieren können – und nebenbei auch noch ein weiteres Problem lösen. „Es gibt einen großen Fachkräftemangel in diesem Bereich, dem wir mit unserer Software entgegenwirken können“, sagt Roman Tabachnikov, einer der drei Gründer von Bitahoy. Das Tool von Bitahoy analysiert bestehende technische Daten aus verschiedenen Geschäftsbereichen, Prozessen und Dokumenten. Die KI kann dann basierend auf ihren Vorkenntnissen Vorfälle priorisieren und Empfehlungen für Entscheidungen bezüglich des Sicherheitsmanagements der Firma abgeben. Dabei werden auch rechtliche Rahmenbedingungen und Voraussetzungen einbezogen. 

Das Startup Bitahoy konzentriert sich derzeit vor allem auf Finanzinstitutionen wie Regionalbanken und andere Unternehmen der kritischen Infrastruktur. Mittelfristig soll die KI-Lösung aber auch für kleinere Unternehmen zur Verfügung stehen. „Das wird in Zukunft immer mehr gebraucht werden, in allen Bereichen“, ist sich Roman Tabachnikov sicher.

2 Cysmic: Blutanalyse aus der Espressomaschine

Erysense sieht ein bisschen aus wie eine bekannte Espresso-Kapsel-Maschine, kann aber so viel mehr: Das Gerät ist ein Minilabor samt Mikroskop, das den Blutfluss im Körper des Menschen simuliert, dabei rote Blutzellen analysiert und so unter anderem die Qualität von Blutkonserven überprüfen kann.

Dahinter steckt ein ganzes Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die größtenteils von der Universität des Saarlandes stammen. Sie haben einen Kunststoffchip ent­wickelt, der winzige Mikrokanäle enthält, und ein Verfahren, rote Blutzellen auf diesen Kanälen zu analysieren. Rote Blutzellen sind in der Lage, sich stark zu deformieren, um Sauerstoff in jeden Winkel des Körpers transportieren zu können. Sind sie geschädigt, gelingt das weniger gut. 

Dank Cysmics Verfahren können Auffälligkeiten im Blut frühzeitig festgestellt werden. „Das befähigt uns, Qualitätskontrollen von Blutkonserven durchzuführen“, sagt Dr. Stephan Quint, einer der Gründer von Cysmic. Die große Hoffnung dabei: Aktuell müssen alle nicht eingesetzten Blutkonserven nach 42 Tagen entsorgt werden – auch wenn diese noch länger halten würden. Mithilfe von Erysense können Blut­­­konserven hingegen spenderspezifisch bewertet werden. „Wir hoffen, so bis zu 20 Prozent mehr Blut im Markt halten zu können“, sagt Quint.

Eine metallene, rechteckige Industriemaschine mit einem runden Knopf mit grünem Licht auf der Vorderseite und einem offenen Fach in der Mitte, das den Innovationsgeist von Saarland Marketing als Deutschlands Hidden Champion widerspiegelt.
Erysense von Cysmic ist ein Point-of-Care-Blutanalysegerät, das Lab-on-Chip-Tech­no­logie, Bildgebung und KI vereint, und kaum größer als eine Espressomaschine ist.

3 IS Predict: KI-Vorreiter aus Saarbrücken

Effiziente Prozesse für Mensch, Maschine, Material und Energieeinsatz zu gestalten – so lautet das Ver­sprechen des auf KI spezialisierten Softwareunternehmens IS Predict aus Saar­brücken. „Unser Ziel ist es, uns als Vorreiter für innovative und leistungsstarke KI-Lösungen zu etablieren“, sagt Britta Hilt, Managing Director und Co-Founder des 2010 gegründeten Unternehmens. Das Saarland habe ein attraktives Umfeld für das damalige KI-Startup geboten, so Hilt. „An der Uni in Saarbrücken gibt es seit vielen Jahrzehnten das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das weltweit einen guten Ruf hat.“ Es gebe zahlreiche Hilfestellungen bei einer Gründung. Zudem nutze IS Predict heute als erfolgreiches Unternehmen diverse Forschungskoope­rationen. Dabei könne jeder Partner seine spezifische Expertise einbringen.

Zwei Menschen in Business-Kleidung stehen auf einer Wiese mit Windrädern und Bäumen im Hintergrund, während das Sonnenlicht durch die Wolken bricht - eine inspirierende Szene von Saarland Marketing, die für Deutschlands Hidden Champion wirbt.
Gemeinsam haben Richard Martens und Britta Hilt das KI-Unternehmen IS Predict gegründet. Schon 2010 bot das Saarland dafür ein attraktives Umfeld. © Axl Klein

Wir gehen in eine neue Ära der Stahlherstellung

„Wir gehen in eine neue Ära der Stahlherstellung“


Weg von der Kohle, hin zu Wasserstoff und elektrischem Strom: Im Saarland soll in wenigen Jahren CO2-neutraler Stahl hergestellt werden. Stefan Rauber und Reinhard Störmer blicken im Doppelinterview auf die Zukunftsaussichten der saarländischen Stahlindustrie.  
Ein blaues Industriegebäude mit einem großen Schild mit der Aufschrift Pure Steel", teilweise verdeckt von grünen Bäumen unter einem klaren Himmel, unterstreicht die Bemühungen von Saarland Marketing, Deutschlands Hidden Champion zu fördern. Aus einem Schornstein auf dem Dach steigt Rauch auf.
© SHS – Stahl-Holding-Saar

Herr Rauber, wie zeitgemäß ist es, bei der Stahlherstellung Millionen Tonnen CO2 zu emittieren?

Rauber: Das ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß, und deshalb leisten wir mit unserem Transfor­mationsprojekt einen maßgeblichen Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland. Vorbehaltlich öffentlicher Förderungen werden wir künftig über eine sogenannte Direktreduktionsanlage und zwei Elektrolichtbogenöfen produzieren, damit gehen wir in eine neue, umweltfreundlichere Ära der Stahlherstellung. Direktreduktion bedeutet, dass mit Hilfe von Erdgas oder Wasserstoff Eisenerz zu Eisenschwamm umgewandelt wird. Statt also wie bisher Koks­kohle zu verwenden, nutzen wir in Zukunft klimaschonende Reduktionsmittel zur Stahlherstellung. So werden wir schon bis 2030 die „Fit for 55“-­Ziele der Europäischen Union erreichen. Mit diesem Umbau werden wir zum Vorreiter in Deutschland und in Europa.

Herr Störmer, wie unterscheiden Sie sich von Wettbewerbern, die ebenfalls ihre Stahl­herstellung umstellen?

Störmer: Neben technischen Unterschieden ist die Menge des eingesparten CO2 entscheidend. Wir wollen mit dieser neuen Herstellungsmethode 3,5 Millionen Tonnen Stahl herstellen und dabei 4,9 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr bis 2030 einsparen. Indem wir sofort 70 Prozent unseres Stahls emissionsärmer herstellen, gehen wir den größten Schritt unter den deutschen Stahlproduzenten.

Wie viel werden Sie investieren und wann soll es losgehen?

Rauber: Wir werden etwa 3,5 Milliarden Euro investieren und setzen die ersten Maßnahmen bereits um. Förderkonform bereiten wir das Baufeld am Standort Völklingen vor, investieren in eine Trafoanlage in Dillingen und arbeiten an der Infrastruktur im Umfeld. Die großen Aufträge für die Elektrolichtbogenöfen und die Direktreduktionsanlagen werden wir voraussichtlich im Frühjahr 2024 vergeben, wenn die baurechtlichen Ge­nehmigungen und die Förderzusagen vorliegen. Damit rechnen wir im Laufe dieses Jahres. Ende 2026 beginnen wir mit der Testphase und gehen Anfang/Mitte 2027 voll in die Produktion.

Warum liegen die Förderzusagen noch nicht vor?

Störmer: Was wir vorhaben, hat es in Deutschland so noch nie gegeben. Hierzulande gibt es keine Direktreduktionsanlagen, außerdem sind unterschiedliche Verfahren auf dem Markt. Für die Förderungen müssen wir drei Quellen kontaktieren: Land, Bund und EU. Dort müssen wir jeweils das Projekt einer Vielzahl von Entscheidern erklären. Das kostet Zeit. Aber zugegeben, die Materie ist komplex, auch wir lernen täglich dazu.

Ein älterer Mann mit weißem Haar und Brille, der einen dunklen Anzug, einen roten Pullover, ein weißes Hemd und eine rote Krawatte trägt, steht an einem Podium und spricht vor einem dunkelblauen und weißen Hintergrund bei einer Veranstaltung von Saarland Marketing.

Was wir vorhaben, hat es in Deutschland so noch nie gegeben.»

Reinhard Störmer, Vorsitzender der Montan-Stiftung Saar & Vorsitzender der Aufsichtsräte von: SHS – Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaA, der Saarstahl AG, der Dillinger Hüttenwerke und der Dillinger Hütte Saarstahl AG

Was bedeutet die Umstellung für Sie als Unternehmen?

Rauber: Wir kommen aus einer 350-jährigen Geschichte der Stahlherstellung auf Basis von Koks und Eisenerz. Das hat Generationen von Mitarbeitenden und die ganze Region stark geprägt. Nun ändern wir das – radikal –, und das zieht einen starken kulturellen Wandel nach sich, den wir erklären müssen. Das ist uns gelungen: Alle wissen, was und warum wir es wollen, all unsere Mitar­beitenden stehen hinter dem Jahrhundertprojekt. Außerdem ersetzt die neue Technologie nicht nur Anlagen und der Rest bleibt beim Alten. Die Umstellung erfordert umfassende neue Fähig­keiten, Kompetenzen und Prozesse, die eingeübt werden müssen.

Was heißt das konkret für den Standort Dillingen?

Störmer: Vorbehaltlich öffentlicher Förderungen werden die klassischen Hochöfen schrittweise abgeschaltet, die Kokerei, in der bisher der benötigte Koks hergestellt wurde, wird nach der Abschaltung des zweiten Hochofens geschlossen. Dafür wird ein Elektrolichtbogenofen zum Einsatz kommen, in dem nicht mehr nur Roheisen, sondern auch Schrott eingeschmolzen wird. Davon werden etwa zwei Millionen Tonnen pro Jahr verarbeitet, dafür brauchen wir eine ganz neue Logistik. Alles, was zu diesem neuen Verfahren gehört, muss unsere Belegschaft 2027 beherrschen, wenn wir an den Start gehen. Wir sind mit umfangreichen Aus- und Weiterbildungsmaß­nahmen auf einem guten Weg.

Wie schaffen Sie es, in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben?

Rauber: Am Ende muss es gelingen, unsere CO2-neutralen Produkte zu verkaufen. Hier erwarten wir von der Politik in Deutschland und Europa, dass entsprechende Leitmärkte geschaffen werden, denn ohne diese wird es nicht gehen. Eine Regierung kann einerseits nicht fordern, dass alles grün und nachhaltiger werden soll, und andererseits diese Transformation nicht entsprechend unterstützen. Gegenüber Konkurrenten, die ihren Stahl weiterhin auf herkömmliche Weise herstellen, hat ein CO2-neutrales Produkt sonst preislich keine Chance.

Woher wird der Wasserstoff kommen, den Sie brauchen werden? 

Störmer: Das Fernziel ist, den Wasserstoff über eine Leitung aus Frankreich zu beziehen, die direkt nach Dillingen führt. Aber schon in der ersten Phase bis 2030 brauchen wir jährlich über 55.000 Tonnen Wasserstoff, der regional her­gestellt wird. Wir schaffen uns damit unseren eigenen Markt. Da wir den regionalen Energie­anbietern Abnahmegarantien geben können, sind sie bereit, in entsprechende Anlagen zu investieren. Diese werden im Saarland gebaut und die Erst­versorgung sicherstellen.

Ein Mann in Anzug und Krawatte, der eine Brille trägt, hält ein Mikrofon und spricht vor einem dunklen, verschwommenen Hintergrund mit blauer und grüner Beleuchtung bei einer Veranstaltung von Saarland Marketing.

Am Ende muss es gelingen, unsere CO2-neutralen Produkte zu verkaufen. Hier erwarten wir von der Politik in Deutschland und Europa, dass entsprechende Leitmärkte geschaffen werden, denn ohne diese wird es nicht gehen.»

Stefan Rauber, seit Juli 2023 neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der SHS – Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaA und Vorstandsvorsitzender der beiden Stahlunternehmen Dillinger und Saarstahl AG

Wasserstoff ist teuer, elektrischer Strom auch. Welche Rolle spielen die Energiepreise für Sie in Zukunft?

Rauber: Im Vergleich zu den USA ist der Strompreis in Deutschland deutlich höher. Da sollte sich niemand wundern, wenn die hiesige Industrie beginnt, über den Standort nachzudenken. Der Energiepreis ist der entscheidende Wett­bewerbsfaktor, und energieintensive Branchen, zu denen wir gehören, brauchen zwingend einen Industriestrompreis. Die bisherigen politischen Ankündigungen nehmen wir beim Wort – weil wir es müssen. Wir haben ein klares Bekenntnis zum Saarland abgegeben, und nun erwarten wir ein ebenso klares Bekenntnis der Bundes- und Europapolitik uns gegenüber.

Ist CO2-neutraler Stahl auch für Ihre Kundinnen und Kunden wichtig?

Störmer: Unsere Kunden – und deren Kunden – wollen ihren CO2-Fußabdruck senken. Deshalb wird das Thema auch für uns, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, wichtig. Nehmen wir die Monopiles, die Stahlfundamente, auf denen Offshore-Windkraftturbinen stehen. Hier sind wir Weltmarktführer, und es wäre nicht zu vermitteln, wenn gerade diese Bleche künftig nicht CO2-neutral hergestellt werden. Ähnliches gilt für den Transport, die Autobranche und zahlreiche andere Industrien, aus denen es bereits viele konkrete Anfragen gibt. Für sie ist es wichtig, in Zukunft auf einen zuverlässigen Partner für CO2-neutralen Stahl setzen zu können. Dieser Partner wollen und werden wir sein.

Was bedeutet CO2-neutraler Stahl für das Saarland: Risiko oder Chance?

Rauber: Wir schaffen damit eine Zukunft für unsere Unternehmen und die Mitarbeitenden. Und wir schaffen einen Wasserstoffmarkt für die gesamte Region. Hinzu kommt: Es entstehen neue Berufsbilder und Arbeitsplätze, die es heute noch nicht gibt. Wir machen das Saarland attraktiv für andere Unternehmen, die sich hier ansiedeln. So werden wir den CO2-neutralen Stahl zu einer echten Chance für das Saarland machen. Ohne die Unterstützung der Politik wird das aber – gerade in der Übergangsphase bis 2030 – nicht funktionieren.